Freitag, 14. Mai 2010

[Rezension] Gesa Schwartz, Grim - Das Siegel des Feuers



gebunden mit Schutzumschlag
Seiten: 688
ISBN: 978-3-8025-8303-2
Leseprobe


Inhalt (lt. Klappentext):
Paris: Über dem Treiben der Metropole thronen die steinernen Figuren der Kasthedrale von Notre Dame. Niemand unter den Menschen ahnt, dass sie im Schutz der Nacht erwachen, wenn kein sterbliches Auge sie sieht. Denn die Gargoyles fürchte und verachten die Menschen, und es ist ehernes Gesetz, dass die Sterblichen niemals von ihrer Existenz erfahren dürfen.
Der Gargoyle Grim hat sein Leben der Wahrung dieses Gesetzes gewidmet. Eines Nachts beobachtet er seine alte Mentorin Moira dabei, wie sie sich mit einem jungen Mann namens Jakob trifft und ihm ein rätselhaftes Pergament übergibt. Wütend will Grim Moira zur Rede stellen, findet jedoch nur noch ihre versteinerte Leiche vor.
Jakobs Schwester Mia ahnt nichts von den phantastischen Wesen um sie herum, bis der Bruder ihr offenbart, dass sie - wie er selbst - über besondere Fähigkeiten verfügt: Sie ist eine Hartidin, eine Seherin des Möglichen. Als Jakob Mia die verborgene Welt der Gargoyles zeigt, geraten die beiden in große Gefahr. Nur mit Grims Hilfe entkommen sie ihren Verfolgern. Doch ehe Mia mehr über ihre Gabe erfahren kann, verschwindet Jakob. Die junge Frau muss sich mit Grim zusammentun, um hinter das Geheimnis des Pergaments zu kommen. Keiner der beiden ahnt, dass sie sich damit auf eine gefährliche Reise begeben - denn sie sind einem Rätsel auf der Spur, das nicht nur ihr eigenes Leben bedroht, sondern das Schicksal der ganzen Welt...

Zum Buch:
Ich stelle gleich klar: Der Klappentext verzerrt die Ereignisse in gewissen Punkten.
Grim ist Mitglied der OGB - Oberste Gargoyle Behörde. Seine Pflicht ist es, die Identität und Sicherheit Ghrogonias (der Welt unter Paris, in der die Anderweltler wohnen) zu wahren. Allerdings kommt er immer wieder in Zwiespalt mit seinen Gefühlen und folgt diesen eher als den Befehlen seines Vorgesetzten. So kommt es auch, dass er Jakob nicht der Behörde ausliefert, als er diesen mit seiner Mentorin Moira sprechen sieht. Obwohl ihm klar ist, dass Jakob ein Hartide ist und gemeldet werden muss, erfüllt er Moiras letzten Wunsch und behält den Jungen im Auge.
Unruhen kommen in der Stadt auf, Grim wird auf fremde Gargoyles aufmerksam, die von einem "Paten" sprechen. Er warnt seinen Chef, doch der ignoriert Grim. Dann wird Jakob auch noch von Gargoyles verfolgt, die ihm das Pergament abnehmen wollen, welches Moira ihm vor ihrem Tod gegeben hat. Jakob kann sich wehren und weiht seine jüngere Schwester Mia in sein Geheimnis ein, nachdem er sich sicher ist, dass auch sie Hartidin ist. Er übergibt ihr das Pergament und taucht unter.
Ein Gefühl treibt Grim dazu, weiterhin Jakob und seine Schwester zu beobachten. Doch erst als es beinahe zu spät ist, soll er erfahren, dass ihn mehr mit den Menschen verbindet, als er gedacht hätte - und dass er Mias Hilfe braucht.

