Donnerstag, 6. Mai 2010

[Rezension] Martine Leavitt, Keturah - Gefährtin des Todes


Erschienen: Februar 2010
ISBN-10: 3-446-23475-6
EAN: 9783446234758
Einband: gebunden
Erschienen bei: Hanser
Seitenzahl: 237

Inhalt (lt. Rückentext):
Eine Geschichte von Zauberei und Liebe, von Tod und Tapferkeit, und eine, die das Herz wärmt. Es wird die wahreste Geschichte sein, die ich je erzählt habe.
Die junge Keturah hat sich im Wald verirrt. Sie ist dem Tode nah - und der steht mit einem Mal leibhaftig vor ihr: dunkel, schön und dazu bereit, über Keturahs Schicksal zu verhandeln. Gelingt es Keturah, innerhalb eines Tages die große Liebe zu finden, von der sie in ihren Geschichten immer erzählt, darf sie leben. Keturah macht sich auf die Suche nach dieser Liebe. Aber wird sie es schaffen, den Einen, den Richtigen zu finden und dem Tod zu entkommen?

Zum Buch:
Keturah lebt in einem kleinen, ärmlichen Dorf. Ihre beiden Freundinnen sind zwar nicht sonderlich schön, dafür aber umso begabter: Die eine kann besser nähen als der Schneider, die andere singt wie ein Engel. Keturah selbst zeichnet sich durch kein besonderes Talent aus. Sie kann Geschichten erzählen, doch nicht viel besser als ein anderer, sie kann kochen, aber auch nicht so, dass es übermäßig erwähnenswert wäre. Was sie hat, ist ihre Schönheit. Doch aus der macht sie sich nicht viel, weil sie weiß, dass ein Mann sich wegen ihrer Schönheit vielleicht in sie verlieben wird, die ewige Treue hält er ihr deswegen aber wahrscheinlich nicht.
Nachdem sie einem schönen Hirsch in den Wald gefolgt ist und drei Tage umhergeirrt ist auf der Suche nach dem Rückweg, wird sie schwach und steht kurz davor an Hunger und Durst zu sterben. Da erscheint ihr der Tod als stattlicher, düsterer Mann, um sie mit sich zu nehmen. Keturah fleht ihn an, ihr noch wenigstens einen Tag zu geben, damit sie sich verabschieden und ihrem Dorf von der bevorstehenden Pest berichten kann. Der Tod, der sie schön findet, gesteht ihr diesen einen Tag zu. Doch der ist Keturah nicht genug. In der Aussicht auf das Ende der Geschichte, die sie Gevatter Tod zu erzählen begonnen hat, erbittet sie immer wieder mehr Zeit. Der Tod gibt ihr die Chance, ihre wahre Liebe zu finden - wenn ihr das nicht gelingt, nimmt er sie mit sich und macht sie zu seiner Braut.

