Dienstag, 13. April 2010

[Rezension] Bernhard Hennen, Alica

13,5 x 21,5 cm
336 Seiten
EUR: 14,95 CHF: 26,50

ISBN: 978-3-8000-5526-5
Verlag: Ueberreuter

Inhalt (lt. Klappentext):
Was als Reise auf das Rittergut ihrer Großeltern beginnt, wird für die junge Alica zum schaurigen Fantasy-Märchen der etwas anderen Art: In dem Gemäuer treibt ein Geisterfalke sein Unwesen und Alica verliebt sich bald in den jungen Husaren François, der ihr im Spiegel erscheint. Und dann taucht auch noch der Heinzelmann Wallerich auf. Während der auf modernste Technik setzt, verstrickt sich Alica bald immer tiefer in schwarze Magie. Denn sie will nicht nur ihren Auftrag erfüllen, sondern auch François wiedersehen. Dafür schreckt sie sogar vor einem Pakt mit der gefürchteten Dunklen Königin nicht zurück ...

Zum Buch:
Die 14jährige Alica hat im Grunde schon genug Probleme. Ihr Vater ist vor Jahren bei einer Expedition in Ägypten verschollen, ihre Mutter hat einen neuen Freund und nach der Geburt von Alicas Halbbruder ist die Mutter schwer krank und muss im Krankenhaus bleiben. Alica fühlt sich verlassen und abgeschoben, als der Freund ihrer Mutter vorschlägt, dass sie die Weihnachtsferien bei den Eltern ihres Vaters verbringt.
Missmutig macht sich das Mädchen dorthin auf, nur um festzustellen, dass ihr Großeltern sie anscheinend vergessen haben und sie sich, schwer beladen mit Gepäck und Saxophon, zu Fuß zu dem Rittergut aufmachen muss, in dem die Großeltern leben. In Gedanken schmiedet Alica Rachepläne, während sie durch den Regen stapft, wird aber bald von einem älteren Herren in einem Wagen angesprochen, der sich bald als Arzt der Gegend und guter Freund ihrer Großeltern herausstellt. So kommt Alica letztendlich doch noch an. Doch die Großeltern sind nicht Zuhause. Sie beginnt sich Sorgen zu machen und durchsucht sie unzähligen Zimmer nach einem Hinweis, als sie von einem Falken angegriffen wird.
Als nächstes sieht sie sich ihrem Großvater gegenüber, der zwar besorgt ist, allerdings nicht sonderlich zu Gefühlsausbrüchen neigt und Alica schnell das Gefühl gibt, unwillkommen zu sein. Die Geschichte, die Alica vom Falken erzählt, tut der Großvater als Taube ab, die sich ins Haus verirrt hat. Alica glaubt ihm nicht. Und die seltsamen Vorkommnisse beginnen sich zu häufen. Im Badezimmerspiegel erscheint ihr das Bild eines jungen Mannes, von dem sie später auch träumt. Das Ganze erreicht seinen Höhepunkt, als sie mitten in der Nacht von einem Heinzelmann und dessen Möwe geweckt wird...
Wallerich, der Heinzelmann erklärt Alica, dass der Falke ein Geist ist, der dringend nach "Nebenan" verfrachtet werden muss. Der Ort, an dem alle Märchenwesen leben, seit die Zwerge für Ordnung in der übernatürlichen Welt sorgen. Da Alica glaubt, in einem Traum gefangen zu sein, hört sie dem Heinzelmann zu und verspricht auch, ihm helfen zu wollen. Dieser gibt dem Mädchen einen Ring, der helfen soll, dass sie Märchenwesen sehen kann.
Am nächsten Morgen allerdings steckt der Ring immer noch an Alicas Finger und nicht viel später trifft sie auch wieder auf Wallerich. Alica erkennt, dass die haarsträubende Geschichte des Heinzelmanns wahr ist und stürzt sich in die "Heinzelmanngeheimoperation".
Mit Wallerich besucht sie die Hexe Knuper in ihrem Lebkuchenhaus, um vor der mehr Informationen über den Geisterfalken zu bekommen; in einer Nacht bald darauf trifft sie auf die Arduinna Silva, die dunkle Königin, die ihr zeigen will, warum der Geisterfalke spukt. Alica wird ins Jahre 1812 katapultiert, wo sie auf die große Liebe ihres Lebens trifft: Francois, ein junger Husar - der Junge aus dem Badezimmerspiegel. Alica erkennt, dass es weniger um den Geist des Falken, sondern vielmehr um den des Husarenjungen geht und sie selbst die Schuld an desen Spuken trägt...