Rezeption:
Was Gesa Schwartz uns hier bietet, ist in erster Linie ein melodramatischer Blockbuster in Roman-Form. Tatsächlich würde sich die Geschichte, so wie sie ist, gar nicht schlecht für einen Hollywood-Film eignen. Die Sprüche sind cool, der Hauptcharakter beinhart, es gibt fetzige Actionszenen und ein tolles Setting: Paris und seine Unterwelt, Rom, die Hölle.
Dementsprechend war ich die erste Hälfte des Buches recht skeptisch. Ich lese normalerweise nicht gerne Bücher, die auf übertriebene Coolness und harte Sprüche setzen. Die letzten 200 Seiten haben mich dann allerdings vollends überzeugt. Mir schien es fast, als würde die Autorin erst ab der Hälfte so richtig warm werden mit der Geschichte und den Charakteren endlich echtes Leben einhauchen. Tatsächlich hat mich das letzte Drittel recht sprachlos zurückgelassen. Aus der überzogenen Melodramatik wurde schon bald mehr. Grim entwickelt sich, entdeckt und definiert sich neu, und auch eine kleine Romanze zwischen Mia und ihm bahnt sich an - die aber nicht eine Sekunde lang kitschig daherkommt! Stattdessen bildet diese Liebe eine Nebenhandlung, aber auch einen Motivator für kommende Geschehnisse.
In "Grim - Das Siegel des Feuers" finden wir eine Geschichte, die auch ohne Fantasy-Hintergrund eine deutliche Botschaft abgegeben hätte. Allerdings denke ich, dass diese Botschaft gerade durch das Einweben fantastischer Elemente vielleicht noch etwas wirkungsvoller ist.
Die Welt der Gargoyles - und Ghrogonia - lebt in ständiger Angst vor Fremdem. Sie trauen den Menschen seit Jahrhunderten nicht mehr und leben zurückgezogen in der Unterwelt, wo sie ihrer Xenophobie durch eine eigene Polizei und ein übermäßig dickes Gesetzbuch frönen. Sie grenzen Wesen wie Gnome und Waldschraten aus, verachten und misshandeln Hybride - eine Mischung aus Mensch und Gargoyle.
Gesa Schwartz erzählt hier von einem Volk, das in Angst lebt und diese Angst auf andere Rassen überträgt. Es versteckt sich hinter seinen Gesetzen und folgt ihnen ebenso blind wie ihrem König. Aber es ist auch eine Geschichte der Hoffnung auf Freiheit, auf Gleichberechtigung und Veränderung. Und das ist eine Geschichte, wie wir sie schon hundertfach in der Weltgeschichte gehört und erlebt haben. Es geht um Identitätssuche und Zugehörigkeitsgefühl, um die Kraft, für andere einzustehen, um den Glauben an eine bessere Welt ohne Angst und Unterdrückung.
Eine wunderschöne Botschaft, wie ich finde, die sich irgendwie zwischen dieser Fulminanz der Fantasywelt versteckt, dadurch aber dann umso stärker herüberklingt.
Wer also zwischen den Zeilen lesen kann, den wird dieser Roman überzeugen!

Ich ziehe einen Punkt aus genannten Gründen ab, der zweite Teil des Romans hat die volle Punkteanzahl verdient, doch ich bewerte hier im Gesamten.


Zur Autorin:
Informationen auf der Homepage


Ich bedanke mich herzlich bei

Kommentare:

  1. Oh, du bist durch! :D
    Eine sehr schöne Rezi und ich freue mich, dass auch dir das Buch gefallen hat! :D

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  2. Ja, ich bin krank geworden, das heißt: Gestern habe ich den ganzen Tag nichts anderes getan, als zu lesen.
    Dankeschön :) Aber ich muss schon sagen, hätte sich in der zweiten Hälfte nicht alles so grandios entwickelt, wäre meine Bewertung wohl ganz anders ausgefallen :)

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  3. Oh, krank war ich erst - davon hab ich die Nase voll! xD
    Dir jedoch gute Besserung! :D

    Die gesamte erste Hälfte fand ich eigentlich gar nicht schlecht. Ich hatte nur ein Problem mit den ersten 200 Seiten die sich, meiner Meinung nach, schrecklich gezogen haben und die beiden Punkte in Sachen Gefühle, die ich bemängelt habe. Abgesehen davon fand ich das Buch toll. Aber du hast recht, die Entwicklung, die im zweiten Teil stattgefunden hat, war super und ich glaube das war auch so der Zeitpunkt, ab dem ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen und die ganze Nacht durchgemacht hatte.. xD

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  4. Danke!

    Eben, dieser richtige Sucht-Faktor kam erst relativ spät - die Höllen-Szene fand ich übrigens wahnsinnig toll. Da erfährt man richtig viel über Grim.

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  5. Die fand ich auch ganz große Klasse. Überhaupt die Tatsache, dass sich ein starker Charakter mit seinen Ängsten und inneren Dämonen auseinandersetzen muss, finde ich toll und das hat Gesa hier sehr gut umgesetzt - angefangen mit dem kleinen Jungen der ihn aus dem See hilft, bis hin zu seinem Vater und den Spiegeln!
    Angetan hat es mir jedoch auch schon die gesamte Szenerie zuvor in der Welt der Verdammten. :D

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  6. Eindeutig Kopfkino, das stimmt :) Wie gesagt: Ich kann mir denken, dass sich das als Film ideal umsetzten lässt.

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  7. Das auf jeden Fall. Aber Gesa Schwartz hat ja im Interview gesagt, dass sie nicht sicher ist, ob sie das wollen würde - zumal in Filmen ja oft vieles umgeschrieben wird und somit wäre es auch irgendwie nicht mehr die Geschichte, die sie geschrieben hat.

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