Donnerstag, 26. August 2010

[Rezension] Nalini Singh, Engelszorn (Gilde der Jäger 2)

Kartoniert mit Klappe
Seiten: 400
Originaltitel: Guild Hunter. Archangels` Kiss
ISBN: 978-3-8025-8275-2
9,95€ [DE] 10,30€ [AT]
Lyx

Inhalt (lt. Rückentext):
Der Kampf gegen einen abtrünnigen Engel kostete Elena Deveraux fast das Leben. Nur die Liebe des Erzengels Raphael bewahrte die Jägerin vor dem sicheren Tod - und verwandelte sie selbst in einen Engel. Das weckt die Aufmerksamkeit der Unsterblichen Lijuan, der Herrin der Toten. Sie spricht eine Einladung aus, die nicht einmal Raphael ausschlagen kann...

Zum Buch:
Elena Deveraux, geborene Jägerin, wacht nach einem Jahr im Koma auf. Davor war sie auf der Jagd nach einem abtrünnig gewordenen, mordenden und Menschen abschlachtenden Erzengel. Dabei hat sie sich auch noch in den Erzengel Raphael verliebt und weit mehr über die Welt der Engel erfahren, als sie jemals wissen wollte.
Und nun gehört sie selbst in diese Welt. Denn Raphael hat das Unmögliche möglich gemacht: Um Elena vor dem sicheren Tod zu bewahren, verwandelte er sie in einen Engel. Nun wird Elena als Kuriosität gehandelt, schließlich gab es noch nie einen Sterblichen, der in einen Engel verwandelt wurde.
Elena selbst muss sich mit ihrem neuen Dasein erst abfinden. Abgesehen von den neuen (und wunderschönen) Flügeln gibt es einiges zu verdauen: Dass sie ein Jahr im Koma lag, ihre Unsterblichkeit, die überraschend heftige Liebe zu dem fordernden und alles andere als einfachen Erzengel, der schon mehr Jahrhunderte erlebt hat, als Elena sich überhaupt vorstellen kann.
Lange kann sich die Jägerin damit allerdings nicht aufhalten, denn sie erhält die Einladung zu Lijuans Ball - der chinesische Erzengel ist bekannt für seine Interesse am Tod und Raphael bangt um Elenas Sicherheit. So schnell wie möglich muss sie wieder zu Kräften kommen und das Fliegen meistern, wenn sie sich der Unsterblichen stellen - und überleben - will.

Rezeption:
Überzeugt hat mich die Geschichte ja schon mit Engelskuss. Die Idee dieser Welt wird als eine perfekte Kombination aus Bekanntem und Innovativem in Engelszorn fortgeführt.

Die modernen Städte werden von verschiedenen Erzengeln überwacht. So hat Raphael die Herrschaft über New York. Außerdem sind Engel nicht himmlische, friedliebende Boten. Stattdessen sind sie herrsch- und rachsüchtig, egozentrisch und grausam. Für die Sterblichen haben sie wenig Verständnis. Da sind ihnen die Vampire schon näher, die sie selbst erschaffen - denn auch diese Idee ist neu: Nicht ein Vampir erschafft einen Vampir, sondern das ist die (Auf-)Gabe der Engel. Dennoch saugen auch hier die Vampire kräftig Blut und sind keine Glitzerfeen.

Die Gilde der Jäger tritt in diesem Band eher in den Hintergrund, wenn auch die Institution als solche immer noch eine Rolle spielt. Vor allem, da Elena trotz ihrer Verwandlung nicht ihre Fähigkeit verloren hat, Vampire aufzuspüren. Stattdessen hat sich diese in gewissem Maß noch verfeinert - sie kann (teilweise) auch den Geruch von Engeln wahrnehmen und sie so verfolgen.
Und obwohl die Gilde eine kleinere Rolle spielt und Elena sich sehr auf ihre Rehabilitation konzentrieren muss, wird die Geschichte keinen Deut langweiliger. Denn auch jetzt noch gibt es einige Gefahren und Fragen, die abgewehrt und beantwortet werden müssen. Jemand trachtet Elena nach dem Tod, das wird schon bald klar.
Um besser mit ihrem neuen Körper zurechtzukommen, lernt Elena mehr über das Leben der Engel und da kommt es gut, dass Raphael sie in den Zufluchtsort gebracht hat. Hier leben die Engel ungestört und ziehen ihren Nachwuchs auf.
Allein dieser Fakt ist schon erwähnenswert: Die Jung-Engel (besonders Sam) sind so liebenswert dargestellt, dass man sie gleich mögen muss - und versteht, wieso es oberstes Gesetz der Engel ist, niemals ein Kind zu verletzen. Kinder unter Engeln sind selten und werden dementsprechend behandelt und beschützt. Ebenso wie diese kleinen Engel muss Elena erst alles über die Welt der Engel lernen. Das tut vor allem dem Leser gut, der auf recht einfache und unkomplizierte Weise ein gutes Bild über das Gefüge dieser Gesellschaft erhält. Vor allem wird auch klar gemacht, dass Engel keine Menschen sind und es nie waren, weswegen sie auch anders empfinden, schließlich haben sie ein um einiges längeres Leben vor sich.

