Samstag, 8. Mai 2010

[Rezension] Antje Babendererde, Die verborgene Seite des Mondes


280 Seiten
Kartoniert
6,95 EUR [D]
ISBN 978-3-401-50111-6



Inhalt (lt. Rückentext):
Julia ist 15 Jahre alt, als ihr Vater stirbt. Sie kann nicht glauben, dass der wichtigste Mensch in ihrem Leben plötzlich nicht mehr da sein soll. Auf seinen Spuren reist sie zurück in eine ihr fremde Vergangenheit. Tief in der Wüste von Nevada trifft sie auf sein früheres Leben – und auf den stillen Simon, dessen Art sie von Anfang an berührt. Noch wissen die beiden nicht, welches Unheil ihre Liebe bringen wird.

Zum Buch:
Als ihr Vater John Temoke stirbt, bricht Julias Welt zusammen. Mit ihrem Vater hat sie alles Wichtige in ihrem geteilt, er hat immer Rat gewusst - und mit einem Mal ist der wichtigste Mensch in ihrem Leben verschwunden. Auf der Suche nach ihren Wurzeln nimmt Julia sofort die Gelegenheit wahr, ihre indianischen Großeltern kennen zu lernen, von denen sie bisher nur Geschichten gehört hat. In Nevada erfährt sie vieles über ihren Vater, das ihr Bild von ihm sowohl vervollkommnet, als auch in gewisser Weise zerstört.
Das Leben ihrer Großeltern ist so ganz anders als erwartet und Julia ist abgestoßen, aber auch fasziniert von dem, was sie dort sieht und lernt. Außerdem hat der schweigsame Simon ihr Interesse geweckt. Er arbeitet für ihre Großeltern auf deren Ranch und redet nicht viel, da er Angst hat, sich mit seinem Stottern zu blamieren. Julia allerdings hört ihm geduldig zu und stört sich nicht an seinem Sprachfehler. Sie versucht herauszufinden woher Simon kommt und was ihn auf die Ranch verschlagen hat, doch Simon meidet das Thema.
Julia beginnt den Tod ihres Vaters zu verarbeiten, womit sie weniger klar kommt ist das Leben, dass John geführt hatte, bevor er nach Deutschland kommt. Sie lernt ihren Halbbruder und ihre Halbschwester kennen und muss erkennen, dass ihr Vater seine Kinder aus erster Ehe vernachlässigt hat, während er bei Julia und deren Mutter war. Es ist offensichtlich, dass die gescheiterte Ehe nicht spurlos am Halbbruder Jason vorbeigangen ist.
Auch wenn Julia keine Antwort darauf bekommt, was es heißt Indianerin zu sein - es ist nicht mehr als eine Ahnung - erfährt sie doch, was es heißt für sich einzustehen, sie lernt Verlust kennen und ihn zu akzeptieren. Vor allem aber wird ihr bewusst, was es heißt wirklich zu lieben - und dass es kein Happy End gibt, genauer gesagt, dass es im echten Leben gar kein Ende gibt.

Rezeption:
Mit Libellensommer hatte die Autorin mich schon vollkommen eingenommen. Besser, dachte ich, kann man eine bitter-schöne Geschichte gar nicht schreiben. Doch da habe ich mich wahrscheinlich geirrt, denn Die verborgene Seite des Mondes ist eine Geschichte voller Schönheit, Verlust, Liebe, Melancholie und Stille. Es ist außergewöhnlich, wie Antje Babendererde es schafft, den Leser ganz und gar in die Welt ihrer Protagonisten zu ziehen. Sie beschreibt ihre Charaktere so echt, dass sie einem schnell ans Herz wachsen und ihre Handlungen und Gefühle vollkommen nachvollziehbar werden.
Der Handlungsablauf ist so flüssig, der Stil den verschiedenen Szenen so vollkommen angepasst, dass man das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen würde. Gerade die Geschichte um Simon fasziniert und erschüttert. Aber auch dem Unrecht, das Indianern angetan wird, lässt Babendererde gekonnt einfließen, ohne dabei militant oder moralisierend zu klingen. Ich selbst bin kein Fan von Indianer-Geschichten, doch dieser Fakt ist nebensächlich, wenn einem ein Buch dieser Autorin in die Hände fällt. Man liest hier, um zu Erleben, zu Fühlen und auch um dem Alltag zu entsagen und in ein anderes Leben einzutauchen.
Die Charaktere sind, wie schon erwähnt, ausgefeilt und überzeugen. Babendererde schreibt über das Leben und seine Tücken. Über die offensichtliche und die verborgene Seite aller Dinge - wie schon im Titel angedeutet, den ich im Übrigen wunderschön und sehr passend finde. Jeder, der das Buch liest, wird mir darin wohl zustimmen.
Die verborgene Seite des Mondes kommt offen und unverblümt daher, die Geschichte zieht sofort in den Bann und lässt auch nach der letzten Seite noch nicht los. Die eine oder andere Weisheit kann für das eigene Leben angewendet werden und die gefühlvolle Erzählart sorgt dafür, dass man mehr als nur ein Buch in den Händen hält, sondern die Geschichte einer Suche, einer Entwicklung und von sanften Gefühlen, welche die wirklich großen im Leben sind. Schön!

5 von 5 Punkten. Aber das war wohl zu erwarten.

Für die Bereitstellung des Exemplars bedanke ich mich herzlich bei

Kommentare:

  1. Wow! Das freut mich jetzt richtig, dass ich wohl noch ein Buch der Autorin lessen "muss" :D Rutscht auf meinem Wunschzettel sowas von an die Spitze! ;)

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  2. Brav :D Ich fand's wirklich toll ♥

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  3. Ich glaub, ich frag nur noch dich, wenn ich nach Büchern suche (;
    Schon inhaltlich klingt es wunderschlön; da kann ich deiner Meinung sicherlich vertrauen. Das Buch wandert sofort auf meine Wunschliste!

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  4. +lach+ Eine Freundin kommt regelmäßig zu mir Büchershoppen xD Da pickt sie sich dann alle Bücher aus den Regalen, die sie noch nicht kennt und fragt mich, welches sie davon lesen soll. Gestern brauchte sie zwei Sackerl um alles heimzubefördern :D

    Was mich bei Babendererde so fasziniert ist, dass sie zwar auf die schlechte Behandlung der Indianer aufmerksam macht, das aber irgendwie nicht zum Thema werden lässt.

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  5. Von der Autorin kenne ich bisher nur "Indigosommer" was ich eigentlich nett fand, nur wirklich begeistern konnte es mich nicht. Aber ich muss zugeben, dieses hier hört sich eigentlich ganz interessant an und dick ist es ja auch nicht. Wenn mir das Buch mal über den Weg läuft, werd ich es mir definitiv mal ansehen^^

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  6. Ich find das Buch sehr, sehr gut. Mein Cover sieht allerdings ein bisschen anders aus. Trotzdem hübsch. "Libellensommer" und "Talitha Running Horse" kann ich von Antje Babendererde auch empfehlen.

    Deine Lucian

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