Donnerstag, 5. August 2010

[Rezension] Gail Carriger, Soulless


Inhalt (lt. Rückentext):
Alexia Tarabott is laboring unter a great many social tribulations.
First, she has no soul. Second, she's a spinster whose father is both Italian and dead. Third, she was rudely attacked by a vampire, breaking all standards of social etiquette.
Where to go from there? From bad to worse apparently, for Alexia accidentally kills the vampire - and then the appalling Lord Maccon (loud, messy, gorgous, and werewolf) is sent by Queen Victoria to investigate.
With unexpected vampires appearing and expected vampires disappearing, everyone seems to believe Alexia is responsible. Can she figure out what is acutally happening to London's high society? Will her soulless ability to negate supernatural powers prove useful or just plain embarrassing? Finally, who is the real enemy, and do they have treacle tart?

Zum Buch:
Alexia Tarabott ist 26 Jahre alt und somit über heiratsfähigem Alter. Nicht, dass das noch zählen würde, denn sie ist auch noch Halb-Italienerin (mit zu großer Nase und zu dunkler Haut) und ihr Mundwerk geht nicht selten mit ihr durch. Am liebsten ärgert sie dabei den Werwolf-Alpha Londons, Lord Maccon. Denn der scheint sehr empfindlich auf ihre Sticheleien zu reagieren.
Außerdem ist Alexia Tarabotti eine Preternatural - sie besitzt keine Seele. An sich ist das nichts Schlimmes, doch wann immer sie ein supernaturales Wesen berührt, negiert sie dessen Kräfte und Vampire wie Werwölfe werden menschlich. So kommt es auch, dass sie einen unhöflichen Vampir tötet, der sich nicht einmal vorgestellt hat, bevor er über Miss Tarabottis Hals herfallen wollte. Ohne es zu wissen, ist Alexia von da an einer Intrige größerer Ausmaße auf der Spur und ohne es zu wollen, landet sie immer wieder mitten im Geschehen - und bei Lord Maccon. Der auf einmal gar nicht mehr so nervig, sondern attraktiv und entzückend unkontrolliert in ihrer Gegenwart wirkt. 
Gemeinsam gehen sie dem Grund für das Verschwinden einiger Vampire und Werwölfe, sowie dem Auftauchen unbekannter Vampire auf den Grund und entdecken dabei etwas, das unnatürlicher als jedes supernaturales Wesen ist...

Rezeption:
Mein erster Gedanke: Amanda Quick meets Fantasy!
Gail Carriger ist es gelungen, auf anspruchsvolle, unterhaltende und liebenswürdige Weise historische Romance (bzw. Regency-Roman) und Steampunk zu vermischen. Die Idee ist ebenso neu wie die Umsetzung und sorgt für durchgehend gute Unterhaltung. (Schlaflose Nächte können eine Nebenwirkung sein...)

Dabei lebt der Roman gerade von seiner Protagonistin. Alexia Tarabotti ist einzigartig, witzig, spritzig und schlagfertig. Es gibt kaum eine Situation, zu der sie nicht etwas zu sagen hätte (was Lord Maccon oftmals auf die Palme treibt) und Zurückhaltung kennt sie zwar, hat sie aber wohl selbst noch nicht erfahren. Dabei geht sie äußerst ungern ohne ihren nützlichen Schirm außer Haus - die silbern und hölzerne Spitze erweist sich nämlich nicht selten brauchbar bei Begegnungen mit Vampiren und Werwölfen.
Alexia hat sich schon lange damit abgefunden, unverheiratet zu bleiben. Ihre Mutter hat nur Augen für ihre beiden Halbschwestern und kümmert sich nicht weiter um ihre älteste Tochter. Das verschafft Alexia viel Freiraum für Studien, denn sie ist fasziniert vom technischen Fortschritt und bestens informiert über alle Neuheiten. Ihre Intelligenz beweist sie immer wieder gerne beim Gespräch mit Forschern.

Besonders amüsant und geradezu liebenswert sind die Szenen, in denen Lord Maccon und Alexia aufeinander stoßen. Da gibt es viel zu schmunzeln - und immer öfter auch zu schmachten. Denn der Lord ist kein oberflächlicher Mann und weiß Alexias Werte sehr wohl zu schätzen. Das bringt im Sympathiepunkte ein - zusätzlich zu seinem leicht verwuschelten Aussehen und seinem schottischen Akzent.
Nicht selten haben mich die beiden Figuren an Mr. Darcy und Elizabeth aus Austens "Stolz und Vorurteil" erinnert, gerade, was die Wortgefechte anbelangt.

Abgesehen davon punkted Carriger mit einer ausgefeilten Umwelt. Vampire und Werwölfe sind durchaus akzeptiert in der Gesellschaft, menschen und Supernaturale führen eine harmonische Co-Existenz. Nur von Preternatural ist nichts bekannt, jedenfalls nicht der breiten Öffentlichkeit. Es gibt einfach zu wenige und so ist es wichtig, Alexias Identität zu schützen, nicht zuletzt, weil sie eine Lady ist und das nur unnötige Aufmerksamkeit auf sie lenken könnte, die durchaus gefährlich werden könnte. Schließlich waren Preternaturals früher Jäger der Vampire und die haben dementsprechenden Respekt und Angst vor den Soul-Suckers.

