Donnerstag, 20. Mai 2010

[Rezension] Tad Williams & Deborah Beale, Die Drachen der Tinkerfarm


Auftakt zur Serie
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag, illustrierte Kapitelanfänge, Lesebändchen
Seiten: 380
ISBN: 978-3-608-93821-0

Inhalt (lt. Klappentext):
O wie langweilig! Tyler und Lucinda müssen die Sommerferien auf der Farm ihres Onkels Gideon verbringen. Keine Computerspiele, keine Freunde, keine Eisdielen: sechs Wochen nur Kühe, Schafe, Pferde und Schweine - so glauben sie jedenfalls. Doch bald entdecken sie, dass die Farm im gottverlassenen Standard Valley keine gewöhnliche ist. Das Brüllen aus der Scheune stammt nicht von einer Kuh, sonder von einem Drachen. Das donnernde Hufgetrappel im Tal? Einhörner! Ein Haufen seltsamer Knechte und Mägde, unverständliche Sprachen und magische Kräfte halten sie in Atem. Hinter dem, was zuerst noch nach einem harmlosen Abenteuer aussah, lauern dunkle Geheimnisse längst vergangener Zeiten. Werden die beiden Geschwister es schaffen, ihren Onkel und seine Farm zu retten? Ihr eigenes Leben ist in Gefahr...

Zum Buch:
Tylers und Lucindas Eltern sind geschieden und in diesem Sommer hat ihre Mutter beschlossen, sich einem Mann in einem Ferienort für Singles zu angeln - dabei sind die Kinder natürlich nur im Weg. Die beiden sollen den Sommer bei den Nachbarskinder verbringen, doch das wollen weder Tyler noch Lucinda. Da kommt der Brief ihres Onkels Gideon wie gerufen: Er lädt die Kinder ein, den Sommer auf seiner Farm zu verbringen. Die Mutter weiß zwar nichts von diesem Gideon, doch sie sieht das Problem gelöst und bringt die beidem zum Bahnhof.
Schon die Zugfahrt gibt den Kindern Rätsel auf: War das eben ein geflügelter Affe am Fenster?
Die Farm selbst ist sehr mysteriös. Die Geschwister werden von Mrs. Needle in Empfang genommen, die sich ausgesprochen kühl gibt. Und dann wird Lucinda und Tyler gesagt, sie dürfen ihre Zimmer nicht verlassen, bis man es ihnen gestattet. Verwirrung kommt auf, vor allem da auch nichts auf dem Farmgelände darauf hinweist, dass etwas für einen kommerziellen Zweck produziert wird...
Als Tyler den geflügelten Affen wieder vor seinem Fenster sieht, kann er nicht anders und folgt ihm nach draußen - trotz Verbot. Und was er im Stall entdeckt ist mit Sicherheit keine Kuh... 250 Meter groß und übel gelaunt starrt ihm die Drachendame Meseret entgegen!
Doch das ist nicht alles, was die Farm auf Lager hat, ein ganzes Sammelsurium an Fabelwesen findet sich dort: Einhörner, Faun, geflügelte Schlangen, Basilisken... Vollkommen erstaunt werden die Kinder in das größte Geheimnis der Familie eingeweiht - denn kein Außenstehender darf von den Vorgängen auf der Farm erfahren.
Und wo kommen überhaupt die Mitarbeiter der Farm her? Wer ist der nordische Ragnar, wer der mysteriöse Simos Walkwell? Wieso steht eine afrikanische Prinzessin in der Küche am Herd?
Tyler und Lucinda haben den Sommer über Zeit, die Geheimnisse der Farm zu ergründen - und was sie entdecken, geht weit über Fabelwesen hinaus...

Rezeption:
Ich gebe zu, am Anfang war ich etwas skeptisch, ob dieses Buch wirklich nach meinem Geschmack ist; nach den ersten 100 Seiten war ich mir noch nicht sicher - ein Punkt, an dem ich mir meist schon eine Meinung gebildet habe. Doch mit jeder Wendung in der Geschichte, mit jedem neuen Geheimnis wurde ich begeisterter und schließlich konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen!
In "Die Drachen der Tinkerfarm" steckt alles, was einen jugendlichen Leser glücklich macht - und zusätzlich genug interessante Ideen um auch ältere Leser für sich zu begeistern. Beim Lesen fühlte ich mich Jahre zurück versetzt in Zeiten von "Der goldene Kompass" und "Die fließende Königin", denn obwohl sich diese Geschichte als eine Feriengeschichte anlässt, wird daraus schon bald mehr - fantastisch viel mehr. Allein die Idee einer Farm voller Fabelwesen ist schon bemerkenswert, doch wenn dann noch geschickt Theorien zur vierten und fünften Dimension eingewoben werden, ist die Mischung perfekt.
Die Geschichte wird Jung ebenso begeistern wie Alt und wird mit Garantie noch an meine zukünftigen Kinder weitergereicht.