Rezeption:
Wenn ich mich recht erinnere, ist es mir noch nie so schwer gefallen, mich zu entscheiden, ob ich das Buch nun gut oder schlecht fand. Aber vielleicht komme ich im Laufe meiner Ausführungen zu einem Schluss...
Ich beginne mit der Geschichte: Die Idee vom Tod als einsamen, gefühlvollen Mann hat mir gefallen. Dass ein junges Mädchen sich nicht damit abfinden kann zu sterben, leuchtet auch ein. Und der Tod, einsam wie er ist, hofft, Keturah könnte sich in ihn verlieben und gewährt ihr daher noch ein wenig Zeit, bevor er sie mit sich nimmt. So weit, so gut. Man erfährt einiges auch über das Dorf, allerdings nicht mehr ausführlich als in altbekannten Märchen - was auch in Ordnung ist, schließlich ist Keturah im Märchen-Ton gehalten. Sobald Keturah lebendig aus dem Wald auftaucht, hat sie nur noch eine Aufgabe: Einen Mann finden, den sie liebt, der sie liebt und der sie so bald wie möglich heiratet - es beginnt eine wahre Schnitzeljagd, die ich hin und wieder als lächerlich empfunden habe. Dabei sagen ihr die Männer oft, dass sie sehr schön ist, der eine oder andere flirtet mit ihr, doch sobald Keturah merkt, dass er nicht die Liebe ihres Lebens ist, lässt sie ihn einfach sitzen und geht weiter. Irgendwann beginnen die Dorfbewohner Keturah zu fürchten, weil sie Umgang mit dem Tod hatte. Das kann man abergläubischen Dorfleuten gerne zuschreiben und ich lasse auch durchgehen, dass am nächsten Tag plötzlich wieder alles in Ordnung ist und alle Keturah lieben.
Alles in allem würde das vom inhaltlichen Teil jetzt eher auf eine schlechte Beurteilung schließen lassen, DOCH! Ja, ein doch muss ich einfügen. In ihrer Schnitzeljagd und Männersuche sinniert Keturah auch immer wieder über das Leben und den Tod und kommt langsam zu der Erkenntnis, dass der Tod kein Übeltäter ist, sie entdeckt sozusagen ihre nekrophile Ader und akzeptiert das Leben und Tod doch eine Einheit bilden (obwohl ich mir gewünscht hätte, dass das ein wenig deutlicher herausgekommen wäre). Der Teil hat mir gefallen, weil er vom moralischen und Lebensweisheitlichen Standpunkt her viel zu bieten hat.
Was die Charaktere anbelangt, so sind mir Keturah und ihre Freundinnen eher suspekt. Die meiste Zeit empfand ich Keturah als oberflächlich und gedankenlos, ihre Freundinnen als ewig präsent. Der Tod hingegen ist sehr gut gelungen, mysteriös, düster, melancholisch und einsam macht der eine eindrucksvolle Figur - weswegen ich nicht verstehen kann, wieso er sich gerade in Keturah verliebt, aber gut.
Der Erzählstil erinnert stark an ein Märchen, auch wenn die Autorin die Ich-Perspektive gewählt hat. Gerade der Stil macht viele Unausgereiftheiten wieder gut, weil man das in einem Märchen - und einem märchenhaft gehaltenem Buch von 234 Seiten - verzeihen kann.

Um zum Ende meiner Ausführungen zu kommen: Keturah ist weder herausragend schlecht, noch gut. Die Altersempfehlung liegt bei 13 Jahren - mir selbst hätte in diesem Alter so eine Geschichte nicht mehr gereicht, aber das mag bei jedem anders sein. Deswegen vergebe ich 3 Punkte und bezeichne die Geschichte als mittelklassig - aus der Vorgabe hätte nämlich noch viel mehr werden können.

Ich bedanke mich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bei

Kommentare:

  1. Ach, schade. Als ich vorhin das Cover oder vielmer den Titel gesehen habe, war ich spontan interessiert; und auch inhaltlich hat es mich neugierig gemacht. Aber letztendlich wirkt es ja weniger berauschend. Nun ja, dann ... wenn ich mal zu viel Geld habe (:

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  2. Ja... es ist bestimmt kein verschwendeter Kauf (sonst hätt ich nicht drei Punkte geben), nur mir hat irgendwas gefehlt... Das Lesen machte einfach nicht so viel Spaß

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  3. Auf das Buch war ich aufmerksam geworden, als ich die Neuerscheinungen für meine Druckfrisch-Rubrik zusammengestellt habe, und es hat direkt mein Interesse geweckt. Nach deiner Rezension klingt es aber nicht so, als wäre es was für mich – gut, dass du es gelesen hast! :)

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  4. Ich muss dazu aber sagen, dass Fani (http://stefanieemmy.blogspot.com/2010/02/martine-leavitt-keturah-gefahrtin-des.html) dem Buch 5 Punkte geben hat. Wir sind da eindeutig verschiedener Ansichten... :D

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  5. Schade, dass es dir nicht so gefallen hat. Da sind wir hier ja wirklich mal anderer Ansicht ;)
    Mich hats sofort an früher erinnert, als ich mir noch von meiner Oma Märchen vorlesen hab lassen - hatte irgendwie den gleichen Flair ^^

    Hab auch grade gesehen, dass du dir jetzt Antje Babendererde vorgenommen hast. Ich bin seeehr gespannt! "Libellensommer" fand ich nämlich richtig gut und das, obwohl ich die ganzen Indianer-Sachen sonst überhaupt nicht leiden kann xD

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  6. Ja, kommt vor :D

    Die verborgene Seite des Mondes ist toll bisher! - könnte sein, dass es mir besser gefällt als Libellensommer :D

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