Dienstag, 28. September 2010

[_] Miklós Nyiszli, Ich war Doktor Mengeles Assistent

Dietz Verlag Berlin, 1992
Im Jenseits der Menschlichkeit. Ein Gerichtsmediziner in Auschwitz.
Mehr Informationen durch Klick auf die Bilder.


Inhalt (lt. Rückentext Ich war Doktor Mengeles Assistent):
In der Gaskammer des Krematoriums II liegen 3000 Tote auf einem Haufen. Die Männer des Sonderkommandos sind schon dabei, die ineinander verkrampften Leichen abzutransportieren. Bis in mein Zimmer höre ich das Brummen der Aufzüge, das Zuschlagen ihrer Türen. Die Arbeit läuft in hohem Tempo, denn die Gaskammer muss schleunigst geräumt werden. Ein neuer Transport ist bereits angekündigt. Beinahe mit der Tür stürzt einer der Männer zu mir hinein und teilt mir aufgeregt mit, dass man beim Wegräumen der Leichen eine lebende Frau gefunden hätte.
Ich greife nach meiner immer bereitstehenden Arzttasche, und schon renne ich in die Gaskammer hinunter.


Zum Buch:
Miklós Nyiszli, ungarischer Humanmediziner und Jude, wird gemeinsam mit Frau und Kind nach Auschwitz deportiert. Dort meldet er sich freiwillig bei der Frage nach Ärzten mit Kenntnissen in der Obduktion. Er wird dem SS-Lagerarzt Josef Mengele unterstellt und soll ihm bei dessen Untersuchungen helfen.
So wird Nyiszli Teil des Sonderkommandos - das Kommando der lebenden Toten, dennn ihnen ist der Tod gewiss. Kein Sonderkommando hat länger als vier Monate existiert, bevor es liquidiert wurde. Die im SK angestellten Männer wussten zu viel von den Im Konzentrationslager verübten Verbrechen, ihr Wissen durfte nicht nach Außen gelangen.
Nyiszli bewährt sich und wird ein wichtiger Mitarbeiter für Mengele. Er führt Obduktionen an Kranken, Behinderten und vor allem an Zwillingen durch. Er soll die Todesursache von SS-Soldaten aufklären. Er soll Beweise für die Degeneration der jüdischen Rasse finden.

Miklós Nyiszli berichtet vom Alltag in der Todesfabrik Auschwitz, von den Macht- und Psychospielen der SS und den unmenschlichen Behandlungsmethoden. Er erzählt von den Liquidierungen ganzer Lager, als Tausende Menschen innerhalb von Stunden nur noch Asche waren.
Bei Ich war Doktor Mengeles Assistent handelt es sich um einen Erlebnisbericht aus dem Inneren der KZ-Politik, es ist eine Mischung aus harten Fakten und stummen Entsetzen.

Die Ausgabe enthält eine Vielzahl an Anmerkungen und Hintergrundinformationen - zu einzelnen Personen und dem Kriegsgeschehen - und einen Anhang mit Bildern von Auschwitz: erwähnte Personen, die Krematorien, von den Selektionen auf der "Judenrampe" u.v.m.

Das auf dem Rückentext erwähnte Mädchen überlebte übrigens nicht. Nur kurz nachdem Nyiszli festgestellt hatte, dass sie überleben würde und sich für sie eingesetzt hat, wurde sie durch einen Genickschuss umgebracht. Sie war sechzehn Jahre alt.


Für Interessierte empfehlenwert und ein Bericht, der mit seiner erschreckenden Offenheit noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Kommentare:

  1. Ich glaube, es geht einem ganz schön an die Nieren so einen Bericht zu lesen. Das Buch aber auf jeden Fall direkt auf meinen Wunschzettel. Ich glaube, meine Eltern könnte das auch sehr interessiern.

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  2. Ja, es hat mich nicht mehr losgelassen... deswegen musste ich gestern bin drei Uhr früh durchlesen, weil ich wissen wollte, wie es ihm gelang, nicht umgebracht zu werden. Hm.
    Mich interessiert das immer wieder - und es ist immer wieder grauslig zu lesen.

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  3. So hast du also den Rest des Abends verbracht...
    Puh, also nein, ich könnt das nicht lesen, ich krieg schon beim vorletzten Absatz deiner Rezi eine Gänsehaut.

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  4. Kurze Frage: Ist das rote die neue Auflage oder was komplett anderes?

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  5. Nein, zuerst wurde es auf deutsch unter dem Titel "Im Jenseits der Menschlichkeit. Ein Gerichtsmediziner in Auschwitz." herausgebracht, dann gab es offensichtlich die schwarze Version mit dem Titel "Ich war Doktor Mengeles Assistent". Zu kaufen gibt es nur die rote, deswegen hab ich die verlinkt. Mir hat die Freundin meines Bruders die schwarze Edition geborgt (die stammt aus Krakau, 2008). Ich nehm mal an, dass in der roten Edition der Anhang gleich ist, vielleicht ist nur bei den Anmerkungen ein Unterschied.

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  6. Gerne ^^

    Übrigens noch an evi: Schön zu lesen ist es nicht, aber ich finde einfach, das dieses Kapitel der Geschichte nicht ignoriert werden darf und finde es gut, dass es diese Berichte gibt. Und ich lese sie, um mir vor Augen zu halten, dass solche Grausamkeit möglich ist. Oft sind wir ja viel zu illusorisch.

    Und Rezi ist es übrigens absichtlich keine - einen Erlebnisbericht kann man nicht rezensieren, denke ich - was soll ich da bewerten? Ich hab nur über Inhalt berichtet und bewusst nicht meine übliche Kriterienskala hervorgekramt ^^

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