Doch um diese Rezension ein wenig strukturierter anzugehen, ein paar Worte zu Charakteren und Inhalt:
Lucinda ist die ältere der Geschwister und gerade vollkommen mit dem Erwachsen-werden beschäftigt. Am liebsten verbringt sie ihre Zeit mit ihren Freundinnen, kichert über Teenie-Idole und süße Jungs in der Schule. Mit Kinderkram hat sie nichts mehr am Hut und mit ihrem Bruder Tyler streitet sie sich oft. Nach der Scheidung ihrer Eltern hat sie sich um ihren kleinen Bruder gekümmert, da ihre Mutter dazu nicht in der Lage war - doch das hält sie der Mutter auch vor. Sie ist entgeistert den Sommer ohne ihre Freundinnen verbringen zu müssen, findet es allerdings besser, als bei den "Star Wars"-begeisterten Nachbarsjungen zu bleiben. Sie überlegt, bevor sie etwas tut und hält ihren impulsiven Bruder immer wieder von vorschnellen Entscheidungen ab. Außerdem hat sie eine Schwäche für Einhörner und kann sich gut in Drachenköpfe einfühlen.

Tyler liebt seine Computerspiele und seinen "GameBoss" (wir wissen, auf was der Begriff anspielt). Für ihn könnte das ganze Leben ein Computerspiel sein: Mit einem Joystick würde er sich locker durchschlagen. Vollkommen missmutig nimmt er die Nachricht auf, dass er den Sommer auf einer Farm verbringen muss - denn dort gibt es sicher keinen Strom für seinen GameBoss! Umso begeisterter ist er, als er die Äffin Zaza und die Drachendame Meseret entdeckt... Mit Mut und Courage geht er an alle Probleme, die sich ihm stellen und lässt sich auch von einem bösen Schwarzhörnchen nicht aufhalten.

Der Plot wird kontinuierlich aufgebaut, es gibt keine nennenswerten Längen. Über die tierischen Bewohner der Farm erfährt der Leser recht schnell etwas - deswegen ist es umso erstaunlicher, als deutlich wird, dass damit die Geheimnisse der Farm noch lange nicht aufhören. Ab Mitte des Buches kommt wahrer Spannungsfaktor auf, Geheimnisse werden gelüftet und neue entdeckt. Und weder den Kindern noch dem Leser wird langweilig, denn böse Hörnchen, gefährliche Einhörner und depressive Dachen lassen wenig Zeit zum Luftholen.
Hervorheben möchte ich noch das wunderschön gestaltete Cover, sowie die passenden Illustrationen jeweils am Kapitelanfang - die sind einfach nur wunderschön anszuschauen.

Ich geben 4 von 5 Punkten - ein Punkt wird abgezogen für den etwas unspektakulären Anfang. "Die Drachen der Tinkerfarm" ist absolut lesenswert: für solche, die an Fabelwesen glauben oder es gerne würde, für junge und für Junggebliebene.

Die Autoren:
Tad Williams und Deborah Beale sind verheiratet. Tad Williams, New-York-Times-Bestsellerautor, Vefasser weltbekannter Fantasyepen lebt in der Nähe von San Francisco. Seine Bücher sind in 23 Sprachen übersetzt.
Deborah Beale war Lektorin für Fantasybücher in London, bevor sie ihre eigene Karriere als Autorin begann.




Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an

Kommentare:

  1. Ui Lisa, du hast mir das Buch wirklich schmackhaft gemacht; entweder ich werd mal wieder zum Thalia gehen oder dein Bücherregal plündern! *grins* (hätte eh mal wieder Lust auf was Drachenartiges :D)

    AntwortenLöschen
  2. Mein Bücherregal steht dir sowieso jederzeit zur Verfügung xD

    AntwortenLöschen