Montag, 12. Juli 2010

[Rezension] Misty Massey, Die Magierin des Windes

Taschenbuch, Broschur, 464 Seiten, 11,5 x 18,3 cm
ISBN: 978-3-442-26758-3
€ 8,95 [D] | € 9,20 [A] | CHF 16,90
Inhalt (lt. Rückentext):
Die junge Falkin entkommt mit Müh und Not den Klauen der mächtigen Magiergilde, die alle Menschen mit einem besonderen Talent - wie Falkin einer ist - beherrschen will. Auf den Decksplanken des Kaperschiffs Vogelfrei hat sie ein neues Leben gefunden. Doch da wird Kapitän Binns, der um ihr Geheimnis weiß, bei einem Landgang verhaftet. Schuld daran ist der zwielichtige - und außerdem überaus attraktive - McAvery, und den will Falkin jetzt zur Strecke bringen. Doch auch McAvery verfügt über außergewöhnliche Fähigkeiten...

Zum Buch:
Falkin hat es geschafft - nachdem sie sich jahrelang gegen die rauen Piraten durchsetzen musste, ist sie nun anerkannte Maatin der Vogelfrei. Die Männer wagen nicht mehr, sich ihr in anzüglicher Weise zu nähern und respektieren sie für ihre Fähigkeiten. Doch von ihrer herausragendsten Fähigkeit wissen sie nichts. Wenn Falkin summt, pfeift, singt oder sonst wie eine Melodie fabriziert, kann sie den Wind beeinflussen. Diese Gabe ist zugleich auch ihr Fluch, denn die Danisober, ein Magierorden, verfolgt alle Menschen, die sie "Verheißungen" nennen und sperren sie in ihrem Orden ein. Und nichts liegt Falkin ferner - sie ist für das Meer und die Freiheit geschaffen, und dort möchte sie auch bleiben.
Dann allerdings überschlagen sich die Ereignisse, als sie dem attraktiven Philip McAvery über den Weg läuft. Mit ihm stimmt etwas ganz und gar nicht. Als dann auch noch Falkins Kapitän gefangen genommen und auf sie selbst Jagd gemacht wird, weiß Falkin, dass sie in Schwierigkeiten steckt. Sie muss ihren Kapitän finden und befreien und zugleich herausfinden, was es mit dem geheimnisvollen McAvery auf sich hat. Mit der Lösung des Rätsels hätte sie allerdings wohl nie gerechnet.

Rezeption:
"Die Magierin des Windes" hat mich positiv überrascht. Ich habe mir keine großartige Geschichte erwartet, doch ich war mehr als zufrieden mit dem, was ich bekommen habe. Der Plot ist durchdacht und erst am Ende erkennt man, wie alle Fäden zusammenführen. Das lässt erkennen, dass sich die Autorin wirklich Gedanken über eine sinnige Geschichte gemacht hat. Außerdem hat "Die Magierin des Windes" Biss, Action und viel Piraterie - und Gesetzeslosigkeit - zu bieten. Selbstverständlich geht da gar nichts ohne einen Schuss Magie, um das Ganze aufzupeppen.
Sehr interessant ist die Figur der Falkin, die in ihrem Leben so einiges hat durchmachen müssen. Seit ihre Eltern von den Danisobern ermordet wurden, ist sie auf der Flucht vor den Magiern und versucht ihre Gabe zu verstecken. Und das gelingt ihr bis dahin auch sehr gut. Nur ihr Kapitän weiß, was wirklich in ihr steckt und der hat so seine Gründe, weshalb er kein Wort darüber verliert und eine Frau zu seiner Maatin macht.
Falkin ist eine starke Frau, die sich in einer männerdominierten Welt durchsetzen musste - was ihr auch gelungen ist. Sie ist gut im Schwertkampf und kennt sich bestens mit Schiffen aus. Von Freibeuterei versteht sie auch nicht gerade wenig. Wenn es sein muss, kann sie auch richtig hart und blutrünstig sein, wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt. Eine echte Piratin eben.
Selbstverständlich macht sie sich immer wieder Sorgen darüber, dass sie eine Frau ist und die Männer diesen Fakt über ihre Qualifikation stellen könnten. Und diese Sorgen sind alles andere als unberechtigt. Die Männer vergessen nur zu gern, dass Falkin richtig zupacken kann, wenn sie sie in einem Rock sehen. Doch eines hat Falkin gelernt: Mit aufdringlichen Männern zurechtzukommen. Allerdings hat sie nicht mit McAvery gerechnet, der ihr Herz immer wieder mal höher schlagen lässt und in ihr den unsinnigen Wunsch hervorruft, ihn zu küssen. Ständig hat Falkin mit ihren Gefühlen zu kämpfen und hindert sich immer wieder daran, schwach zu werden. Schließlich stimmt mit McAvery etwas ganz und gar nicht.

Auch die übrigen Charaktere sind zumeist liebevoll gezeichnet. Fokus liegt allerdings definitiv auf Falkin und deren Emotionen.
Binns, der Kapitän, ist wie in Vater für Falkin und ist der erste, der erkennt, was wirklich in ihr steckt. Er fördert sie und gibt ihr jede Möglichkeit, sich zu beweisen. Doch er hat so einige Geheimnisse, die er Falkin verschweigt. Nach seiner Gefangennahme bleibt Falkin nichts anderes übrig, als genau diese Geheimnisse zu ergründen, die irgendwie immer mit McAvery zusammenhängen zu scheinen.
Philip McAvery ist zum einen typischer Schönling, der sich gerne in Positur wirft (gerade auch um die hübsche Falkin zu beeindrucken), zum anderen aber tiefgründiger ist, als auf den ersten Blick  zu erwarten wäre. Er ist in so manche Intrige involviert und kennt sich in der magischen Welt besser aus als Falkin. Früher oder später hat sie keine andere Wahl, als ihm ihr Vertrauen zu schenken.

