Dienstag, 17. August 2010

[Rezension] Rachel Ward, Numbers

368 Seiten, 13,3 x 19,8 cm
Klappenbroschur mit Prägung und Spotlackierung
ab 14 Jahren
€ (DE) 13,95 € (A) 14,40 sFr 25,90
ISBN 978-3-551-52007-4

Inhalt (lt. Klappentext):
Seit dem Tod ihrer Mutter weiß Jem, dass sie eine furchtbare Gabe besitzt. Deshalb meidet sie Menschen, ist am liebsten allein. Bis sie Spinne kennenlernt und mit ihm das Leben. Zum ersten Mal ist sie beinahe so etwas wie glücklich. Doch als Spinne und sie gemeinsam zum Londoner Riesenrad fahren, passiert es - um sie herum haben plötzlich alle dieselbe Zahl. Jem weiß: Etwas Furchtbares wird passieren. Heute. Hier. Fluchtartig verlassen Spinne und Jem das Gelände. Und lösen damit eine Kettenreaktion aus. Die beiden werden zu Gejagten. Von der Polizei, den Menschen, den Medien. Und Spinnes Todestag rückt näher und näher...

Zum Buch:
Jem sieht das Sterbedatum aller Menschen, denen sie ins Auge sieht. Deswegen meidet sie den Kontakt zu anderen. Deswegen und aufgrund ihrer sehr schwierigen Kindheit. Sie ist gerade mal fünfzehn Jahre alt und war schon bei mehreren Pflegefamilien. Ihre Mutter starb an einer Überdosis, als Jem acht war. Jem möchte gar nicht wissen, wann die Leute um sie herum sterben werden. Und sie möchte es bestimmt niemanden sagen, niemand sollte wissen müssen, wann er stirbt, ist ihre Meinung.
Sie lebt zurückgezogen, bis sie Spinne trifft. Spinne, der so anders ist, aber irgendwie immer das Richtige sagt. Der schlacksige Schwarze mit unangenehmen Ausdünstungen, den Jem näher an sich heranlässt als jeden anderen Menschen jemals zuvor.
Als Jem beim London Eye in den Augen aller Umstehenden die selbe Zahl sieht, weiß sie, dass etwas Schreckliches passieren wird. Gemeinsam mit Spinne flieht sie, kurz nachdem eine Bombe das London Eye zerstört hat. Von da an werden sie beide gesucht und müssen das Weite suchen, denn Spinne hat auch in der Dealer-Szene einigen Dreck am Stecken. Sie begeben sich auf eine Flucht, die das größte Abenteuer von allen werden soll. In dem Jem die Liebe und das Leben kennen lernt, ebenso wie die Akzeptanz des Unvermeidlichen.

Rezeption:
Schon allein die Handlung klang vielversprechend. Jetzt, nachdem ich die letzte Seite gelesen habe, bin ich einfach nur hin und weg. Viel mehr als ein Fantasy-Buch ist Numbers ein Jugendbuch voller Problemthemen. Rachel Ward zeichnet das Leben derer nach, die am Rande der Sozialisation stehen, jene, die von allen bereits aufgegeben wurden und die auch nicht viel vom Leben erwarten dürfen. Problemkinder, über die man lieber hinweg sieht als sich der echten Probleme anzunehmen.

Jem ist genauso, wie man es von einem Kind im Rad der Sozialhilfe erwarten würde. Von einer Familie zur anderen geschleust, hat sie schon längst alle Hoffnungen auf eine Zukunft aufgegeben. Sie lebt in sich gekehrt und vermeidet Kontakt zu anderen Menschen so gut es geht. Nach außen hin ist sie hart, immer auf Kampf aus und in ständiger Abwehrhaltung. Die Schule ist ihr egal, ihr Leben ist ihr egal - sie möchte nur endlich nicht mehr die Todeszahlen anderer Menschen sehen müssen. Und in Ruhe gelassen werden.
Doch gerade Spinne entzieht sich diesem Wunsch und nähert sich Jem immer wieder. Unbeirrt arbeitet er an einer Freundschaft und schließlich merkt Jem, dass sie tatsächlich einen Freund gefunden hat, der sie zum Lachen bringen kann, mit dem ihr Leben nicht ganz so einsam ist.
Jem ist bestimmt kein umgänglicher Charakter, doch sie hat Profil, richtige Tiefe. Man kann nicht anders, als mit ihr mitzufühlen und zu verstehen, warum sie sich verhält, wie sie sich verhält. Das schafft Authenzität und die ist wichtig bei Romanfiguren. Im Gegensatz zu vielen anderen Charakteren ist Jem nicht wie jeder von uns, aber sie ist das Produkt mangelhafter Erziehung, mieser Umfelder und psychischer Schutzmechanismen.
Gerade das macht ihre Freundschaft mit Spinne zu etwas Faszinierendem. Man bemerkt, wie Jem langsam aus sich herauskommt und endlich wieder zu leben beginnt - sich zu verlieben beginnt. Sie schöpft wieder Hoffnung auf eine Zukunft und ist dennoch innerlich zerrissen, da sie das Todesdatum Spinnes kennt und nichts dagegen tun kann. Verzweifelt beschließt sie, den Moment zu genießen.

