Freitag, 30. April 2010

[Rezension] Elisabeth Herrmann, Lilienblut


Ab 13 Jahren
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 448 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-570-16061-9
€ 17,95 [D] | € 18,50 [A] | CHF 31,90 (UVP)

Verlag: cbt


Inhalt (lt. Klappentext):
Es ist Sommer und der Rhein glitzert besonders silbern und verführerisch. Sabrina und ihre beste Freundin Amelie können stundenlang am Fluss sitzen, voller Fernweh und Hunger auf das, was Amelie "das Leben" nennt. Aber während Amelie vom Abhauen und der großen Freiheit träumt, scheint Sabrinas Zukunft festgelegt zu sein - soll sie doch den Weinberg ihrer Mutter übernehmen. Alles in Sabrina wehrt sich gegen dieses vorbestimmte Leben... Und dann lernen die beiden Mädchen einen Jungen kennen, der so ganz anders ist als alle Landratten und Winzersöhne.
Von dem 19-jährigen Kilian, der mit seinem Schiff einsam und allein am geheimnisvollen "toten Full" ankert, geht eine verstörende Anziehungskraft aus. Amelie verfällt ihm sofort - und will über Nacht mit ihm abhauen. Am nächsten Morgen findet man ihre Leiche. Und Kilians Schiff ist verschwunden...

Zum Buch:
Es sollte ein aufregender Tag werden, doch alles scheint an Sabrinas 16. Geburtstag schief zu laufen. Dabei waren alle Voraussetzungen gut: Sommerferienbeginn, eine Überraschung, von der ihre Mutter schon seit Wochen sprach, ein wenig feiern am Strand mit der besten Freundin. Stattdessen entpuppt sich dieser Tag als der Beginn eines Alptraums. So erfährt Sabrina, dass das geheimnisvolle Geschenk ihrer Mutter ein eigener Weinberg ist - und Sabrina fühlt sich damit unter Druck gesetzt und der Zukunft beraubt. Am Strand mit ihrer besten Freundin Amelie hat diese nur Augen für Jungs und ganz besonders für den unbekannten Schiffer, der mit seinem guten Aussehen beide Mädchen in den Bann schlägt. Doch nach einem durchdringenden Blick auf Sabrina ist der bald verschwunden. Amelie lässt das nicht so leicht auf sich sitzen und stiftet Sabrina an, sich auf die Suche nach dem Unbekannten zu begeben. Sie finden ihn und seinen Lastkahn versteckt im Naturschutzgebiet und dringen in das Boot ein.
Dort lernen sie Kilian kennen, der zwar wortkarg ist, doch davon lässt sich Amelie nicht aufhalten: Sie flirtet und kokettiert und tut alles, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Sabrina derweil ist verwirrt. Sie glaubt sicher, dass eine Zärtlichkeit in der Art liegt, wie Kilian mit ihr umgeht, die er bei Amelie nicht an den Tag legt, doch ist sie sicher, dass Kilian nur Augen für die wunderschöne Amelie hat. Die beiden werden auf ein Abendessen am Schiff eingeladen und sagen zu.
Auf dem Weg dorthin bittet Amelie Sabrina, sie mit Kilian alleine zu lassen, um Zeit allein mit ihm verbringen zu können. Sabrina ist beleidigt, geht aber. Am nächsten Tag wird Amelies Leiche gefunden und Kilian ist weg.
Ein harter Sommer für Sabrina beginnt. Sie versucht mit der Trauer zurecht zu kommen und kann gleichzeitig nicht akzeptieren, dass niemand Amelies Mörder kennt und auch die Polizei nicht weiter weiß. Irgendwann nimmt sie die Dinge selbst in die Hand und stößt auf einige Ungereimtheiten... Die Situation spitzt sich zu, doch es sollen noch Monate vergehen, bis das Rätsel gelöst werden kann. Währenddessen hat Sabrina nicht nur mit ihren Gefühlen im Bezug auf Amelies Tod zu kämpfen, sondern auch mit denen Kilian gegenüber - was würde ihre Freundin davon halten, wenn Sabrina sich in den vermeindlichen Mörder verliebt hätte?

