Dienstag, 10. August 2010

[Rezension] Ian Beck, Pastworld

ab 12, erschienen Juni 2010
400 Seiten, 12.5 x 19.0 cm
ISBN 978-3-7855-7156-9
Taschenbuch
9,95 € (D)
10,30 € (A)


Inhalt (lt. Rückentext):
Pastworld, der größte Themenpark, der je errichtet wurde!
Im London des Jahres 2048 gibt es eine atemberaubend reale Welt - Die Welt des 19. Jahrhunderts.
Caleb ist eigentlich nur Tourist in Pastworld. Doch er gerät in einen Hinterhalt und steht plötzlich unter Mordverdacht - ein Verbrechen, worauf im Viktorianischen London die Todesstrafe steht...
Eve ist in Pastworld aufgewachsen und ahnt nichts von der Existenz einer Außenwelt. Doch sie spürt den Atem eines schattenhaften Verfolgers, flieht vor einer unsichtbaren, tödlichen Bedrohung.
Calebs und Eves Fluchtwege kreuzen sich und ihre Schicksale werden untrennbar miteinander verbunden - denn als Kreatur der Vergangenheit und der Zukunft ist das Phantom für Caleb und Eve der Schlüssel zum Überleben und zugleich die größte Gefahr, der sie sich stellen müssen!


Zum Buch:
In seinem Bericht beschreibt Chefinspektor Catchpole die Geschehnisse rund um das Phantom, das Pastworld unsicher macht.
Pastworld ist ein Themenpark, die Rekonstruktion des viktorianischen Londons, in dem Touristen in vergangene Zeiten eintauchen können. In Pastworld gelten die alten Regeln: Es gibt keine moderne Technik und auch die Rechtssprechung entspricht der des 19. Jahrhunderts. Wer hier ein Verbrechen begeht, muss damit rechnen, gehängt zu werden. Auf den Straßen treiben sich ebenso Bettler wie Meisterdiebe herum, fahrende Zirkusse sind alltäglich. Doch nichts davon ist so berüchtigt wie das Phantom, das Morde ganz im Stile Jack the Rippers verübt. Bisher wurde er noch nicht geschnappt und bei ihm handelt es sich auch um keine Attraktion von Pastworld, sondern um einen waschechten, skrupellosen Mörder.
Eve kann sich an ihre Kindheit nicht erinnern. Sie kennt nur Pastworld und hält den Ort für die Realität. Als sie aus ihrem behüteten Zuhause ausbricht und die Wahrheit erfährt, spitzen sich die Dinge zu.
Und dann sind da noch Caleb und sein Vater Lucius. Calebs Vater hat mehr mit den Geschehnissen rund um das Phantom zu tun, als er zugeben möchte und schon bald steckt auch Caleb mittendrin in der Jagd nach dem Phantom...


Rezeption:
Mit Pastworld hat Ian Beck eine faszinierende Zukunftsvision gestaltet. Die beschriebenen Bilder sind atemberaubend, die Stimmung perfekt. Dennoch verlieren weder Autor noch Leser niemals das Gefühl zwischen zwei Welten zu stehen - der des 21. Jahrhunderts und der des viktorianischen Zeitalters. Pastworld gelingt es perfekt eine vergangene Zeit in die Zukunft einzubetten. Das ist ebenso erstaunlich wie aufregend - und sorgt für ein spannendes Leseerlebnis.

Das Buch stellt sich als Polizeibericht des Chefinspektors Catchpole dar, der eine tragende Rolle in der Geschichte um die Auflösung der Identität des Phantoms spielt. Zwei Jahre nach den eigentlich Ereignissen schreibt Catchpole alles nieder und streut auch relevante Dokumente ein. Lesen lässt sich der Roman allerdings wie jede andere Erzählung auch. Erzählt wird aus mehreren Perspektiven. In der dritten Person von Catchpole, Caleb u.a. Eve ist mit ihren Tagebucheinträgen vertreten, schreibt daher aus der Ich-Perspektive.

Der Inhaltsangabe zufolge könnte man glauben, dass die Geschichte sich auf Caleb konzentriert. Dabei steht eher Eve im Mittelpunkt, Caleb kommt erst zur Sprache, als die Geschichte schon längst im Laufen ist. Wie ein Rahmen gibt es immer wieder Einschübe von offzieller Seite, in der aus dem polizeilichen Hauptquartier oder sonstigen Wachbehörden Pastworlds berichtet wird. Durch sie lässt sich der Zusammenhang zwischen den einzelnen Charakteren schneller erfassen und sie sind es auch, die den Fokus immer wieder in die richtige Richtung lenken.

