Samstag, 4. September 2010

[Rezension] Krystyna Kuhn, Das Tal: Die Katastrophe

Das Tal - Season 1 (Bd. 2) Die Katastrophe
304 Seiten
Klappenbroschur
9,95 EUR [D]
ISBN 978-3-401-06473-4


Inhalt (lt. Rückentext):
Es ist geheimnisvoll. Es ist voller Legenden. Und es lässt sich nicht herausfordern. Von niemandem...
Katie hat nur ein Ziel. Den Gipfel des Ghost zu besteigen, jenes legendären Dreitausenders, der das Tal überragt. Unheimliche Mythen ranken sich um den Berg, seit dort in den Siebzigerjahren eine Gruppe von Jugendlichen verschwunden ist. Doch kaum sind Katie, Julia, David und die anderen unterwegs, geraten die Dinge aus dem Ruder. Was führt der mysteriöse Paul Forster im Schilde, der sich in letzter Sekunde der Gruppe angeschlossen hat? Und was hat der verstörende Fund in der alten Berghütte wirklich zu bedeuten? Als dann auch noch das Wetter verrückt spielt, gerät die Gruppe in Lebensgefahr. Jetzt entscheidet sich, wer Freund und wer Feind ist.

Zum Buch:
Die Inhaltsangabe des Verlags ist gerade so informativ, wie nötig. Und viel anderes könnte ich auch nicht schreiben, schließlich will die Spannung gewahrt bleiben...

Rezeption:
Wie schon der erste Teil zieht Die Katastrophe den Leser gleich in seinen Bann. Diesmal steht die wortkarge Katie im Fokus und man erfährt so einiges über ihr Leben, ihre Vergangenheit und weshalb sie ist, wie sie ist. Dennoch kommt auch Julia, die man in Das Spiel besser kennen gelernt hat, auch immer wieder zu Wort. Das fand ich gut und stimmig, aber dazu später mehr.

Das Setting ist überwältigend. Kanada als Kulisse ist genrell schon fantastisch, diesmal schlägt es die Studenten aber quasi direkt in die Wildness - oder zumindest auf einen einsamen Berg. Schon auf den ersten Seiten begleitet man Katie bei ihren waghalsigen Klettereien, denn wenn sie nicht schlafen kann, geht sie gerne mal ungesichert klettern. Damit baut sich schon auf der ersten Seite die richtige Stimmung auf und man fühlt selbst ein wenig von Katies Nervenkitzel - vor allem kann man sich aber schon darauf einstellen, was einen später erwarten wird, denn der zweite Teil von Das Tal steht ganz im Zeichen der Selbstüberwindung und Grenzenüberschreitung. Und letztendlich der Selbstfindung - oder so weit das eben möglich ist.
Nur wenig der gesamten Handlung spielt sich im College ab, der größte Teil beschäftigt sich mit der Besteigung des Ghost. Gerade diese Separation von jeglicher Sozialisation macht Platz für große und kleine Gefühle, Geheimnisse, Geständnisse und allerhand seltsamer Begebenheiten.

Allerdings hat Die Katastrophe aber leider gegenüber dem Vorgänger einiges an Spannung nachgelassen. Spannend ist die Geschichte allemal - doch sie bleibt einen Schritt hinter Das Spiel zurück. Am Ende gibt es allerdings wieder einige Dinge, die Kopfzerbrechen bereiten und sehr deutlich machen, dass mit dem Tal irgendetwas gar nicht stimmt. Ich habe so ein Gefühl, dass wir noch lange nicht hinter das Geheimnis des Colleges kommen werden, doch es wird immer vielversprechender.

Wie schon erwähnt, steht Katie diesmal im Mittelpunkt und sie ist eine gute und interessante Protagonistin. Ihr Trieb, immer wieder Lebensgefährliches zu tun, sorgt für genug Kick - gerade da Katie ansonsten nicht dafür bekannt ist, aus sich herauszugehen. Das ist beim Klettern schon etwas anderes, denn da ist Katie kaum zu halten.
Zwischendurch gibt es immer wieder Einschübe aus Julias Sicht, deren Beziehung mit Chris immer noch sehr interessant zu verfolgen ist. Denn von reinem Liebesglück kann hier kaum die Rede sein.
Da ich Perspektivenwechsel nicht besonders mag, ist es für mich ein großer Pluspunkt, dass Julia weiterhin (wenn auch eher selten) zu Wort kommt. Ich hoffe, dass im dritten Teil sowohl Julia als auch Katie ein Wörtchen mitzureden haben - so wie ich das sehe, ist es durchaus möglich.

Ein kleines Detail: Während die Sieben über den Berg besteigen, kommt einmal das Gespräch auf Christopher McCandless, dessen Ausriss aus der Gesellschaft von Sean Penn in Into the Wild verfilmt wurde. Das hat jetzt weniger mit dem Buch zu tun, ich möchte den Film nur allen ans Herz legen, Chris' Geschichte ist nämlich äußerst spannend und berührend. Und wer den Film kennt, kann sich ein wenig die Stimmung der Studenten vorstellen - schließlich kommen sie nicht ohne Grund auf das Thema.

Stimmungsvoll und spannend enfaltet Krystyna Kuhn auch hier wieder ihre außergewöhnliche Schreibkunst. Selten lässt sich eine Geschichte so flüssig weglesen.

Zur Autorin:

Krystyna Kuhn wurde 1960 als siebtes von acht Kindern in Würzburg geboren. Sie studierte Slawinistik, Germanistik und Kunstgeschichte und arbeitete als Redakteurin. Seit 1998 ist sie freischaffende Autorin und schreibt mit großem Erfolg Thriller.
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Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an

Kommentare:

  1. "Into the wild" ist ein so unglaublich toller film! den sollte jeder einmal gesehen haben..
    ...und vielleicht sollte ich "Das Tal" auch mal lesen, deine rezi hat mich neugierig gemacht :)
    lg

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  2. Habe mir gerade Deine Rezi durchgelesen, und sehe die Sache mir Chris McCandless. Zufälle gibts... o.O

    Lg
    Daniel

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  3. @Lilanbooks: Find ich auch!
    Probier's aus - sind echt spannend!

    @Daniel: Ja, ich war auch ganz erstaunt, als ich dann deine Rezi zu "In die Wildnis" gesehen habe +lach+

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