Sonntag, 1. August 2010

[Rezension] Antje Babendererde, Rain Song

320 Seiten
Gebunden
14,95 EUR [D]
ISBN 978-3-401-06522-9
Arena
Rain Song auf Amazon.de


Inhalt (lt. Rückentext):
Hanna?"
"Ja?" Sie wandte sich um und sah ihn an.
Seine Kehle war ganz rau. "Hast du Jim wirklich geliebt?"
Hanna bekam feuchte Augen "Ja", sagte sie, "ich liebte ihn sehr. Für sechs Monate und noch lange darüber hinaus war Jim der wichtigste Mensch in meinem Leben.
Aber anscheinend hat ihm das nicht genügt."

Der Sturz von den Klippen hätte leicht tödlich ausgehen können. Doch Hanna überlebt - dank des Makah-Indianers Greg. Aber ist es ein Zufall, dass die Brüstung der Aussichtsplattform genau an jenem Tag nachgegeben hat?
Und was hat es mit der Legende der geheimnisvollen Frau vom Wald auf sich, die immer häufiger im Reservat gesichtet wird? Hanna ahnt, dass die Vorfälle etwas mit ihrer verzweifelten Suche nach Jim zu tun haben, den sie vor fünf Jahren hier kennenlernte. Gemeinsam mit Greg geht sie den Dingen auf den Grund. Doch während sie und Greg sich näherkommen, entdecken sie Stück für Stück Jims wahre Identität und damit ein Geheimnis, wie es furchtbarer nicht sein könnte.

Zum Buch:
Fünf Jahre ist es her, seit Jim mit Hanna nach Deutschland ging. Sechs Monate später verschwand Jim wieder in seine Heimat, nach Neah Bay, wo die Makah wohnen. Seitdem hat Hanna nie wieder etwas von ihm gehört. Alles was bleibt, ist die Erinnerung und Jims Tochter, die sie allein großziehen muss. Als Ola beginnt, Fragen über ihren Vater zu stellen, fasst Hanna einen Beschluss: Sie fliegt nach Amerika und wird herausfinden, was aus Jim und ihren gemeinsamen Träumen geworden ist.
In Neah Bay angekommen, gibt das Geländer am Flattery Cape nach, als sie sich dagegen lehnt und Hanna stürzt. Doch Greg, ein junger Makah-Indianer, rettet sie. Er kümmert sich von da an um Hanna, umso mehr, als sie herausfinden, dass Jims Verschwinden sie beide verbindet.
Zusammen machen sie sich auf die Suche und entdecken dabei gut gehütete Geheimnisse, die an allem rütteln, an das die Hanna und Greg geglaubt haben.

Rezeption:
Ich glaube, jetzt ist es amtlich. Antje Babendererde kann einfach nichts falsch machen. Das ist der dritte Roman von ihr, den ich gelesen habe und ich bin wiederrum begeistert. Libellensommer hatte mich eingenommen, Die verborgene Seite des Mondes hatte mich fasziniert und zum Fan der Autorin gemacht, und Rain Song hat zum träumen eingeladen.
Im Gegensatz zu Libellensommer und Die verborgene Seite des Mondes, ist Rain Song kein Jugendbuch. Selbstverständlich kann es aber auch von Jugendlichen gelesen werden und die werden sich in der Geschichte pudelwohl fühlen. Nicht zuletzt wegen der eingeschobenen Erzählstränger zweiter jugendlicher Makah-Indianer, die ihre Liebe entdecken und gegen Traditionen ankämpfen müssen.

Protagonisten sind aber eindeutig Hanna und Greg. Hanna ist auf der Suche nach Aufklärung. Sie möchte wissen, weshalb Jim sich nie wieder bei ihr gemeldet hat, obwohl sie Pläne für die Zukunft hatten. Und in Neah Bay will niemand davon wissen, dass Jim nach Amerika zurückgekehrt ist. Das gibt sowohl Hanna als auch Greg Rätsel auf und die beiden versuchen herauszufinden, was geschehen ist - und vor allem, wo Jim steckt.
Dabei kommen die beiden sich näher. Das führt zu Gewissenskonflikten, denn Hanna möchte nicht noch einmal das Herz gebrochen bekommen und Greg steckt in einer Welt voller Traditionen, in der es verpönt ist, mit einer Weißen eine Beziehung zu beginnen.

