Dienstag, 9. November 2010

Bücher! Bücher!

Man ignoriere gerne das Tanz der Vampire-Zitat - aber ein anderes und wunderschönes Zitat folgt zugleich. Das ist so toll, dass ich es euch, meinen bibliophilen Freunden, nicht vorenthalten kann. Denn Tad Williams weiß wirklich genau, wie der passionierte Leser denkt:

"Bücher", erläuterte Morgenes mit großer Geste und lehnte sich auf seinem wackligen Schemel zurück. "Bücher sind Magie. Das ist die ganz einfache Antwort. Und Bücher sind auch Fallen."
"Magie? Fallen?"
"Ja, Bücher sind eine Art von Magie" - der Doktor nahm den Band zurück, den er gerade auf den Stapel gelegt hatte -, "weil sie Zeit und Raum sicherer umspannen als alle Zaubersprüche und Wundermittel. Was hat der-und-der vor zweihundert Jahren über das-und-das gedacht? Kannst du durch die Zeiten zurückfliegen und ihn fragen? Nein - oder doch vermutlich eher nicht.
Aber... wenn er seine Gedanken aufgeschrieben hat, wenn es irgendwo eine Schriftrolle oder ein Buch mit seinen abhandlungen zur Logik gibt... dann spricht er zu dir, über Jahrhunderte hinweg! Und wenn du ins ferne Nascadu oder ins verschollene Khandia reisen willst, brauchst du auch nur ein Buch aufzuschlagen..."
"Ja, ja, ich glaube, das verstehe ich alles." Simon versuchte gar nicht erst, seine Enttäuschung zu verhehlen. Das war nicht das, was er mit dem Wort Magie gemeint hatte. "Und was ist mit den fallen? Wieso Fallen?"
[...] "Alles Geschriebene ist eine Falle", meinte er vergnügt, "und zwar von der besten Sorte. Siehst du, ein Buch ist die einzige Fallenart, die ihren Gefangenen, nämlich das Wissen, für immer lebendig hält. Je mehr Bücher man hat", der Doktor machte eine weit ausgreifende Geste quer durch das ganze Zimmer, "je mehr Fallen hat man, und desto größer ist die Chance, ein ganz besonderes, scheues, glänzendes Tier zu fangen, das sonst vielleicht stirbt, ohne dass jemand es zu Gesicht bekommen hat."

Tad Williams, Der Drachenbeinthron S. 124f.
Klett-Cotta 2010


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