Mittwoch, 21. Juli 2010

[Rezension] Peter Schwindt, Libri Mortis: Flüsternde Schatten

400 Seiten, 14.0 x 21.5 cm
ISBN 978-3-7855-5875-1
Hardcover
16,90 € (D)
17,40 € (A)

Inhalt (lt. Klappentext):
Es beginnt an ihrem sechzehnten Geburtstag. Reglos steht der Mann da und starrt Rosalie mit leerem Blick an. Niemand außer ihr sieht ihn. In derselben Nacht dringen merkwürdig wispernde Stimmen aus der Tiefe an ihr Ohr. Niemand außer ihr hört sie. Rosalie beginnt zu zweifeln. An sich. An der Realität. Und ihr wird klar, dass es keinen anderen Ausweg gibt: Sie muss dem Flüstern in die Dunkelheit folgen, um herauszufinden, was es damit auf sich hat. Rosalie macht sich auf die Suche nach Erklärungen. Doch was sie findet, ist eine Welt voller Schatten und Finsternis. Eine Welt unter der Welt. 

Zum Buch:
Seit ihrer Geburt liegt Rosalies Mutter im Koma. Daran hat die inzwischen Sechzehnjährige schwer zu tragen, denn sie gibt sich selbst die Schuld daran: Wäre sie nicht geboren worden, ginge es ihrer Mutter gut. Dabei hilft ihr die emotionsneutrale Art ihres Vaters ganz und gar nicht. Rosalie ist einsam und nur der junge Afrikaner Ambrose aus der Vorstadt scheint sie zu verstehen.
Als sie dann beginnt, Stimmen zu hören und einen Mann zu sehen, den alle anderen nicht zu bemerkten scheinen, bekommt sie es mit der Angst zu tun. Schließlich hörte auch ihre Mutter Stimmen - und die war manisch-depressiv. Immer öfter fragt Rosalie sich, ob sie verrückt wird, doch aus irgendeinem Grund kann sie das nicht glauben und will den seltsamen Phänomenen nachgehen. Dabei muss sie sich tief in die Eingeweide Paris begeben: In die Katakomben, der Stadt unter der Stadt.

Rezeption:
Peter Schwindt ist mit diesem Roman ein wirklich spannendes Jugendbuch gelungen. Der Auftakt der Trilogie verspricht viel für die Folgebände (Schlaflose Stimmen, Lauernde Stille).

Rosalie ist ein atypischer Charakter. Im Laufe der Jahre hat sie einen Hang zur Farbe schwarz und der damit einhergehenden Stimmung entdeckt und treibt damit ihren Vater immer wieder an den Rand der Verzweiflung. Auch in der Schule tut sie sich schwer. Ihre Probleme belasten sie, denn es ist nicht leicht, jede Woche die komatöse Mutter besuchen zu müssen und nie mit dem Vater darüber sprechen zu können. Die einzige wahre Familie, die Rosalie hat, ist ihre Großmutter, doch auch mit der gibt es bald Probleme.
Immerhin ist Ambrose immer für sie da und Rosalie glaubt, dass sich zwischen ihnen etwas entwickeln könnte. Wann immer sie jemanden braucht, ist Ambrose zur Stelle und hift ihr durch jede knifflige Lage. Er steht ihr auch bei, als sie ihm erklärt, dass sie Stimmen hört und in die Katakomben aufbrechen will, obwohl das lebensgefährlich ist.

Da Rosalie nicht bereit ist, an ihrer Geistesverfassung zu zweifeln, macht sie sich auf die Suche nach Antworten. Auf dieser Suche stößt sie allerdings auf immer neue Fragen und bald wird klar, dass es hier um eine große, mysteriöse Sache geht. Auch der Immobilienhai Pylart gibt Rosalie Rätsel auf, denn der entwickelt ein Interesse an dem Mädchen und von ihm geht eine seltsame Aura aus, die Rosalie an seiner Menschlichkeit zweifeln lässt. Irgendwie scheint er auch noch die oberen Zehntausend von Paris in der Hand zu haben. Und obwohl sie es sich nicht erklären kann, weiß Rosalie, dass sie irgendetwas mit Pylart verbindet. Etwas, das auch mit ihrer Mutter zu tun hat.

Die Geschichte sorgt für Spannung und im ersten Teil wird das Rätsel bei Weitem noch nicht gelöst. Stattdessen steht man ratlos da und weiß nur, dass man es hier mit etwas Großem zu tun hat.
Der Erzählstil ist jugendgerecht, aber nicht zu jugendlich. Durch den personalen Erzähler baut man zwar eine Nähe zu Rosalie auf, behält aber den nötigen Abstand, um sie und das, was sie umgibt, in Frage stellen zu können. Gerade durch diesen Stil wird die Aura des Mysteriösen aufrecht erhalten.

Dennoch war mir Rosalie das eine oder andere Mal ein wenig unsympathisch und ich konnte einige ihrer Handlungen nicht ganz nachvollziehen. Das liegt an der stellenweise etwas holzigen Ausdrucksweise. Doch das trübt das Lesevergnügen nur unmerklich. Fest steht, dass der erste Teil mich neugierig auf Teil zwei und drei macht und ich hoffe, mich denen schon bald einmal widmen zu können...


Zusatzinformation:
Es gibt gleich zwei Neuauflagen des Buches (Taschenbuch und daher günstiger):
von Heyne und
von cbj (erscheint am 9. November 2010)

Zum Autor:
Geboren wurde Peter Schwindt 1964 in Bonn. Er studierte Germanistik, Komparatistik und Theaterwissenschaften in Berlin, brach seine Uni-Karriere aber nach vierzehn Semestern und einem Schein erfolgreich ab. Ungebrochen aber blieb seine Leidenschaft für Film, Theater und Literatur. In den folgenden Jahren arbeitete er unter anderem als Software-Redakteur, Lektor für Comiczeitschriften und Drehbuchautor.
Im Jahr 2000 verfasste der Autor für den WDR die Hörspielserie Justin Time, die er drei Jahre später zu einem fünfbändigen Romanprojekt um den Zeitreisenden Justin Time ausbaute. Standen hier noch fantastische Elemente im Vordergrund, präsentiert sich Peter Schwindt mit seiner libri mortis-Trilogie als genauer Beobachter menschlicher Abgründe und spielt sein literarisches Können auf dem Gebiet des Mystery-Psycho-Thrillers voll aus.
Schwindt lebt mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in der Nähe von Frankfurt. [Quelle]

Kommentare:

  1. Hey!
    Ich finde deinen Blog echt klasse, da ich auch so eine Leseratte bin. ;) Also, ein großes Kompliment dafür!
    Hab dich auf meine Blogroll (Linkliste) gesetzt, hoffe das ist okay?!

    Ganz liebe Grüße.<3

    AntwortenLöschen
  2. Hallo und natürlich herzlich willkommen auf meinem Blog! Freut mich, dass er dir gefällt :D
    Klar ist das okay!

    AntwortenLöschen
  3. Ooooh! -> Spontaner Ausruf, als ich das Cover sah. xD
    Das klingt ja toll! Nicht perfekt, aber ... toll eben :'D Noch besser, dass es das Buch auch als TB und auch noch mit dem Cover gibt! xD (Auch wenn mir die der Fortsetzungen und besonders des dritten bandes nicht so ganz gefallen.)
    Mal wieder danke für einen guten Tipp! ;D

    AntwortenLöschen