Samstag, 31. Juli 2010

[Rezension] Joshua Palmatier, Die Kämpferin (Geisterthron 3)

EUR 14,99
Klappenbroschur, 573 Seiten
Ersterscheinung: 26.06.2010
ISBN: 978-3-7857-6029-1

***Band 3 der Geisterthron-Trilogie (Spoilergefahr für alle, die die Vorgänger-Bände nicht gelesen haben)***
Rezension Die Assassine
Rezension Die Regentin


Inhalt (lt. Rückentext):
Die Stadt Amenkor steht in Flammen.
Der magische Thron ist zerstört.
Gibt es noch Hoffnung?

Gestern war Varis eine Diebin in den Gassen von Amenkor. Heute ist sie die Herrin der Stadt. Aber der Geisterthron, in dessen Namen sie herrscht und in den das Wissen aller Regentinnen von tausend Jahren eingegangen ist, ist zerborsten. Doch es gibt eine Legende, wonach es in der Schwesterstadt Venitte einst ein Gegenstück zu dem Thron von Amenkor gegeben haben soll.
Venitte ist eine Brutstätte von Politik und Intrigen, regiert von einem zerstrittenen Rat, dessen Parteien sich bis aufs Blut bekämpfen. Außerdem stehen die Invasoren, die zuvor Amenkor heimsuchten, nun vor den Toren von Venitte. Und von einem zweiten Geisterthron gibt es dort nicht die geringste Spur...

Zum Buch:
Der Angriff der Chorl ist abgewehrt, doch um einen bitteren Preis. Amenkor ist zu großen Teil zerstört worden, doch der schwerste Schlag: Um die Stadt zu retten, musste Varis den Geisterthron zerstören. Das Zeichen ihrer Macht gibt es nicht mehr. Doch ihren Ruf als Regentin hat sie durch die Rettung der Stadt gefestigt.

Auf der Suche nach einer Lösung für den zerstören Thron, stößt Varis auf die Legende der Erschaffung des Geisterthrones - und seines Gegenstücks, dem Steinthron. Dieser war für die Schwesterstadt Venitte bestimmt, doch dort soll es keinen Thron geben. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass der Steinthron seit tausendfünfhundert Jahren verschollen ist. Varis kann und will das nicht glauben, schließlich träumt sie Cerrins Erinnerung - einer der Sieben, welche die Throne erschaffen haben - und auf diese Erinnerungen sollte sie ohne den Geisterthron nicht zugreifen dürfen. Es kann dafür nur eine Antwort geben: Der Steinthron existiert und es besteht eine Verbindung zwischen Varis und dem Thron.
Als Varis erfährt, dass die Chorl wieder zum Kampf rüsten, ist sie alarmiert. Aber sie ziehen nicht nach Amenkor, sondern nach Venitte. Um die Stadt zu warnen und auf der Suche nach dem Steinthron macht Varis sich mit ihrem Gefolge nach Venitte auf.
Dort erwarten sie eine politisch verwickelte Situation und allgegenwärtige Intrige. Es heißt, dagegen anzukämpfen, um den Rat Venittes davon zu überzeugen, dass die Chorl angreifen werden, und dass sie Amenkors Hilfe brauchen. Doch das ist einfacher gesagt als getan - der Rat ist Varis feindlich gestimmt und die Chorl stehen vor den Toren Venittes. Es bleibt nicht viel Zeit, um zu handeln...

Rezeption:
Ein wahrhaft würdiger Abschluss der Trilogie! Im dritten Teil verknüpfen sich die zuvor gesponnen Fäden auf kunstvolle Weise. Varis ist, trotz zerstörtem Thron, nun uneingeschränkte Herrscherin Amenkors. Das Volk hat erkannt, dass ihre Begabungen weit über die Macht des Geisterthrons hinausgehen. Trotz der schwierigen Lage verliert Varis nicht die Fassung und sucht gemeinsam mit ihren engsten Vertrauten nach Lösungen.
Dabei spielen vor allem Cerrins Erinnerungen, von denen Varis träumt, eine Schlüsselrolle. Durch Cerrins Augen durchlebt Varis die Geschehnisse vor tausendfünfhundert Jahren, als die Chorl zum ersten Mal Amenkor angriffen. Nicht nur erhält man Informationen über das Machtgefüge der Sieben, sondern auch über den Weg zur Erschaffung der Throne.
Gerade diese Träume sind es, die Varis nach Venitte führen, wo sie sich auf einer Ebene beweisen muss, die ihr gar nicht liegt: Politik. Zum Glück steht ihr Avrell zur Seite. Doch noch ein weiteres Anliegen treibt die Regentin in die fremde Stadt: Erick ist zwar von den Chorl gerettet, doch ein Zauber haftet auf ihm, der ihm unerträgliche Schmerzen bereitet und ihn immer schwächer werden lässt. Varis, die Erick als ihren Vater ansieht, ist verzweifelt und weiß, dass nur Fürst Sorrenti in Venitte Erick helfen kann.

***Spoiler Ende***

Wie schon zuvor stellt Palmatier die Gefühle Varis' nicht nur vielschichtig, sondern vor allen überzeugend und real dar. Man kann mit dem ehemaligen Gossenkind mitfühlen, das einen so weiten Weg gegangen ist und dessen Herz an den Menschen hängt, die ihm geholfen haben, zu werden, was es nun ist. Varis ist ein starker Charakter, kraftvoll, ehrlich und direkt. Genau diese Kraft verwendet sie, um Amenkor zu helfen und zu regieren.

Ebenso kraftvoll und direkt ist auch Palmatiers Schreibstil. Durch diese Klarheit fühlt man sich direkt in Varis hineinversetzt - nicht zuletzt auch, weil aus der Ich-Perspektive erzählt wird. Das magische Gefüge der Welt steht und fällt mit dem Schreibstil, der im Gegensatz zu manch anderem Fantasy-Werk nicht lyrisch gehalten ist, sondern klar. Genau das gibt der Geschichte, den Charakteren und der Welt einen eigenen Schliff und dürfte auch gar nicht anders sein.

Die Kämpferin deutet auch noch auf eine weitere Geschichte hin, die in dieser Trilogie nicht weiter behandelt wird. Nämlich die des unentdeckten Kontinents, von dem das weiße Feuer kam. Das Thema behandelt Joshua Palmatier wohl ausführlicher in seiner neuen Trilogie, welche unter einem Pseudonym erscheint (warum auch immer, schließlich spielt die Geschichte in der selben Welt wie die Geisterthron-Trilogie), und zwar Benjamin Tate. Der erste Band ist bereits erschienen und heißt Well of Sorrows.

Ich muss mich einfach wiederholen: Lesen, lesen, lesen!


Zum Autor:
Joshua Palmatier wurde in Pennsylvania geboren. Er hat einen Doktorgrad in Mathematik und lehrt gegenwärtig als Dozent am State University of New York College in Oneonta, NY. Seit der Schulzeit schreibt er phantastische Geschichten aus Leidenschaft.
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