Dass viele auf der Suche nach Eve sind, wird schon bald klar. Und die wenigsten meinen es gut mit ihr. Ohne es zu wissen, versteckt sich Eve instinktiv bei Jago, der ein kleines fahrendes Varieté führt und lernt das Seiltanzen. Dabei ist sie erstaunlich talentiert - beinahe übermenschlich gut. Schon bald wird bewusst, dass mit Eve etwas nicht stimmt und darauf deuten nicht nur ihre Gedächtnislücken hin.
Eves Schicksal ist fest mit dem Pastworlds und dem des Phantoms verbunden, doch inwieweit scheinen nur die wichtigsten Leute der Buckland Corp. zu wissen, die Pastworld erschaffen hat.
Im Laufe der Handlung lernt Eve bald einen jungen Taschendieb und irgendwann auch Caleb kennen, zu dem sie eine seltsame Verbundenheit verspürt.
Mehr kann ich leider auch nicht über den Inhalt sagen, ohne zu viel zu verraten. Denn mit den Geheimnissen fängt Ian Beck sehr schnell an und bald führt eines zum anderen.

Einen halben Punkt muss ich trotz großartigem Lesevergnügens abziehen, weil mir eine genauere Erklärung über Eves Herkunft gefehlt hat. Auch dazu gebe ich nicht mehr Informationen - ich habe mich nur nicht vollständig aufgeklärt gefühlt und gerade die Erklärung habe ich mir schon die ganzen letzten hundert Seiten gewünscht.

Alles in allem ist Pastworld ein fantastisches, atemberaubendes und gut konstruiertes Lesevergnügen, das frischen wie alten (viktorianischen) Wind aufkommen lässt.


Buchtrailer:

Zum Autor:
Ian Beck wurde im sonnigen Seebad Brighton/England geboren. Dort studierte er Illustration und Grafikdesign und versuchte anschließend sein Glück als freischaffender Künstler. Um während dieser unsicheren Monate seine Miete zahlen zu können, jobbte er in der Spielzeugabteilung eines großen britischen Kaufhauses. Und schon bald schaffte er es, sich als Illustrator zu etablieren – unter anderem entwarf er ein CD-Cover für Elton John. Mittlerweile ist er nicht nur ein erfolgreicher Illustrator von Kinder- und Erwachsenenbüchern, sondern auch Schriftsteller. Heute lebt er in London und lässt sich vom stadteigenen Nebel zu spannenden und atmosphärischen Romanen wie Pastworld inspirieren.



Herzlichen Dank an
Loewe

Kommentare:

  1. Irgendwie mag ich den Buchtrailer gerade sehr. (: Sonst hat man ja eher ... ja, Bilder eben und kein richtiges Filmchen.
    Klingt ja mal wieder richtig gut! oo Ich glaub, ich bin letztens irgendwo über das Buch gestolpert, kam aber nicht weiter dazu, mir den Inhalt anzusehen; immerhin hat es jetzt geklappt. xD Ich denk, das kommt auf die Liste :D

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  2. Das habe bzw. werde ich mir auch noch beantragen - die Inhaltsangabe kling SO gut! :D

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  3. Schön, dass es dir auch so gut gefallen hat! :D

    Das mit Eve hat mich nicht sonderlich gestört, ich hab mich genug informiert gefühlt. Aber das empfindet ja jeder anders. :)

    Ich hätt so gern, dass es diesen Park wirklich gibt! Das wär mal einfach genial! :D

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  4. @Saskia: Ja, die englischen Trailer sind öfter mal ein echtes Filmchen.

    @Fani: SPOILERGEFAHR FÜR ALLE ANDEREN
    Ich hätte eben gern gewusst, ob Eve schon von Anfang ein Mensch war, eben normal geboren usw und dann die Gene von Caleb eingesetzt bekommen hat. Oder ob sie z.b. einfach nur ausgetragen wurde, der Gen-Cocktail schon vorher gemischt. Oder ob sie schon als Teenager erschaffen worden ist. Das bleibt ja alles ungeklärt. Und dann die plötzliche Sache mit der Schwangerschaft am Ende... hm. Da hätte ich einfach mehr gewollt.

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  5. Oh das klingt wirklich sehr sehr gut! Dank deiner Rezi wandert das Buch jetzt auf jeden Fall auf meinen Wunschzettel!! ;)

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  6. Sicher keine schlechte Wahl :D

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  7. ACHTUNG SPOILERGEFAHR!

    Ahhh, verstehe! Stimmt, so hab ich das noch gar nicht gesehen. Ich hatte eigentlich angenommen, dass sie als Teenager erschaffen wurde, aber so sicher ist das eigentlich gar nicht fällt mir grad auf. Puh. Sollen wir den Autor fragen? xD

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  8. Hm, wär eine Überlegung wert xD

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