Freitag, 30. Dezember 2011

[Rezension] Lia Habel, Dearly, Departed

(c) Bantam


480 Seiten
Bantam Books
Hardcover mit Schutzumschlag
Englisch
Deutsche Übersetzung: Dark Love (Piper)


Inhalt (lt. U2-Text):
Love conquers all, so they say. But can Cupid's arrow pierce the hearts of the living and the dead - or rather, the undead? Can a proper young Victorian lady find true love in the arms of a dashing zombie?
The year is 2195. The place is New Victoria - a high-tech nation modeled on the manners, mores, and fashions of an antique era. A teenager in high society, Nora Dearly is far more interested in military history and her country's political unrest than in tea parties and debutante balls. But after her beloved parents die, Nora is left at the mercy of her domineering aunt, a social-climbing spendthrift who has squandered the family fortune and now plans to marry her niece off for money. For Nora, no fate could be more horrible - until she's nearly kidnapped by an army of walking corpses.
But fate is just getting started with Nora. Catapulted from her world of drawing-room civility, she's suddenly gunning down ravenous zombies alongside mysterious black-clad commandos and confronting "The Laz," a fatal virus that riases the dead - and hell along with them. Hardly ideal circumstances. Then Nora meets Bram Griswold, a young soldier who is brave, handsome, noble ... and dead. But as is the case with the rest of his special undead unit, luck and modern science have enabled Bram to hold on to his mind, his manners, and his body parts. And when his bond of trust with Nora turns to tenderness, there's no turning back. Eventually, they know, the disease will win, separating the star-crossed lovers forever. But until then, beating or not, their hearts will have what they desire.
In Dearly, Departed, romance meets walking-dead thriller,spawning a madly imaginative novel of rip-rearing adventure, spine-tingling suspense, and macabre comedy that forever redefines the concept of undying love.


Zum Buch:
Gleich vorangestellt: eine der großartigsten Geschichte, die ich dieses Jahr gelesen habe. Faszinierend, gut, unbedingt lesenswert!

In dieser Dystopie kehren die Menschen nach der beinahe vollkommenen Zerstörung der Welt zu alten Werten zurück - was anders gesagt heißt, dass sie eine neue viktorianische Ära gründen, die ganz auf dem alten Weltbild aufbaut, allerdings von neuen Technologien wie dem Ethernet profitiert. Nur die sogenannten "Punks" grenzen sich von den New Victorians ab und so kommt es immer wieder zu Kämpfen zwischen den beiden Parteien.
Hier lebt Nora, die Heldin des Romans, die wir als trauernde Waise kennen lernen, welche gerade für die Weihnachtsferien aus dem Internat nach Hause fährt, wo ihre Tante sich lieblos um das Vermächtnis von Noras Vater kümmert und die Aufgabe übernommen hat, ihre Nichte aufzuziehen. Nur Noras Freundin Pamela steht ihr bei - doch auch gegen diese Freunschaft hat die Tante etwas einzuwenden, da Pamela aus ärmeren Verhältnissen kommt.
Nur kurz nach Noras Ankunft in den Elysian Fields (ihrer Heimat) dringen Unbekannte in Noras Haus ein und versuchen sie zu kidnappen. In letzter Sekunde wird Nora von ebenso mysteriösen Fremden gerettet und aus der Stadt gebracht. Es dauert nicht lange und Nora erkennt: nicht nur waren ihre Angreifer Untote, auch ihre Retter sind es! Schlimmer noch: Die Infektion, die aus Menschen Zombies macht, breitet sich immer mehr aus. Und zu allem Überfluss scheint Noras vor einem Jahr verstorbener Vater alles damit zu tun zu haben. Nora hat keine Wahl, als die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen.

Geschrieben ist die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln. Da wäre vordergründigst Nora, die durchaus gut und plastisch gezeichnet ist. Ihre anfängliche Abneigung gegen die Zombies ist durchaus verständlich und realistisch. Auch, dass Nora nicht nur ein viktorianisches Püppchen ist, sondern sich sehr wohl durchsetzen kann, macht sie sympathisch. 
Ihr zur Seite gestellt ist der charismatische Bram, seines Zeichens Zombie und sehr um Noras Wohlergehen besorgt. Er setzt alles daran Nora davon zu überzeugen, dass nicht alles Zombies hirnlose Menschenfresser sind.
Auch Pamela darf ihren Teil der Geschichte erzählen. Sie hat einen starken Willen und handelt überzeugend. Neben Nora spiegelt auch sie das Bild einer kräftigen und selbstverantworlichen Frau wider.
Der undurschaubare und gestrenge Wolfe meldet sich ebenso zu Wort wie ein fünfter Erzähler, den ich nicht nenne, um nicht zu sehr zu spoilern.