Rezeption:
Im Großen und Ganzen ist "Alica" ein netter Roman. Für mich allerdings nicht viel mehr. Die Geschichte bleibt trotz aller Versuche recht flach, so auch die Charaktere. Es will nicht wirklich Spannung aufkommen. Was im Grunde schade ist, denn der Autor hat sich einiges einfallen lassen mit seinen Märchenfiguren und dem kreativen "Nebenan".
In Alica habe ich mich nicht wirklich hineinversetzen können - ich bin einfach nie warm mit ihrem Charakter geworden, fand sie unfertig und alles andere als plastisch. Auch Francois, der nie aus seinem Liebesgesäusel herauszukommen scheint, will nicht wirklich lebendig werden.
Was den Erzähl- und Schreibstil angeht, war es gerade der, der mich immer wieder aus dem Leserythmus geworfen hat. Kommt gerade ein wenig Spannung auf und die Sätze laufen flüssig, wird der Stil mit einem Mal abgehackt und jeder Satz kommt wie ein eigener Steinschlag. Nicht aufgebessert wurde das durch die Tatsache, dass Fragezeichen nicht, oder an falschen Stellen eingeworfen wurden, so dass auch hier nochmal der Lesefluss stark gestört wird. Was ich erstaunlich fand, wenn man bedenkt, dass die vorliegende Fassung von "Alica" eine überarbeitete ist.

Enttäuscht bin ich von diesem Roman hauptsächlich, weil so furchbar viel Potential an Humor, Fantasie und Romantik in ihm steckt. Mit ein bisschen mehr Mühe hätte daraus ein formvollendetes Werk werden können, so aber ist es leider nur mittelklassig - wenn überhaupt.

2 von 5 Punkten

Zum Autor:
Bernhard Hennen, 1966 in Krefeld geboren, ist einer der erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren. Er ist ausgebildeter Germanist, Archäologe und Historiker. Seine fantastischen und historischen Romane wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Bernhard Hennen ist verheiratet, hat eine Tochter und einen Sohn und lebt seit Ende 2000 in seiner Geburtsstadt Krefeld.

Danke für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an

Kommentare:

  1. Dabei klang das Buch erst einmal gar nicht schlecht! oo'
    Schade; aber was soll's. Ein Wunschbuch weniger, hat auch was xD

    AntwortenLöschen
  2. Stimmt!
    Und es ist wirklich, wirklich schade bei dem Potential :(

    AntwortenLöschen
  3. Alicia stand eigentlich auf meiner Wunschliste, da es wirklich vielversprechend klingt. Aber jetzt werde ich mir das glaube ich doch noch mal überlegen. Ich mag es nämlich überhaupt nicht wenn ich mich in den Hauptcharakter nicht hineinversetzen kann =/

    AntwortenLöschen
  4. wow ich kanns kaum glauben dass ein buch von bernhard hennen so unterdurchschnittlich abschneiden kann ...
    aber okay ... auch ein meister der fantasy ist nicht unfehlbar^^

    AntwortenLöschen
  5. @Jennyfer: Jop, aus diesem Grund schreibe ich ja auch Rezensionen - wenn ich mir bei einem Buch nicht sicher bin, les ich schließlich auch vorher ein paar Meinungen, damit ich sicher gehen kann, keinen Blödsinn zu kaufen - Geld ist schließlich Geld.

    @Rose: Hat mich auch sehr schockiert. Von ihm ist man ja schließlich Besseres gewohnt.

    AntwortenLöschen
  6. Schade. Dabei gefällt mir das Cover so gut! :(

    AntwortenLöschen