Die Action setzt nicht gleich ein, lässt aber auch nicht lange auf sich warten. Es gibt die bewährten Kampfszenen, die gut und realistisch beschrieben sind. In Trainingseinheiten verfeinert Elena ihre Kampftechniken und dabei lernt sie mit ihren Flügeln umzugehen, die die gewohnten Bewegungsabläufe natürlich erschweren.
Da Jagd auf den neu erschaffenen Engel gemacht wird, hat Elena es natürlich auch mit richtigen Feinden zu tun, es fließt Blut, Glieder werden ausgerissen und generell wird an nichts gespart.

Für mich sehr positiv anzumerken ist der willensstarke und unbezwingbare Charakter Elenas. Obwohl Raphael ein Macho der Sonderklasse ist und nicht viel von Widerspruch und Eigeninitiative hält, wehrt Elena sich, klein bei zu geben und setzt ihren Kopf durch.
Und gerade das ist das Wunderbare an der Beziehung zwischen Raphael und Elena, die ja erst mit dem zweiten Teil der Reihe wirklich anfängt, denn die beiden bleiben sich und ihrer Natur treu, ohne den anderen in seinem Wesen zu beeinträchtigen. Keiner von beiden wird plötzlich häuslich oder weich, die Kriegernatur bleibt ihnen erhalten und trotz Meinungsverschiedenheiten kommen sie gut damit zurecht.
Was die Charakterentwicklung Elenas angeht: Singh konzentriert sich hier auch sehr auf Elenas schreckliche Kindheit, in der sie ihre beiden Schwestern und ihre Mutter durch einen Vampir verlor. Immer wieder holen die Erinnerungen ein und man taucht mit Elena gemeinsam in diesen grausamen Tag ab. Sie selbst erinnert sich immer mehr an das, was passiert ist und muss damit umzugehen lernen - wobei ihr Raphael hilft, zumeist mit Sex - was ich jetzt nicht gerade als die beste Therapie empfinden würde, aber ich würde mich sicher nicht beschweren - und immer wieder einem post-coitalen Gespräch, in dem Raphael seine Lebensweisheit und Liebe zu Elena beweist. In dieser Hinsicht ist der Prachtjunge nämlich ganz schön verletzlich, Elena ist seine einzige Schwachstelle, doch das kommt nur in zärtlichen Gesten und einem liebevollen Wort hier und da hervor. Ansonsten bleibt er der schöne Grobian. Hier ein verdeutlichendes Zitat von Seite 68f:
"Du leuchtest."
"Tue ich das?" Finger lösten ihren Zopf, kämmten durch ihr Haar. [...]
Ihr Herz setzte aus, als sie die Bestätigung für diese Ungeheuerlichkeit in seinen Augen fand und deren Abscheulichkeit zu begreifen suchte. "Du willst doch nicht sagen, dass sie Menschen wirklich wieder zum Leben erwecken kann, oder?"
"Leben würde ich das nicht nennen." Er senkte den Kopf und presste seine Stirn an ihre.
Sie ließ die Hand in sienen Nacken gleiten und drückte ihn an sich, als er ihr Dinge erzählte, die kein Sterblicher ahnte.
 Die Charaktere von Elena und Raphael entwickeln sich parallel zu deren Beziehung, die durch diverse Umstände einiges zu überstehen hat, dabei aber nie ins Wanken gerät. Ein bisschen Sicherheit kann in dem Genre nun wirklich nicht schaden und ich weiß gern, woran ich bin und möchte nicht durch ein Dutzend elender Beziehungsdramen geschleift werden.

Ein Wort zur Umschlaggestaltung: Ich bin absoluter Fan der Klappenbroschur und daher auch sehr glücklich, dass sehr viele Taschenbücher inzwischen in dieser Form erscheinen. Schrecklich finde ich allerdings den Hang zu uniformen Covern, wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe. Gerade wenn es im Original so passende und stimmungsvolle Cover gibt, die zu übernehmen immer noch besser wäre, als ein nichtssagendes zu kreieren. Zum Glück bin ich kein Cover-Käufer, denn allein optisch hätte mich dieses Buch nun wirklich nicht angesprochen.

In Engelszorn gibt es mal eine andere Art von Engeln: die sind gerne einmal so richtig böse und schwingen sich lieber selbst zu Göttern auf als einem zu dienen. Die Handlung ist eine gelungene Mischung aus Spannung, Erotik und Fantasy, die viel für den Fortgang der Reihe verspricht.


Zur Autorin:
Nalini Singh, auf den Fidschi-Inseln geboren, wuchs in Neuseeland auf. Nachdem sie als Rechtsanwältin und Lehrerin tätig war, begann sie 2003 mit dem Schreiben von Liebesromanen und feiert seither große internationale Erfolge.
www.nalinisingh.com


Herzlichen Dank an
Lyx


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