Rezeption:
Was den Inhalt angeht, ist "Lilienblut" ein spannend und gut durchdachter Jugendthriller. Es kommen immer neue Elemente ins Spiel, die das Interesse wach halten und immer wieder ein Stirnrunzeln hervorrufen. Bis zum Schluss war ich mir nicht eindeutig sicher, wer der Mörder ist oder inwiefern alle Geschehnisse zusammenhängen.
Sabrina ist ein sympathischer Charakter. Sie versucht herauszufinden wer sie ist, was ihr im Schatten der schönen, selbstsicheren Amelie ebenso schwer fällt, wie unter dem Druck ihrer Mutter, die sich nichts sehnlicher wünscht, als dass Sabrina ebenso Winzerin wird wie sie selbst. Erst nach Amelies Tod findet Sabrina langsam zu sich selbst, indem sie vieles in Frage stellt und eine neue Freundin findet. Die Suche nach Amelies Mörder wird zu gleich eine der Selbstfindung. Nebenbei muss Sabrina auch mit den Alltagsproblemen wie Schule, Familie, Liebe und Eifersüchteleien unter Freunden zurechtkommen, denn dass sie Amelies Tod nicht einfach auf sich beruhen lassen kann, ist für ihre Umgebung nicht so leicht zu akzeptieren. Immer wieder benutzt sie Amelies Tagebuch als eine Art Orakel und kann nicht recht Abschied nehmen.
Der Schreibstil Herrmanns ist angenehm, zum Teil amüsant, in manchen Passagen melancholisch - im Grunde immer der Situation angepasst und so gewählt, dass der Leser sich perfekt in die Figuren hineinleben kann. Die Action-reichen Situationen sind spannend dargestellt und auch mit romantischen Szenen weiß die Autorin umzugehen.

Ich denke, viel mehr brauche ich an dieser Stelle nicht zu sagen. "Lilienblut" eignet sich für alle, die Thriller mögen, noch besser für jene, die in das Genre einsteigen wollen, und bietet eine große Bandbreite an Gefühlen. Absolut lesenswert.


Zur Autorin:
Elisabeth Herrmann geboren 1959 in Marburg/Lahn kam erst auf Umwegen zum Schreiben. Nach einer abgebrochenen Lehre als Bauzeichnerin arbeitete sie zunächst als Betonbauerin und Maurerin, ehe sie auf dem Frankfurter Abendgymnasium ihr Abitur nachholte und ein Studium absolvierte. Heute arbeitet sie als Fernsehjournalistin für den RBB und lebt in Berlin.


Für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares bedanke ich mich herzlich bei



***
Nebenbei:
Ich habe gerade entdeckt, dass "Leviathan" von Scott Westerfeld auf Deutsch bei cbj erscheint! Ich habe es ja auf Englisch gelesen und war begeistert... mit wirklich tollen Zeichnungen von Keith Thompson!
Erscheinungstermin ist der 27.9.2010

Kommentare:

  1. Ich hatte das Buch gestern in der Hand und habe noch gaaanz lange überlegt ... aber dann entschieden, dass es mir zu gruselig-spannend sein wird.

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  2. So wirklich gruselig ist es nicht xD Ein Thriller für Zart-Besaitete eher... :D

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  3. Wird auf jeden Fall gemerkt! Danke für die Rezi :)

    Ach und Leviathan hab ich immer noch nicht gelesen! Vielleicht wart ich jetzt sogar auf die deutsche Ausgabe - vom Cover her sind sie sich ja ähnlich wenn es nicht sogar überhaupt das gleiche ist ^^

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  4. Gerne, was gibt es schöneres als ein Buch nach dem lesen noch ein wenig länger festhalten zu können, indem man es rezensiert? :D

    Ich find's toll, dass Leviathan so schnell übersetzt wird - und dir kann ich es nur wärmstens empfehlen! (Cover ist gleich - der Untertitel ist neu)

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  5. Schöne Rezension. Aber könntest du mich bitte mal darüber aufklären, warum deine eigentliche Kritik "Rezeption" heißt??

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  6. Rezeption, weil das der Teil ist, in dem ich darüber schreibe, wie ich als Leser es aufgenommen habe. Rezeption heißt nichts anderes als "Wahrnehmung" :)
    Es gibt eine eigene Theorie nach Wolfang Iser, die "Rezeptionsästhetik" genannt wird - wenn du es ein wenig wissenschaftlicher willst. Kommt aus der Literaturtheorie und beschäftigt sich damit, wie sich ein Text dem Leser im Akt des Lesens offenbart...
    Naja, ich hoff, das war jetzt ausreichend beantwortet :)

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  7. Ich bin mir ja immer noch unsicher, was dieses Buch angeht. Es klingt prinzipiell super, aber ich fürchte trotzdem, dass ein Jugendthriller nichts für mich ist – zumal ja Jugendprobleme ziemlich im Zentrum zu stehen scheinen, wenn ich das richtig verstanden habe. Das ist ja dann eher nichts für mich …

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  8. Es ist unbestreitbar auf jugendliche Leser ausgerichtet - das ändert aber nichts daran, dass die Geschichte sehr spannend ist. Aber ja, im Gegensatz zu anderen Thrillern, die ich gelesen habe (und das waren auch nicht so wenige) konzentriert Herrmann sich mehr auf Sabrinas Probleme als auf den kriminalogischen Kontext.

    Macht nix, man muss ja auch nicht jedes Buch gelesen haben.

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  9. Weiß nicht, also ich finde den Begriff "Rezension" dann immer noch weitaus passender, aber jedem das seine.

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  10. Richtig: Meine Seite, mein Begriff :)

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