Sonntag, 18. Juli 2010

[Rezension] Joshua Palmatier, Die Assassine (Geisterthron)

EUR 14,95
Klappenbroschur, 380 Seiten
Ersterscheinung: 11.08.2009
ISBN: 978-3-7857-6013-0
Inhalt (lt. Rückentext):
Eine Stadt am Rand der Vernichtung.
Meuchelmörder im Dienste des Throns.
Und ein Mädchen, das das Böse sehen kann.

In den Palästen und Hallen Amenkors herrscht trügerischer Friede. Doch in den Gassen der Unterstadt leben die Menschen in bitterer Armut. Als obdachlose Waise hat Varis gelernt zu kämpfen. Dabei hilft ihr ihre besondere Gabe: Sie kann die wahre Natur der Menschen sehen.
Eines Tages tritt ein Meister-Assassine an sie heran und bietet ihr Arbeit an. Varis soll für das Gute töten. Doch was soll sie tun, wenn sie erkennt, dass selbst in den Guten das Böse wohnt?

Zum Buch:
In ihrem Leben hat Varis kaum eine gute Erfahrung gemacht. Wie lange sie schon eine Waise ist, weiß sie nicht genau. Allerdings weiß sie, wo ihr Platz ist: Im Siel. Dort treibt sich nur übelstes Gesindel und Heimatlose wie Varis herum. Sie tut alles, um zu überleben.
Gerade diese Bereitschaft macht Erick, ein Gardist des wahren Amenkor. Dort steht der Palast, von dem aus die Regentin auf ihrem Geisterthron regiert.
Erick rekrutiert Varis, bringt ihr bei, wie man kämpft und wie man tötet und sie wird seine wichtigste Verbündete, wenn es darum geht, die Mordaufträge der Regentin auszuführen. Varis ist eine aufmerksame Beobachterin und bemerkt einiges, das dem Gardisten entgeht. Eine Symbiose aus Geben und Nehmen entsteht zwischen den beiden und irgendwann empfindet Varis nicht mehr nur Misstrauen zu Erick. Stattdessen beginnt sie ihn zu mögen. Eine beinahe unmögliche Vorstellung für Varis: Vertrauen und Zuneigung gibt es in ihrer Welt nicht.
Bald schon wird ihr allerdings bewusst, dass etwas nicht stimmt: Die Aufträge der Regentin scheinen immer willkürlicher zu kommen und unschuldige Personen zu treffen. Noch versteht Varis nicht, wie sie das wissen kann, doch eine Art zweite Sicht ermöglicht es ihr, die Absichten anderer Menschen zu sehen.

Rezeption:
So eingenommen war ich schon lange nicht mehr von einem Roman. Joshua Palmatier überzeugt mit seinem Erstlingswerk - und wie!

Varis ist ein ganz und gar a-typischer Charakter, der seinesgleichen sucht. Sie ist vom Leben gezeichnet, kann kein Vertrauen aufbringen und lebt in ständiger Angst um ihr Leben. Dass sie im Siel aufgewachsen ist, hat sie zu einer skrupellosen Mörderin gemacht, wenn die Umstände es fordern. Wenn sie sich bedroht fühlt, zögert sie nicht lange. Trotz allem ist sie ein einsames und verängstigtes Mädchen, das ebenso nach Zuneigung lechzt wie jeder andere. Dass sie diese gerade in Erick findet, ist nicht leicht für Varis zu verkraften, denn auch Erick ist kein gefühlsbetonter Mensch.
Interessant wird Varis vor allem durch eine Art zweite Sicht, über die sie verfügt. Sie kann sich in einen "Fluss" begeben, in dem alles Unwichtige ergraut und verblasst und nur Gefahren rot hervorstechen. So erkennt sie, ob jemand die Absicht hat, sie zu verletzen. Gleichzeitig hilft ihr diese Sicht auch, Schwachstellen des Gegners zu erkennen und macht sie im Kampf effizienter. Bisher hat sie dieses Geheimnis für sich behalten. Schließlich kann sie niemandem vertrauen und auf Verständnis kann sie auch nicht hoffen. Dass diese Gabe sie zu etwas ganz Besonderem macht, erfährt sie erst viel später.
Ein wenig hat mich dieser "Fluss" an Assassin's Creed erinnert, in dem Spiel hat Altair die Möglichkeit, einen "Adlerblick" anzuwenden, in dem ebenfalls alles grau wird und nur Gefahren rot leuchten. Da ich die Idee schon dort genial fand, war ich auch begeistert, hier von einer anderen Version zu lesen.