Erzählt wird aus Jems Sicht. Dadurch bekommt man einen guten Einblick in ihre Welt und auch das Vokabular entspricht voll und ganz Jems Art. Das Buch ist ganz in der Sprache der Jugend gehalten und lässt sich dadurch locker und schnell lesen. Mit etwas über 360 Seiten ist das Buch auch schnell durchgelesen - wenngleich, das nicht auf wenig Handlung schließen lässt. Im Gegenteil, jede Seite ist voller Information, es wird niemals langweilig, es gibt immer das eine oder andere an dem man zu Kauen (oder zumindest nachzudenken) hat.

Obwohl der Tod in all seinen Facetten hier im Blick behalten wird, ist Numbers eine Hommage an das Leben, an Freude, Freunschaft und Liebe. Und nicht zuletzt an die Hoffnung.

Zur Autorin:
1964 geboren, wuchs Rachel Ward in der Grafschaft Surrey südlich von London auf und studierte Geografie in Durham. Erst mit 40 Jahren widmete sie sich dem Schreiben. Auf Anhieb landete ihr Debüt "Numbers" auf zahlreichen Nominierungslisten englischer Jugendbuchpreise. Rachel Ward lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Bath, England.

Herzlichen Dank an
Chicken House

Kommentare:

  1. (Irgendwie mag ich das Chickenhouse-Logo :D)
    Aw! Weit bin ich ja noch nicht, aber ich glaub, ich mach mich sofort wieder ans Lesen! <3 Wofür gab's denn den halben Punkt Abzug? (:

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  2. (Ich auch :D)

    xD

    Den gab's dafür, dass das Buch sehr, sehr gut aber nicht perfekt ist ^^ Irgendwo muss ich schon Grenzen ziehen xD Also, es hat mich zwar begeistert, aber nicht vollkommen von den Socken gehauen, wie es andere Bücher im Genre Jugendbuch gemacht haben. Ist weniger rational zu erklären, ich geb es zu. Ich hatte einfach das Gefühl, da gibt's 4 1/2 Punkte und nicht 5 xD

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  3. (So 'ne Mütze wär cool ... -fixe Idee-)

    Ooookay! :D
    Dann bin ich beruhigt, irgendwie. xD
    Ist ja auch in Ordnung so. Manches gefällt zwar gut, haut aber nicht um. Ich hatte nur einen "bösen" Grund befürchtet -lach-

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  4. Was für einen bösen Grund? xD Gibt's sowas überhaupt? Also... Happy-End gibt es...irgendwie. Und irgendwie nicht, wenn du darauf auch irgendwie anspielst.

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  5. xD
    "Böser" Grund wäre, dass die Autorin an der Geschichte irgendwas vermurkst hat. ... unglaubwürdiges Ende, komische Sachen zwischendurch oder irgendsowas.

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  6. Nein, nein... mir kam es zumindest nicht so vor :D Hat alles gepasst.

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  7. Deine Rezension ist super. Ich lass mich sonst ungern davon begeistern aber ich werd mir das Buch auch kaufen. Klingt so super. Vom Cover her hat man gar nicht den Eindruck von einem Jugendbuch.

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  8. Ich bin überrascht eine so positive Rezension zu dem Buch zu lesen. Die meisten sind ja nicht so begeistert davon gewesen. Ich fand es ganz in Ordnung. Was du alles über Jem und ihren Charakter anführst, kann ich nur unterschreiben. Ich fand ihre Ausdrucksweise manchmal nervig, aber ich glaube, das liegt auch sehr an der Übersetzung. Die Story fand ich zwischenzeitlich schon mal langweilig, aber wie du sagst, liest es sich eigentlich recht schnell.
    Gibt übrigens auch eine Fortsetzung, falls du das noch nicht weißt :)

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  9. Ich bin mehr sehr sicher, dass es an der Übersetzung liegt, deswegen hab ich das einfach hingenommen, weil man das einfach nicht besser machen kann. Londoner Slang ist Londoner Slang und da gibt es im Deutschen kein Pendant.

    Vom zweiten Teil wusste ich noch nix, aber ist wohl auch besser, dass ich darüber nix geschrieben hab, denn das würde so ziemlich alles spoilern xD

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  10. Ich fand das Buch jetzt nicht so prickelnd... Ich hatte verdammte Probeleme mit der extremen Jugendsprache :/

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  11. Es wandert zumindest auf die Wunschliste, deine Rezension klingt ja sehr vielversprechend. Eines fällt mir allerdings noch ein: irgendwie erinnert mich diese Idee an diesen Musikclip von Nickelback (Savin' me)...

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  12. @sternenwanderer: Ja, mich auch xD Und außerdem liebe ich das Lied ^^
    Aber nur die Idee ist gleich, Jem sieht nicht wirklich die Zahlen, sie tauchen einfach in ihrem Kopf auf.

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  13. Hallo Philia Libri,

    dieses Buch hast du sehr gut beschrieben. Ich möchte es auch irgendwann noch lesen.

    Du hast dich als Leser bei meinem Blog angemeldet, aber leider musste ich ihn wegen eines Fehlers aufgeben. Ich würde mich freuen, wenn du meinen neuen Blog
    sarkasmus-bitte.blogspot.com
    ebenfalls verfolgen würdest.

    Vielleicht kannst du als kreative Studentin auch einen Kommentar zu Studi...was? hinterlassen.

    Ich würde mich freuen.

    Liebe Grüße,

    Sophia

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