Montag, 29. November 2010

[Rezension] N.K. Jemisin, Die Erbin der Welt

Originaltitel: The Earth and the Sky 01. The Hundred Thousand Kingdoms
Originalverlag: Orbit, 2010
Aus dem Amerikanischen von Helga Parmiter
Taschenbuch, Klappenbroschur, 448 Seiten
ISBN: 978-3-442-26669-2
€ 9,95 [D] | € 10,30 [A] | CHF 17,90


Inhalt (lt. Rückentext):
Nachdem das Licht über die Finsternis triumphierte...
Natürlich befolgt Yeine Darr den Befehl ihres Großvaters, sich unverzüglich aus der Provinz zu seinem Palast zu begeben. Schließlich ist er der Herrscher über die ganze Welt. Doch als er sie zu seiner dritten Erbin ernennt, gerät sie unvermutet in das Zentrum tödlicher Palastintrigen. Ihre einzige Hoffnung auf Überleben ist ein Bündnis mit Nahadoth - dem zwar versklavten, aber immer noch ebenso mörderischen wie verführerischen Gott der Finsternis...


Zum Buch:
Fesselnd und einzigartig - Die Erbin der Welt hat mir durch und durch gefallen.

High Fantasy ist leider bei Weitem nicht so beliebt wie Contemporary Fantasy. Wer letzteres mag und noch nie in erstes hineingeschnuppert hat, sollte das mit diesem Buch schnell nachholen. Nicht nur verbindet die Autorin die Genres in gewisser Weise (dazu später mehr), sondern dieses Werk ist kein dicker Wälzer und in sich abgeschlossen - das findet man bei High Fantasy ja doch eher selten.
Was Yeine als Protagonistin angeht, so fällt das Klassifizieren ihrer Person zu Beginn schwer. Es wird nicht gleich offensichtlich wer sie ist, was ihre Werte sind und ob sie vertrauenswürdig ist oder nicht. Stück für Stück kann man sich aber ein besseres Bild machen. Besonders überraschend ist ihre kriegerische Natur, die sie als ennu (Anführerin) ihres Klans erworben hat. Im Stamm der Darre sind Frauen die Krieger und Männer bleiben zurück, um Haus und Heim zu schützen - ein sehr interessanter Ansatzpunkt.
Gerade dieser Hintergrund schwächt Yeine ebenso sehr im Kampf gegen ihre Feinde, wie er sie stärkt.
In vielerlei Hinsicht ist sie geradezu naiv (aber niemals die hilflose Heldin), das liegt aber vor allem an ihrem Alter - sie ist noch keine zwanzig.
Ihr wird Nahadoth zur Seite gestellt, der versklavte Gott der Finsternis, der nun seinen menschlichen Herren gehorchen muss. Sein Charakter fasziniert wohl am meisten. Zu Tage ist er eine vollkommen andere Person, eingekerkert in einen menschlichen Körper besitzt er eine zweite Seele, die sich bei Tag zeigt und kaum etwas mit seiner Nachtgestalt zu tun hat. Denn in der Nacht kann erahnt werden wie er als Gott war - und das ist absolut eindrucksvoll geschildert. Das Element der Finsternis hat die Autorin so gut an seinen Charakter angepasst, dass die Illusion vollkommen wird.
Die Beziehung zwischen Yeine und Nahadoth ist unklar. Es herrscht eine gewisse Anziehungskraft, doch ebenso viel Unsicherheit zwischen den beiden. Nahadoths mehr als gefährliche Natur macht es Yeine auch nicht leicht. Und gefährlich, todbringend, ist er wirklich. 

Die Geschichte ist von vorne bis hinten ausgefeilt. Man erwartet um einiges weniger als man im Endeffekt dann erhält - und der Kern von Yeines Geschichte ist umwerfend, das kann ich verraten.
Der Erzählstil ist eingäng und locker gehalten, was schon an einen Stilbruch der High Fantasy grenzt. Yeine ist Ich-Erzählerin und die Erzählart erinnernt stark an das Contemporary Fantasy-Narrativ. Kurze Zwischensequenzen verwirren immer wieder und erst zu Ende wird bewusst, worum es sich bei diesen Passagen wirklich handelt - es handelt sich dabei um ein gut gelungenes Stilmittel.

Die Götter und ihre Welt werden gut beschrieben, dabei werden deren Geschichten nicht überstrapaziert und auf genretypische lange Erklärungen wird Großteils verzichtet.
High Fantasy lädt den Leser immer ein, sich in einer vollkommen neue Paralellwelt einzuleben und an den Sitten und Gebräuchen derer Einwohner teilzuhaben - da ist auch Die Erbin der Welt keine Ausnahme. Die eigene Vorstellungskraft ist hier gefragt und die hat genug Material mit den verschiedenen (und sehr gut umschriebenen) Gottheiten, den unterschiedlichen Völkern und das absolut eigene Regierungsmodell.

