Sonntag, 18. April 2010

[Rezension] Susanne Rauchhaus, Schattenwesen


Erschienen: Jänner 2010
ISBN-10: 3-8000-5538-4
EAN: 9783800055388
Einband: gebunden
Erschienen bei: Carl Ueberreuter GmbH
Seitenzahl: 304

Inhalt (lt. Rückentext):
Folge deinem Schatten!
Die junge Künstlerin Kira steht vor einer großen Herausforderung: Sie soll ein Fresko restaurieren. Es befindet sich in den Kellergewölben eines alten Hauses und zeigt ihre mysteriösen Gastgeber. Cyriel ist einer von ihnen. Doch warum verhält sich der junge und attraktive Mann so abweisend? Und woher stammen all die Schatten, die Kira sieht, während sie in ihre Arbeit eintaucht? Scharrende Geräusche lassen Kira bald an ihrem Verstand zweifeln, bis sie merkt, dass sie in einem Haus voller Schatten gefangen ist.

Zum Buch:
Nach dem Selbstmord ihres Vaters steht die 19jährige Kira alleine da. Ohne Geld kann sie sich auch nicht ihren Traum ermöglichen: Kunstgeschichte zu studieren. Stattdessen verkauft sie den Großteil ihrer Sachen und versucht auch einige Bilder ihres Vaters gegen Geld einzutauschen. Da spricht sie eines Tages ein älterer Herr an, der ihr das Angebot ihres Lebens macht: Fünfundzwanzigtausend Euro soll sie bekommen, wenn sie sein Fresko restauriert.
Kira ist verblüfft, schließlich hat sie zwar viel von ihrem Vater gelernt, der bekannter Restaurator war, doch für so einen Auftrag hat sie bei Weitem nicht genug Erfahrung. Sie zögert nicht lange, den Auftrag anzunehmen, denn das Geld hat sie bitter nötig.
So kommt es, dass Kira für einige Wochen in das Anwesen der Nachtmanns zieht, um sich dort an die Arbeit zu machen. Die Überraschung folgt bald. Ruben Nachtmann, ihr Auftraggeber, lebt nicht nur mit seiner äußerst verschrobenen Familie zusammen, sondern hat auch noch eine Mitbewerberin engagiert. Anna ist eine junge Künstlerin, die den Gesichtern der Personen auf dem Fresko neues Leben einhauchen soll. Noch seltsamer und schockierender findet Kira, dass die Nachtmanns offensichtlich das vierhundert Jahre alte Kunstwerk mit ihren eigenen Gesichtern übermalen lassen haben. Obwohl Kira das als einen Frevel an dem Fresko ansieht, arbeitet sie kommentarlos an der Restauration.
Ihre Arbeit wird von Rubens Assistenten Cyriel de Vries überwacht und auch der wortkarge und abweisende junge Mann ist in dem Fresko verewigt.
Das alles könnte Kira akzeptieren, doch dann tauchen plötzlich immer wieder Schatten auf, sie sieht Türen, wo es keine gibt und eines Tages ist auch noch Anna spurlos verschwunden... und Kira weiß nicht mehr, wem sie vertrauen kann und wem nicht. Denn dass hier etwas gehörig falsch läuft, ist bald offensichtlich.

Rezeption:
Ich öffnete die Augen und wir sahen uns einfach nur an. Traurig und glücklich und traurig.
Obwohl das Buch nur gute 300 Seiten hat, ist die Geschichte sehr ausgefeilt. Für Kira bekommt der Leser schon bald ein gutes Gespür, besonders für ihre verzweifelte Lage, die ihr keine andere Möglichkeit geben, als auf Ruben Nachtmann Angebot einzugehen. Zugleich hat sie mit den Ursachen für den Selbstmord ihres Vaters zu kämpfen, die sie bis zur Lösung des Rätsels falsch interpretiert und bemerkt, dass der Selbstmord stärker mit der ganzen Geschichte verwoben ist, als sie sich je hätte vorstellen können.
Die Nebencharaktere sind gut gelungen und besonders positiv fällt auf, wie viel Tiefe diese bekommen, indem die Autorin sie nicht eindeutig in gut und böse einteilt. Stattdessen kann man sich lange nicht sicher sein, ob die Charaktere vertrauenswürdig sind oder nicht. Auffallend dabei ist Cyriels Figur, die bis zum letzten Drittel des Buches falsch interpretiert werden muss.
Der Erzählstil ist locker und angenehm zu lesen, die Dialoge überzeugen. Interessant ist, dass Rauchhaus sich entschieden hat, aus zwei Blickwinkeln zu schreiben. Kira berichtet als Ich-Erzählern, aber es gibt noch eine zweite Protagonistin, Jessy, über die in der dritten Person geschrieben wird. Dabei ist eine Weile nicht klar, in welcher Beziehung Jessy und ihre Erlebnisse zu Kiras Geschichte stehen. Was die Geschichte sehr spannend werden lässt.
Es kommt selten vor, dass ich den Vorgang der Dinge nicht erahnen kann, aber bei "Schattenwesen" war ich wirklich sehr lange im Unklaren. Nach einem recht ruhigen Anfang steigt die Spannung stetig, bis man endlich mitten in den unheimlichen Part geworfen wird. Das passiert übergangslos und erstaunt dabei umso mehr und macht Lust, weiterzulesen.

Spannend geschrieben, mit unerwarteten Wendungen, einem Schuss Grusel und Romantik - das sind die Elemente die diesen Roman aus- und sehr lesenswert machen.

5 von 5 Punkten, denn in "Schattenwesen" habe ich viel mehr gefunden, als ich zu finden erwartet habe. Uneingeschränkte Empfehlung für Fantasy-Freunde und solche, die es werden wollen.

Zur Autorin:
Susanne Rauchhaus 1967 in Gladbeck geboren, begann schon als Jugendliche mit dem Schreiben. Nach der Ausbildung zur Europasekretärin und einer Fortbildung zur Werbetexterin arbeitete sie in einer Hamburger Werbeagentur und in der Redaktion einer Fachzeitschrift. Heute lebt sie in der Nähe von Stuttgart. Sie schreibt Kurzgeschichten und Glossen für verschiedene Zeitschriften. »Der Hexenspiegel«, der 2008 erschienen ist, war ihr erster Roman. 2009 folgte
der Mystery-Thriller »Die Übersinnlichen«, im Januar 2010 der atmosphärische Mystery-Roman »Schattenwesen«.
Mehr unter: www.susanne-rauchhaus.de



Danke für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an

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