Sehr stark aufgefallen - noch stärker als in den beiden anderen Romanen - ist mir der Rassismus der Indianer den Weißen gegenüber. In Rain Song werden die Weißen weniger kritisiert, sondern eher die strengen Traditionen der Indianer in Frage gestellt. Denn gerade diese Traditionen führen zu sehr viel Unglück unter den Indianern und machen ihnen das Leben oft unnötig schwer. Und gerade diese Traditionen sind dafür verantwortlich, dass Ola keinen Vater hat.
Aber natürlich bleiben auch die Europäer nicht verschont. Als Schlagwort fällt immer wieder "Der Ausverkauf der Kultur". Es wird Infrage gestellt, ob es rechtmäßig ist, Zeremonien-Gegenstände, die von Indianer-Familien beschlagnahmt wurden in europäischen Museen auszustellen, statt sie den rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben. 

Auch in diesem Werk überzeugt Babendererde mit wunderschönen Worten. Die Stimmung spiegelt sich auf vollkommene Weise in den Sätzen wieder und mit jedem Wort wird man tiefer in die Geschichte gezogen. Manche Sätze waren so schön, dass ich sie mir am liebsten aufgeschrieben hätte. Einen davon will ich hier zitieren:
Vielleicht kann man die Vergangenheit bewältigen, dachte Greg, aber was danach kommt, kann einem den Boden unter den Füßen wegziehen.
 Solche und andere Stellen stimmen nachdenklich und laden, wie schon erwähnt, zum Träumen ein.
Rain Song ist eine Reise durch die Welt der Makah, es erzählt gleichzeitig zwei wunderschöne Liebesgeschichten und stellt die Frage, wann man von den alten Traditionen abweichen muss. Schön, berührend und eine Geschichte, die viel an den Leser zurückgibt.


Rain Song ist die vollständig überarbeitete Neuauflage von Der Pfahlschnitzer.

Zur Autorin:
Antje Babendererde, geboren 1963, wuchs in Thüringen auf. Nach einer Töpferlehre war sie als Arbeitstherapeutin in der Kinderpsychatrie tätig. Seit 1996 ist sie freiberufliche Autorin mit einem besonderen Interesse an der Kultur, Geschichte und heutigen Situation der Indianer. Ihre einfühlsamen Romane zu diesem Thema für Erwachsene wie für Jugendliche fußen auf intensiven Recherchen und USA-Reisen und werden von der Kritik hochgelobt.


Herzlichen Dank an

Kommentare:

  1. Ich warte schon sehnsüchtig auf mein Buchpaket mit "Rain Song" und dank deiner Rezension kann ich es jetzt noch weniger abwarten:-D
    Die anderen Bücher von ihr sollte ich mir dann auch mal näher anschauen...

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  2. Mir hat bisher am besten "Die verborgene Seite des Mondes" gefallen. :)

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  3. Schöne Rezi! :) Antje Babendererde ist definitiv eine der besten Autorinnen, die ich je gelesen habe!

    (Ich sehe, du liest jetzt Soulless! Bin schon gespannt, was du dazu sagst :D Der zweite Teil Changeless ist bisher noch nicht so der Knaller wie Soulless, aber ich glaub jetzt bin ich über die Einleitungsphase hinaus und es wird spannend ... )

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  4. Danke :D

    Bis jetzt hab ich mal das erste Kapitel gelesen, das zweite angelesen und war schon very amused :D

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  5. Hey, ich habe dich für den One little sparkling blog award nominiert.
    Was das heißt, findest du hier:
    http://umwegezumziel.blogspot.com/2010/08/one-little-sparkling-blog-award.html

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  6. Ich habe schon Lakota Moon gelesen, und es war echt toll, und ich lese bald Der Gesang der Orcas... Ich sag dir bescheid, ob das Buch auch gut ist !

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