Montag, 5. Juli 2010

[Rezension] Markus Zusak, The Book Thief

Inhalt (lt. Rückentext):
Here Is a Small Fact:
You Are Going to Die.

1939. Nazi Germany. The country is holding its breath.
Death has never been busier.

Liesel, a nine-year-old girl, is living with a foster family on Himmel Street. Her parents have been taken away to a concentration camp. Liesel steals books. This is her story and the story of the inhabitant of her street when the bomb begin to fall.

Some Important Information:
This Novel Is Narrated by Death.

it's a small story, about:
a girl
an accordionist
some fanatical Germans
a Jewish fist fighter
and quite a lot of thievery.

Another Thing You Should Know:
Death Will Visit the Book Thief Three Times.


Zum Buch
Liesel ist zehn Jahre alt als ihr Bruder stirbt und sie fort von ihrer Mutter zu einer fremden Familie in Molching muss. Allerdings lebt sie sich dank ihres neuen Papas schnell ein. Denn der scheint genau zu wissen, was Liesel braucht und hat immer die richtigen Worte parat. Liesel freundet sich mit Rudy, dem Nachbarskind, an. Gemeinsam stehlen sie immer wieder Bücher aus der Bibliothek des Bürgermeisters und wenn der Bombenalarm beginnt und alle Bewohner der Himmelstraße in den Schutzkeller gehen müssen, liest Liesel den Anwesenden aus ihren Büchern vor und lenkt sie somit von der Bombardierung ab.
Allerdings ist Liesels Leben geprägt vom Tod, so wie das vieler anderer zu Zeiten des zweiten Weltkriegs. Gefährlich wird es für ihre Adoptiveltern, als diese einen jungen Juden in ihrem Keller verstecken. Mit ihm verbringt Liesel viel Zeit und eine Freundschaft entsteht, die Liesels Leben prägen soll.

Rezeption:
Ich könnte noch sehr viel mehr zum Inhalt schreiben, doch meine Inhaltsangabe wäre wahrscheinlich länger als das ganze Buch. Was mir als erstes beim Lesen aufgefallen ist, war der Symbolismus, der hinter jedem Satz zu stecken scheint. Zusak verzichtet auf eine klassische Sichtweise beim Beschreiben der Dinge und bringt den Fokus lieber auf kleine Sachen, die einem mehr Verständnis für das Ganze geben. So marschiert kein Soldat, sondern eine Uniform. Es nickt kein Kopf, sondern ein Haarknödel. Der Himmel hat nicht die Farbe von Asche, sondern die von Juden.
Die Beispiele sind endlos und ebenso eindrucksvoll. So naiv der Erzählstil manchmal wirken kann, so wirkungsvoll transportiert er auch das Gefühl, das zu dieser Zeit in Nazi-Deutschland geherrscht haben muss.
Meiner Meinung nach geht es in dieser Geschichte weniger um Diebstahl - natürlich, auch das gehört dazu in verschiedenster Art - aber vor allem geht es um das Leben (und den Tod) selbst. Um Freundschaften, die geschlossen werden, nur um den geliebten Menschen dann für immer zu verlieren. Und es geht um die Macht der Worte, derer sich das Nazi-Regime ebenso bedient wie ein kleines Mädchen, das erst mühsam lesen lernen muss.

Obwohl der Tod die Erzählerinstanz ist, ist Liesel Meminger eindeutig Protagonistin dieser Geschichte. Der Fokus liegt beinahe ausschließlich auf ihr. Nur hin und wieder gibt es Einschübe mit Geschichten über andere Orte, andere Menschen. Man erfährt von Liesels Entwicklung über Jahre hinweg - ab ihrer Ankunft in Molching bei den Adoptiveltern bishin zum Ende des Krieges. Inzwischen lernt Liesel was Freude und Leid ist und wie schwer es manchmal ist, einfach zu leben, wenn man sich gar nicht lebendig fühlt.
Die Geschichte reißt mit und ist sicherlich der perfekte Weg für Jugendliche an das Thema Holocaust und zweiter Weltkrieg herangeführt zu werden.

