Sonntag, 15. Juni 2014

[Rezension] Giulia Enders - Darm mit Charme (alles über ein unterschätztes Organ)





285 Seiten
Verlag: Ullstein
Format: Paperback
Sprache: Deutsch
Vokabular: ---
Homepage der Autorin: ---
Reihe: ---









Inhalt (lt. U4-Text):
Ausgerechnet der Darm!
Das schwarze Schaf unter den Organen, das einem doch bisher eher unanbenehm war. Aber dieses Image wird sich ändern. Übergewicht, Depressionen und Allergien hängen mit einem gestörten Gleichgewicht der Darmflora zusammen. Das heißt umgekehrt: Wenn wir uns in unserem Körper wohl fühlen, länger leben und glücklicher werden wollen, müssen wir unseren Darm pflegen. Das legen die neuesten Forschungen nahe. In diesem Buch erklärt die junge Wissenschaftlerin Giulia Enders vergnüglich, welch ein hochkomplexes und wunderbares Organ der Darm ist. Er ist der Schlüssel zu Körper und Geist und eröffnet uns einen ganz neuen Blick durch die Hintertür.


Rezension:
Wie geht kacken? - Das ist die Ausgangsfrage in diesem witzigen, informativen und rundum bereichernden Sachbuch. Die Beantwortung dieser augenscheinlich simplen Frage führt den Leser auf eine Expedition in ein farbenreiches und faszinierendes Wunderland, in welchem ganz unbemerkt die fantastischten Dinge geschehen.

Mit einem Stück Kuchen tauchen wir in unsere eigenen Tiefen ein und erfahren, dass man falsch und richtig sein Geschäft erledigen kann, dass nicht nur das Auge, sondern vor allem der Dünndarm mitisst und warum die Seescheide ihr eigenes Gehirn frisst.

Charmant und informativ führt Giulia Enders in ein gerne gemiedenes Thema ein: Den Darm und alles, was dazu gehört. Dabei ist der Darm ein wundervolles, eigenständiges Wesen, wie die Autorin dem Leser klar macht. Wir verdanken ihm viel mehr als uns bewusst ist.
Man erfährt wie der Darm operiert, wo die Verdauung anfängt und wo sie aufhört, wie der Darm mit dem Gehirn zusammenarbeitet und was er mit unseren Gefühlen zu tun hat (viel!). Da kann man über Allergien und deren mögliche Ursachen (und vielleicht auch Heilungen) lesen und erfahren, wie das Würstchen im Topf nun eigentlich aussehen sollte.
Neben der sachlichen Aufklärung, die keineswegs im unverständlichen Medizinierjargon daher kommt, werden auch eine Menge Anekdoten geboten, die das Sachbuch zu einem Lesegenuss machen. So nimmt Enders das Thema "Erbrechen" recht anschaulich in Angriff:
"Würde man hundert Menschen nebeneinanderstellen, die in nächster Zeit kotzen, ergäbe das ein sehr buntes Bild. Person 14 sitzt in der Achterbahn und reißt die Hände in die Höhe, Nummer 32 lobt den famosen Eiersalat, Nummer 77 umklammert ungläubig einen Schwangerschaftstest, und Person Nummer 100 liest gerade auf einem Beipackzettel 'kann Übelkeit und Erbrechen verursachen.'" - Enders, S.106
 Ebenso fehlen keine zeitgenössischen Anspielungen auf Obama oder ein Seitenhieb auf Facebook:
"Wer auf Facebook Bilder von seinem Abendessen hochlädt und sich wundert, dass Freunde das tolle Foto nicht kommentieren, hat sich einfach nur ans falsche Zielpublikum gewendet. Gäbe es Mikroben-Facebook, würde ein Millionenpublikum beim Anblick des Bildes begeistert applaudieren oder schaudern." - Enders, S.175
Der charmante und zugleich schelmische Unterton hat ein klares Statement: Wir müssen unseren Darm nicht immer skeptisch und befremdet anschauen; wir können ihn als das sehen, was er ist: ein Teil von uns, der wie wir lacht und weint und mit und für uns arbeitet. Und deswegen sollten wir auch mit und für ihn arbeiten. Und ihn ein bisschen mehr Liebe schenken, denn die hat er verdient.
Überhaupt lässt Enders immer wieder ihre große Zuneigung zu diesem totgeschwiegendsten aller Organe durchblicken. Für sie ist er und seine Mikroben/Bakterienwelt ein wahres Prachtschauspiel. Und sowieso sollten wir all den vermeintlich unangenehmen Aktionen unseres Körpers mehr Respekt zollen.
"Wir schauen sportlichen Athleten gerne beim Surfen zu, denken beim Niesen aber keine Sekunde daran, was für ein unglaubliches Action-Surf-Szenario gerade in unserer Nasenflora abgeht. Wir schwitzen hart beim Sport - aber niemand bemerkt die Freude der Bakterien über den sommerlichen Klimawandel in unseren Turnschuhen. Wir essen klammheimlich ein winziges Stück Torte, denken, keiner hat's gesehen, und in unserem Buch brüllt es laut: 'TOOOORTEEEE'." - Enders, 155

Wer sich immer schon mal gefragt hat, was da eigentlich abgeht, wenn wir ein Stück Schokolade in uns reinschieben, der ist bei Darm mit Charme an der richtigen Stelle. Denn hier erfährt man nicht nur, was man schon immer wissen wollte, sondern bleibt erstaunt mit geöffnetem Mund zurück, wenn man erkennt, dass unser Darm ganz schön viel Charme hat.

5 von 5 Punkten

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"Darm mit Charme" war ursprünglich der Titel zu Giulia Enders' Beitrag zu einem Science Slam, den man sich auf Youtube ansehen kann. Hier wird schon deutlich, wie informativ und vergnüglich Wissensvermittlung sein kann.



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Buchversionen:

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Kommentare:

  1. Vielen Dank für die Rezi! Ich habe schon so einige Bücher über den Darm gelesen (Allergiker halt) und weiß zwar nicht, ob ich neue Erkenntnisse gewinne, aber es scheint so, als könnte ich viel Spaß beim lesen haben :) Mal sehen ob und wann mir das Buch mal über den Weg läuft.

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    1. Bitte :D - Lustig ist's auf jeden Fall!

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  2. Ich habe das Buch jetzt auch gelesen und fand es toll. Sooo viel Neues habe ich zwar nicht erfahren, aber Spaß beim lesen hatte ich in jedem Fall. :)

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    1. Ja, unterhaltsam ist es auf alle Fälle :D

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