Varis Geschichte kommt ohne Pathos und Kitsch daher. Sie ist brutal ehrlich und genauso grausam wie berührend. Die Vergangenheit der Protagonistin schockiert und lässt Mitleid aufkommen, besonders, wenn bewusst wird, wie einsam Varis wirklich ist. Sie hat niemanden. Ebenso herzzerreißend sind die zarten und vorsichtigen Gefühle, die sie für Erick zu entwickeln beginnt, der etwas wie eine Vaterfigur für sie wird.
Abgesehen davon hat Palmatier eine ausgeklügelte Welt erschaffen mit einem faszinierenden Regierungssystem - dem Geisterthron. Über den erfährt man zu Beginn noch nicht allzu viel, doch stückchenweise wird man an diese Idee herangeführt und sie wird mit jedem Satz interessanter.

Es geht um Intrigen, Wahnsinn, Betrug und Freunschaft. Mit diesen Zutaten ist ein guter Roman garantiert. Tatsächlich konnte ich mich von der Lektüre kaum lösen und war schon bald eingenommen von der Direktheit Palmatiers, der kein Blatt vor den Mund nimmt und sich nicht scheut, einmal die schmutzigen Seiten zu zeigen. Das wirkt authentischer als ein klinisch reiner Roman, wie es sie zuhauf gibt.

Spannend und sprachlich ausgereift zeigt sich der erste Teil der Geisterthron-Trilogie. Ein Must-Read für Fantasy-Fans, die sich für Assassinen interessieren und sich in eine fantastisch-spannende Welt sinken lassen wollen.
Teil 2: Die Regentin
Teil 3: Die Kämpferin

Zum Autor:
Joshua Palmatier wurde in Pennsylvania geboren. Er hat einen Doktorgrad in Mathematik und lehrt gegenwärtig als Dozent am State University of New York College in Oneonta, NY. Seit der Schulzeit schreibt er phantastische Geschichten aus Leidenschaft.
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Kommentare:

  1. Ich weine gleich.. wirklich! Schon wieder ein tolles Buch und dann auch noch eine Reihe *heul*

    Ab auf die Wunschliste damit! :D

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  2. Hm!
    Irgendwie steh ich solchen Büchern immer noch skeptisch gegenüber (frag mich nicht warum!). Einerseits klingt's gut, andererseits interessiert es mich nicht. oo'
    Aber ich werd es mir merken!

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  3. Ich könnt mir schon vorstellen, dass du davon so begeistert bist wie von Kushiel (war bei mir jedenfalls so)

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  4. Das ist natürlich ein (schlagendes) Argument!

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  5. Hast du mir davon nicht schon Mal erzählt? Kommt mir grad so bekannt vor - oder ich verwechsels jetzt, gut möglich xD

    Aber es klingt echt gut! Könnte man das bei Soleils Fantasy-Challange einbauen? Ich weiß nur nicht, bei welcher Station ...

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  6. Ich hab dir sogar schon sehr oft davon erzählt und gesagt, dass du es UNBEDINGT lesen musst xD
    Heroische Fantasy, möglicherweise auch High Fantasy.

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  7. Ha! Mein Hirn lässt mich also doch noch nicht im Stich! Wenigstens etwas ... xD
    Guuut, die zwei Kateogorien find ich neben den Fantasy-Spielen am schwersten. :D

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