Was mich an dem Buch gestört hat - denn, ja, leider gab es da ein paar Dinge - lag wohl vor allem daran, dass ich die englische Version gelesen habe. Wäre Deutsch nicht meiner Muttersprache oder hätte ich das Buch auf deutsch gelesen, wäre mir da wohl gar nichts aufgefallen. So aber wurde der Eindruck von diesem kleinen deutschen Dorf, in dem sich der Großteil der Handlung abspielt, durch einige Kleinigkeiten zerstört. Vor allem auffällig waren da die Namen: Rudy, Hansie, Barbra. Wenn schon Rudi, dann mit -i, bei Hansi kein -e hinten dran. Und Barbra ist bei uns eine Barbara (oder kennt jemand den deutschen Namen Barbra?). Das hat mich gestört, denn wenn es schon Einschübe mit deutschen Texten gibt, dann kann der Autor auch für Namen - die ja nie übersetzt werden - die deutsche Schreibweise benutzen. Außerdem gibt es dann einen Teil wo ein handgefertiges Buch abgebildet wird (bzw. Seiten daraus), das auf übermalten Seiten von Hitlers "Mein Kampf" geschrieben wurde. Der Text von "Mein Kampf" ist noch zu sehen und - der ist auf englisch. Ich bezweifle doch sehr, dass sie in Deutschland um 1940 eine englische Aussgabe von "Mein Kampf" herumliegen hatten.
Solche und ähnliche Dinge haben dafür gesorgt, dass ich das Buch einfach nicht in einem Rutsch durchlesen konnte und ich dazwischen fünf (!) andere Bücher gelesen habe.
Nichtsdestotrotz ist Markus Zusak ein herausragender Erzähler und auch die kraftvolle(n) Aussage(n) dieser Geschichte kommen durchaus an.

Deutschsprachigen Lesern würde ich also die Übersetzung ans Herz legen - die kenne ich zwar nicht, aber ich nehm mal an, dass sich der/ die Übersetzer/in was einfallen hat lassen. Alles in allem ein wunderschönes Buch, das mich zu Tränen gerührt hat und das ich ohne Gewissensbisse weiterempfehlen kann.

Ich glaube, man denkt es sich, aber der halbe Punkt wird abgezogen wegen erwähnter Ärgerlichkeiten.


Zum Autor:

Australian author Markus Zusak grew up hearing stories about Nazi Germany, about the bombing of Munich and about Jews being marched through his mother’s small, German town. He always knew it was a story he wanted to tell.
“We have these images of the straight-marching lines of boys and the ‘Heil Hitlers’ and this idea that everyone in Germany was in it together. But there still were rebellious children and people who didn’t follow the rules and people who hid Jews and other people in their houses. So there’s another side to Nazi Germany,” said Zusak in an interview with The Sydney Morning Herald.
At the age of 30, Zusak has already asserted himself as one of today’s most innovative and poetic novelists. With the publication of The Book Thief, he is now being dubbed a ‘literary phenomenon’ by Australian and U.S. critics. Zusak is the award-winning author of four previous books for young adults: The Underdog, Fighting Ruben Wolfe, Getting the Girl, and I Am the Messenger, recipient of a 2006 Printz Honor for excellence in young adult literature. He lives in Sydney. [Quelle]

So, damit hätte ich auch meinen Teil zu Karis SuB-Losverfahren absolviert!

Kommentare:

  1. Die deutsche Ausgabe steht auf meiner Summer reading List, ich werde berichten ob die namen wirklich ins deutsche "übersetzt" wurden.

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  2. Sehr gut! Das interessiert mich wirklich.

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  3. In der deutschen Ausgabe sind die Namen auch deutsch. Da heißt Rudi Rudi und Barbara Barbara, so wie sichs gehört ^^
    Da kann ich deinen Ärger verstehen, das kommt ja völlig unauthentisch rüber ... aber gut, dem englischen Leser wird es wohl nicht auffallen.

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  4. Ich hatte an der deutschen Ausgabe auch nichts zu mäkeln, die Namen waren deutsch :) Ein wirklich eindrucksvolles Buch, an das ich noch Wochen nach Beenden denken mußte und was ich bald nochmal lesen möchte.

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  5. Ich fand das Buch auch toll, besonders die Symbole, die du sehr schön aufgezählt hast, haben Eindruck bei mir hinterlassen.

    Das Komische ist, dass sie die Namen in der deutschen Ausgabe auch deutsch schreiben, also Rudi, mit Y hätte mich das auch genervt, verstehe auch nicht warum der Autor da nicht drauf geachtet hat, sonst wirkt die Story nämlich echt gut recherchiert (bzw. es ist sogar die Geschichte seiner Großeltern, glaub ich).
    Sehr angenehm fand ich in der deutschen Fassung auch, dass man nicht alles 2x lesen musste. Im Englischen werden ja viele Sätze und/oder Wörter noch mal für den Nicht-Deutsch-Sprecher übersetzt und als Deutsch-Sprechender ist das dann natürlich doppeltgemoppelt.

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