Wie schon zuvor erwähnt, ist das Buch in sich abgeschlossen. Das betone ich deswegen, weil es erster Teil einer Trilogie ist - jeder Teil hat aber einen anderen Hauptcharakter. Wer nicht weiterlesen möchte, muss also nicht.

Kurz und gut handelt es sich hier um so eine Art Geschichte, wie ich sie liebe - Götter und ihre Kriege, fremde Welten und deren Kämpfe und eine packende Haupthandlung.




Kommentare:

  1. Okay, jetzt kann ich mich echt nicht mehr beherrschen, wenn ich das nächste Mal daran vorbei laufe. xD Jemand muss mich vom Fantasy-Regal fern halten! Q__Q

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  2. Ich schubs dich eher hin, als dass ich dich fernhalte :D
    Aber mir geht's auch so - ich hab mir das Buch nämlich nur geliehen xD

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  3. Das hat aber wirklich ein wunderschönes Cover :)
    Einen schönen Start in den Dezember :)
    Deine Lucian

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  4. Hallo und herzlichen Glückwunsch. Hab dich für den One Lovely Blog Award nominiert. Du findest unter folgendem Link.
    http://wobittegehtszumnchstenbuch-jenny.blogspot.com/2010/11/one-lovely-blog-award.html

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  5. Hört sich richtig gut an. Ich denke das Buch landet auf meiner Wunschliste. Gerade im Winter mag ich diese Art von Buch.
    LG
    Miriam

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  6. Ich bezweifle, dass du enttäuscht wirst :D

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  7. Man, du machst mich noch arm ;)

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  8. Ich mich auch, wenn's tröstet ^^

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  9. Ich bin mal egoistisch und behaupte, dass es mich nicht tröstet xD
    Aber bis jetzt war ich standhaft! oo Hab ganz gekonnt das unterste Regal des Fantasy-Regals übersehen. xD

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  10. Das ist jetzt vielleicht eine dumme Frage, aber was ist der Unterschied zwischen High Fantasy und Contempory (wie es auch immer geschrieben wird) Fantasy? High Fantasy ist doch sowas wie zum Beispiel Herr der Ringe, oder?

    Super, danke, das schreib ich gleich auch noch auf meine Wunschliste :) Das mit dem versklavten Gott hört sich verdammt gut an...

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  11. High Fantasy ist z.B. Jennifer Fallon, Tolkien, Tad Williams, Trudi Canavan, Jaqueline Carey.
    Contemporary Fantasy sind "was wäre wenn" Settings. Also: Magie, Vampire, Werwölfe usw. in der uns bekannten Welt (contemporary heißt übersetzt zeitgemäß). z.B. Patricia Briggs, Karen Marie Moning, Stephanie Meyer, Joanne K. Rowling, Bettina Belitz, Lauren K. Hamilton, Kelley Armstrong usw.

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  12. Hallo, Philia Libri!

    Ich habe mir mal erlaubt, deine wirklich tolle Rezension mit Quellenangabe und Link hierher bei uns im Forum einzustellen. Wir haben eine Art Empfehlungsbibliothek, und da es deine Rezension war, die mich zum Lesen des Buches animiert hatte... tja... dachte ich mir, das geht bestimmt mehreren so.
    Wenn es dich stört, sag es bitte hier, dann lösche ich das sofort wieder. Ich behalte die Seite hier halt ein paar Tage im Auge.

    Deinen Text findest du hier: http://www.schattenschriften.at/Volcano/board31-lese-ecke/board32-schattenschriften-bibliothek/board77-fantasy/board79-magie/2688-die-erbin-der-welt/#post39264



    Liebe Grüße
    Elia

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  13. Hab grade das Leser dieser Rezi nachgeholt. Mist aber auch, ich dachte vor diesem Buch wäre ich sicher xD Es hat grade Die Assassine auf der High Fantasy - Liste überholt, was ich eigentlich nicht für möglich gehalten habe ^^

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  14. Oh, die Assassine ist auch nicht so gut wie dieses Buch, meiner Meinung nach. Sie ist gut, aber nicht soo gut. :D
    Die Assassine hat einen eher trockenen, fast realistischen Stil, sehr klare und gestochene Sprache. Beinahe männlich. Die Erbin der Welt ist mehr jugendsprachlich, witzig, romantisch und im Stil oft überraschend. Witzigerweise bricht Jemisin eine Menge Tabus (Infodumps, Rückblenden, Anrede des Lesers) und schafft trotzdem die Gratwanderung zu intensiver Spannung. Kauf lieber die Erbin. :D

    Lg
    Elia, die Philia Libri noch mal dankt. :D

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