Montag, 5. Juli 2010

[Rezension] Krystyna Kuhn, Das Tal: Das Spiel

304 Seiten
Klappenbroschur
9,95 EUR [D]
ISBN 978-3-401-06472-7

Inhalt (lt. Rückentext):
Es ist dunkel. Es liegt mitten im Nirgendwo. Und es birgt ein schreckliches Geheimnis...
Eine coole Einweihungsparty im Bootshaus, so feiern die neuen Studenten ihre Ankunft im Grace College. Doch schon bald merken Julia und ihre Freunde, dass in dem abgelegenen Tal mitten in den kanadischen Bergen etwas nicht stimmt. Wozu die vielen Verbotsschilder rund um das College? Und warum ist der Ort nicht auf Google Earth zu finden?
Die Lage spitzt sich zu, als Julias Bruder Robert beobachtet, wie ein Mädchen in den Lake Mirror springt und von einem Strudel nach unten gezogen wird. Aber niemand schenkt seinen Worten Glauben - nicht einmal Julia. Noch ahnt sie nicht, dass die dunklen Schatten der Vergangenheit, die sie für immer überwunden glaubte, hier im Tal wieder an die Oberfläche drängen.

Zum Buch:
Julia und ihr Bruder Robert kommen später als die anderen Studenten auf das Grace-College. Erst scheint es, als würden sich die beiden nicht einleben können, doch bald schon findet Julia einige Freunde. Robert hingegen wird zum Freak des Colleges, nachdem er immer wieder schreiend aus Alpträumen erwacht, über die er nicht reden möchte. Auch Julia schweigt über ihre Vergangenheit - doch es scheint sowieso jeder am College sein Geheimnis zu haben.
Als Robert dann bei einer Einweihungsparty sieht, wie ein Mädchen sich von einer Klippe ins Wasser stürzt und am nächsten Tag bekannt wird, dass ein Mädchen vermisst wird, spitzt sich die Lage zu. Keiner will Robert so recht glauben, was dieser so sicher zu sehen gemeint hat. Nicht einmal seine Schwester Julia. Doch Robert lässt nicht locker und geht der Sache auf den Grund. Dabei wird immer deutlicher, dass an diesem College nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint und dass nicht nur Julia und Robert Grund haben, über ihre Vergangenheit zu schweigen. Wem also kann Julia vertrauen?

Rezeption:
Fesselnd ist wohl das erste Wort, das mir im Zusammenhang mit diesem Buch einfällt. Im Grunde wollte ich nur kurz reinlesen, doch schon bald konnte ich nicht mehr aufhören und habe Das Spiel nur noch unwillig aus der Hand gelegt. Die Autorin gibt nur zögerlich, gerade zu häppchenweise Informationen preis, sodass man sich immer fragt, woran man nun wirklich ist. Es kommen mehr Fragen auf als beantwortet werden, was beim Lesen dafür sorgt, dass man ständig wachsam auf das nächste Stück Information wartet und derweil selbst wild Vermutungen anstellt.

Über die Protagonisten Julia und Robert weiß man kaum etwas. Es wird immer wieder angedeutet, dass etwas Schreckliches passiert ist - doch was, damit lässt Krystyna Kuhn den Leser bis zum Schluss im Ungewissen. Noch ein Grund, das Buch so schnell wie möglich durchzulesen.
Julia ist die ganze Zeit darauf bedacht, nicht zu viel von sich zu verraten und vor allem ihre Trauer nicht offen zu zeigen. Zugleich hat sie immer ein Auge auf ihren jüngeren Bruder, um auch ihn daran zu hindern, mehr preiszugeben als er sollte. Man erfährt Kleinigkeiten aus ihrem alten Leben, doch nur gerade so viel, um sich ein Bild von Julia machen zu können und nicht genug, um wirklich dahinter zu kommen, was vorgefallen ist, das Julia und ihren Bruder so verstört hat.
Robert scheint im Gegensatz zu Julia sich auf seine Instinkte zu verlassen. Immer wieder ist es, als würde er Dinge einfach fühlen, die er nicht wirklich wissen kann. Er selbst sucht gerne Beruhigung im Umgang mit Zahlen und vergleicht seine Vorahnungen mit mathematischen Gleichungen, bei denen irgendetwas nicht ganz stimmt. Und dann wird er auch noch ständig von Alpträumen geplagt, die so schrecklich sind, dass seine Schreie das ganze College aufwecken. Nur Julia weiß, wovon er wirklich träumt, doch sie hütet sich, darüber ein Wort zu verlieren.

Der Erzählstil ist flüssig und die dritte Person gut gewählt. So bekommt man zwar Einblicke in Julias und Roberts Gedanken, doch mehr auch nicht. Die Geschichte setzt ganz klar auf Spannung und obwohl nicht gleich am Anfang ein Mord steht oder sonst ein Geschehnis, das dafür sorgen würde, den Leser misstrauisch zu machen, sucht man doch überall Verdächtige. Das mag an der Gehetztheit liegen, die Julia immer wieder ausstrahlt und die man beim Lesen unbewusst mitbekommt. Fest steht, dass die Geschichte von vorne bis hinten spannend geschrieben ist. Außerdem fragt man sich andauernd, was es nun wirklich mit diesem mysteriösen College auf sich hat, von dem es nicht einmal einen anständigen Lageplan gibt. Die Studenten wissen nur, dass die Gegend gefährlich ist und sie sich besser an die Regeln halten, wenn sie nicht der Natur zum Opfer fallen wollen.

Ein Geheimnis wird zwar gelüftet in diesem ersten Teil der Serie, doch das Rätsel um das Grace-College bleibt bestehen und macht Lust auf mehr. Zum Glück erscheinen die Bände ja im drei-Monats-Rhythmus.

Ein mehr als lesenswerter und spannender erster Teil der Serie!
Zur Autorin:
Krystyna Kuhn wurde 1960 als siebtes von acht Kindern in Würzburg geboren. Sie studierte Slawinistik, Germanistik und Kunstgeschichte und arbeitete als Redakteurin. Seit 1998 ist sie freischaffende Autorin und schreibt mit großem Erfolg Thriller.
Homepage


Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an

Kommentare:

  1. Von diesem Buch habe ich auch schon gehört und ich werde es wohl auch demnächst lesen, da der Inhalt wirklich spannend klingt.

    AntwortenLöschen
  2. Ganz meine Meinung, spannend bis zur letzten Seite. Ich freu mich auch schon riesig auf den nächsten Teil!

    AntwortenLöschen
  3. Dieses Buch wünsche ich mir auch noch. Es gibt ja auch schon ein zweites.

    AntwortenLöschen