Unglaublich gut geschilderte Dystopie, die Vergangenheit und Zukunft auf faszinierendste Art miteinander verknüpft und damit ein ganz einzigartiges Klima schafft und den Leser innerhalb von Sekunden in diese neue Welt hineinzieht. Lesen!



Samstag, 10. Dezember 2011

[Rezension] Ransom Riggs, Die Insel der besonderen Kinder

(c) Pan



416 Seiten
Pan
Hardcover mit Schutzumschlag
Ähnlich: Rick Yancey, Der Monstrumologe

Inhalt (lt. U4-Text):
Die Insel. Die Kinder. Das Grauen. Bist du bereit für dieses Abenteuer?
Manche Großväter lesen ihren Enkeln Märchen vor - doch was Jacob von seinem hörte, war etwas ganz, ganz anderes: Abraham erzählte ihm von einer Insel, auf der merkwürdige Kinder mit besonderen Fähigkeiten leben - und von den Monstern, die auf der Suche nach ihnen sind. Inwzischen ist Jacob ein Teenager und glaubt nicht mehr an die wunderbaren Schauergeschichten. Bis zu jenem Tag, an dem sein Großvater unter mysteriösen Umständen stirbt.


Zum Buch:
Jacobs Großvater Abe erzählt ihm oft von den besonderen Kindern auf der Insel. Als Abe Jahre später stirbt, findet Jacob heraus, dass sein Großvater die Wahrheit gesprochen hat und macht sich auf die Suche nach den Kindern in Wales. Wie zu erwarten findet er die Kinder dort auch - wenn auch alles anders ist, als Jacob sich das vorgestellt hat. Es steht mehr auf dem Spiel, als Jacob je geahnt hätte und es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, in dem sich Jacob entscheiden muss, was ihm wichtiger ist: sein altes Leben oder das Vermächtnis seines Großvaters.

Ohne Zweifel handelt es sich bei Die Insel der besonderen Kinder um einen sehr untypischen Roman. Allein schon der im Grunde recht uninteressante Jacob und dessen tristes Leben prädestinieren ihn nicht gerade für einen Helden. Dennoch überzeugt Jacob gerade deswegen und aufgrund der Art und Weise, wie er mit den unerwarteten Entwicklungen nach dem Tod seines Großvaters umgeht - diese Sequenzen sind realistisch und vor allen Dingen glaubwürdig gezeichnet.
Bei Jacobs Suche nach den Wurzeln der Geschichten seines Großvaters geht es in Wirklichkeit um Jacobs Suche nach sich selbst und seiner Bestimmung - die wohl jeder Mensch früher oder später sucht. Vor allen Dingen aber sucht Jacob nach dem Besonderen in sich selbst, von dem er schmerzlich hofft, es zu finden, da er selbst sehr unbeliebt ist, nur einen Freund hat und daher immer einen Wunsch nach Zugehörigkeit und Einmaligkeit hegt.

Sehr schön ist die Aufmachung des Buches, in dem die eigentliche Geschichte durch viele Fotografien unterstützt und lebendiger gemacht wird. Gerade die Bilder sind es, die ein Gefühl von Geheimnisvollen und Düsternis erzeugen und den Leser tiefer in die Geschichte eintauchen lassen.
Die Abwechslung in Thematik und Aufmachung ist erfrischend und faszinierend zugleich. Hier handelt es sich wieder um einen anderen Zugang zu fantastischer Jugendliteratur, wie er nicht allzu oft in den letzten Jahren gewagt wird. Dabei hat Die Insel der besonderen Kinder eher etwas von Harry Potter (Suche nach dem Besonderen) als von Twilight (Teenie-Liebe).
Das Ende des Buches lässt darauf schließen, dass es eine Fortsetzung geben kann.