Besser kann man sich einen Steampunk-Roman schon gar nicht mehr wünschen. Carriger bietet viel, das sicher auch ein breiteres Spektrum an Lesern ansprechen wird, schließlich ist von allem was dabei: Liebe, Fantasy, Historie, Spannung, Humor...
Ein Top-Roman und so lesenswert, dass ich ihn uneingeschränkt empfehle und am liebsten jedem ein Exemplar schenken würde... aber Soulless müsst ihr euch wohl selbst zulegen und genießen.

Changeless (Teil 2) ist schon bestellt, Blameless (Band 3) vorbestellt. Jetzt heißt es: ungeduldig warten.

Zur Autorin:
Gail Carriger writes to cope with being raised in obscurity by an expatriate Brit and an incurable curmudgeon. She escaped small town life for Europe and inadvertently acquired an education. She now resides in the Colonies with a harem of Armenian lovers and tea imported from London.

Kommentare:

  1. Ich hab schon einiges von diesem Buch gehört, aber mich erst dank deiner Rezi etwas intensiver damit befasst. Jetzt kommt es sofort auf die Wunschliste!

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  2. Jari: Das Buch soll lt. Loveletter auch auf Deutsch erscheinen. Allerdings weiß ich weder, wann genau, noch bei welchem Verlag – gekauft wurden die Rechte aber offenbar.

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  3. @Jari: Du wirst es bestimmt nicht bereuen :D

    @Irina: Ich fürchte nur, dass bei der Übersetzung der typisch britische Charme verloren geht, denn so übersetzen, dass es die gleiche Wirkung hat, kann man einfach nicht.

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  4. oh ich würde das buch so gerne lesen, aber ich mag die qualität der englischen bücher einfach nicht so gerne ... die zerfleddern immer so schnell =(
    ich hoffe es kommt wirklich auf deutsch raus auch weil mich dieses steampunk genre total interessiert =)

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  5. Zerfleddern? Also, halten tut das Buch so gut wie jedes andere. Aber ja, es ist das typische amerikanische Taschenbuch-Format mit recht kleiner Schrift. Ich bin inzwischen schon so daran gewöhnt, dass es gar nicht stört.

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  6. Na, haben wir´s nicht alle schon gesagt? Das Buch ist einfach DER HAMMER! Und bitte, das sag ich, die Fantasy-Null *gg*.
    Aber dem Schreibstil von Gail Carriger und ihren liebenswerten Figuren kann man sich einfach nicht entziehen.
    Und auch ich befürchte, dass der Charme und der Witz der in Gail Carrigers Sprache liegt, durch die Übersetzung verloren gehen könnte.

    Außerdem kann ich auch bestätigen, dass das Buch nicht zerfleddert. Aber ich bin diese ami-paperbacks halt auch schon so gewöhnt ;-))

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  7. Lisa: Das kann natürlich sein – wär ja nicht das erste Mal. Andererseits ist es aber ja auch nicht so, dass es nicht gar keine guten Übersetzungen gäbe! ;) Ich dachte einfach, ich stell's noch mal in den Raum für Leute, die sich mit englischen Büchern schwer tun oder sie gar nicht lesen! :)

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  8. @evi: Wie wahr :D

    @irina: Ja, natürlich gibt es gute Übersetzung. Aber es gibt einfach (erfahrungsgemäß) gewisse Barrieren, die nicht überwunden werden können. Und ich bin mir beinahe vollkommen sicher, dass die Stimmung einfach nicht transportiert werden kann, weil wir im Deutschen keinen vergleichbaren "Ton" bzw. Stil haben. Und das wär so schade bei dem Buch.
    Leute, die nicht gerne oder gar keine englischen Bücher lesen, denen würde ich natürlich auch sagen, dass sie dann das deutsche lesen sollen! Nur wer kann, hat sicher mehr vom Original :)

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  9. @irina:
    Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube es war Blanvalet.

    Ich habe das Buch immer noch ungelesen hier liegen. Und das liegt daran, dass es mir empfohlen worden ist (mehrfach) mit den Worten: Lies nicht Teil 2, bevor nicht Teil 3 bei Dir zuhause ist!!
    Könnte ja auch auf Teil 1 zutreffen, wenn ich die vielen, vielen positiven Rezis ansehe ..

    @Rose:
    Ich lese die auch immer so vorsichtig wie möglich (was echt anstrengend ist!), aber sie knittern immer. Aber man gewöhnt sich dran. Irgendwie und irgendwann ...

    Schöne Rezi! Böse Verführerin!!

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  10. Wir haben ja eh schon drüber gesprochen :D Schöne Rezi! :)

    Zu den amerikanischen Taschenbüchern möcht ich noch was sagen: Ich mag die auch überhaupt nicht! Vor Soulless hab ich es noch bei keinem geschafft, es fertig zu lesen (waren nicht viele), weil ich die kleine Schrift überhaupt nicht mag und mir auch schon öfter welche in der Mitte auseinandergebrochen sind.
    Das ist aber bei Soulless überhaupt nicht der Fall! Also, die kleine Schrift schon, aber das Auseinanderbrechen nicht. Und, ganz ehrlich, an die kleine Schrift gewöhnt man sich schnell - vor allem bei SO einem Buch. :)

    Teil 2 nicht lesen bevor Teil 3 nicht erschienen ist - ja, sollte man vielleicht :D Ich hab Teil 2 grade gelesen und bin echt froh, dass der 3. in einem Monat kommt! :D

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