Der Erzählstil ist locker gehalten. Immer wieder kommen Momente voller Spannung auf, "Piratenfeeling" gibt es immer wieder. Besonders angenehm ist der unterschwelige Humor, der immer wieder hervorklingt und sich dann und wann in stereotypen Floskeln und Charakteren widerspiegelt. Auf diese Weise kann man mit den Piraten mitfiebern und zugleich auch über die rauen Männer lächeln. Das sorgt für eine entspannte Atmosphäre beim lesen.
Mir hat sehr gut gefallen, dass Massey noch einen weiteren Plot unter die Piratengeschichte legt, die dem Ganzen einen tieferen Sinn verleiht und aus dem Freibeutermärchen eine richtige Geschichte werden und die erschaffene Welt stärker einfließen lässt. Falkin wird vor schwere Entscheidungen gestellt, muss sich der Frage stellen, wer nun Feind und wer Freund ist. Sie muss sich in einer Meuterei beweisen und zeigen, dass auch eine Frau eine gute Piratin sein kann. Dabei schwingt immer ihre Loyalität zu ihrem Kapitän und Männern der Mannschaft durch

In "Die Magierin des Windes" steckt alles, was man sich von einer Piratengeschichte nur erwarten kann. Die Mischung aus dieser Piratengeschichte und Staatsintrigen, macht diesen Roman vielschichtig und spannend.



Zur Autorin:
Misty Massey lebt in South Carolina. Sie ist Autorin einiger Kurzgeschichten und Gedichte. "Die Magierin des Windes" ist ihr erster und bisher einziger Roman.
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Herzlichen Dank an Soleil, die mir das Buch hat zukommen lassen!

Kommentare:

  1. PIRATEN! *_* Meine neue Liebe :D
    Das Buch muss ich haben...*aufschreib*

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  2. Klingt ja äußerst interessant :D

    (Im Übrigen: Deine Rezensionen werden wirklich immer länger XDDD)

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  3. @Katha: Aha :D Und wie kommt's zu der Liebe? (Ich steh ja auch drauf...)

    @Conny: Stimmt :D

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  4. Ich hab vor kurzem die beiden bisher erschienenen "Sturmwelten" - Bücher von Christoph Hardebusch gelesen, danach "Die Wellenläufer" von Kai Meyer und schon war es um mich geschehen :D

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  5. So, dann versuche ich es heute einfach noch mal und hoffe, dass das System mir nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht ;)
    Erstmal bin ich froh, dass Du das Buch jetzt gelesen hast, vielen lieben Dank dafür!
    Ich scheine mit meiner Vermutung richtig zu liegen, dass es wohl doch eher ein Buch für jüngere Leser ist (ich weiß, ich weiß, aber ich bin halt zehn Jahre älter ;) ).
    Ich habe noch mal meine Rezi gelesen und der Plot/ die Handlung war ok, aber in der Umsetzung nicht wirklich gelungen. Die Charaktere sind einfach zu unglaubhaft, vor allem Falkin. Mit ihrem Werdegang kann sie einfach nicht so sein, wie sie ist. ;)
    Einen zweiten Teil scheint es noch nicht zu geben (auch nicht im Original), aber ich denke mal, den würdest Du lesen oder?
    PS: Ist das Buch für die Challenge?

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  6. @Katha: Die Wellenläufer! ♥

    @Soleil: Na, endlich hat es geklappt!
    Abgesehen vom Alter: Vielleicht ist das Buch einfach auch nur nicht nach deinem Geschmack? Kann ja auch vorkommen.
    Also, ich hab mir kein einziges Mal gedacht, dass Falkin zu schwach ist (ich glaub, irgendsowas hast du in deiner Rezi ja auch erwähnt) und war immer der Meinung, dass ich mich wahrscheinlich auch so verhalten würde. Meiner Schätzung nach müsste sie ja in etwa so alt sein wie ich (20) und da ist man ja über gewisse Teenager-Ängste auch nocht nicht hinweg - besonders nicht bei den Problemen, die Falkin in ihrer Kindheit hatte.

    Was den zweiten Teil angeht: Ich glaube eigentlich nicht, dass es einen geben wird. Das Ende ist ziemlich geschlossen.

    Jop, ist für Heroische Fantasy.

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  7. Magst Du mir nächstes Mal eine Mail schreiben, damit ich das Buch eintragen kann? Wäre echt lieb! ;)
    Abgeschlossen? Das wundert mich jetzt etwas, denn da wo ich aufgehört habe, setzte es doch zu einer viel größeren Handlung an! Da fällt das Buch bei mir eigentlich nochmal durch ;)
    Das Problem an Falkin ist einfach auch, dass sie nicht wie Du ist bzw. sein kann. Sie ist auf der Straße aufgewachsen, hat in einem Puff gearbeitet, mit Männer zusammen als Pirat ... außerdem ist man im Mittelalter schon viel früher erwachsen gewesen. Sie steht einfach nicht ihre Frau und lässt sich rausboxen, das hat mich gestört. Ansonsten war sie nicht unsympathisch.
    Aber siehst Du, so kann man das unterschiedlich sehen *g* Schön, dass wir drüber geredet haben *gg*

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  8. Ich hab dir gestern erst ein Mail geschrieben! Da ist die Magierin auch drin xD

    Wir sehen das wirklich vollkommen anders +lach+ Irgendwie interessant, dass mal aus zwei völlig anderen Gesichtspunkten zu sehen.

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