Donnerstag, 4. März 2010

[Rezension] Ursula K. LeGuin - Die wilde Gabe

Inhalt (lt. Rückentext):
Das langerwartete neue Meisterwerk der erfolgreichsten Fantasy-Autorin aller Zeiten: Orrec verfügt über eine unheimliche magische Begabung - er kann andere mit seinem Blick töten. Seine Fähigkeit hat er jedoch nicht unter Kontrolle. Er wird zu einer unberechenbaren Gefahr für seine Familie. Und als eines Tages ein mysteriöser Fremder im Dorf auftaucht, stoßen Orrec und seine Gefährtin Gry auf eine erschreckende Wahrheit...

Zum Buch:
"Die wilde Gabe" ist eine jener Geschichten, die mit dem Ende beginnt. So befinden sich Orrec und seine Freundin Gry im Gespräch mit einem Tiefländer, der sich ins Hochland verirrt hat und Unterschlupf in Orrecs Haus gefunden hat. Die Kinder und der Mann tauschen Geschichten aus und erzählen sich vom Leben im Hoch- und im Tiefland. Als der Fremde nach der Augenbinde fragt, die Orrec immer trägt, bekommt er zu hören, dass Orrecs Vater sie ihm umgelegt hat - der Tiefländer ist entsetzt.
Hier beginnen die wahren Wurzeln der Geschichte: Orrec reist in Gedanken zurück zu seiner Kindheit, zu den Erzählungen, wie es kam, dass sein Vater eine Tiefländerin geheiratet hat. Es wird über das Leben im Hochland, über die besonderen Gaben der Menschen dort berichtet. Auch Orrecs Vater hat eine besondere Gabe: Die der Auflösung. Mit einem Blick kann er etwas vernichten - sei es nun Lebewesen oder Stein. Da sein Sohn die selbe Gabe erhalten wird, wenn er alt genug ist, unterrichtet Orrecs Vater ihn in allem, was er über seine zukünftige Gabe wissen muss.
Doch es dauert lange, bis sich die Auflösung endlich auch bei Orrec zeigt. Und statt sich über diesen Umstand zu freuen, ist der Junge entsetzt. Denn er wollte die Gabe nicht einsetzen und hat von nun an Angst, nicht zu bemerken, wenn er sie anwendet. In sich selbst sieht er eine Gefahr für die Menschen, die er liebt und als er sich seinem Vater gegenüber weigert, seine Kraft willentlich einzusetzen, eskaliert ein Streit, der dazu führt, dass ein ganzer Landstrich aufgelöst wird. Orrec und sein Vater sind von dem Ereignis geschockt und stimmen darin überein, dass es das beste ist, wenn Orrec von nun an seine Augen nicht mehr benutzen kann - der Junge bittet seinen Vater, ihm eine Augenbinde anzulegen, die er von nun an die nächsten drei Jahre tragen wird.
Von nun an muss Orrec sich an seine Blindheit gewöhnen und schließlich schenkt ihm seine Freundin Gry, die mit Tieren sprechen kann, einen abgerichteten Hund, der ihm den Weg weist.
Nach einem Besuch bei einem befeindeten Nachbarn erkrankt mit einem Mal Melle, Orrecs Mutter. Es kommt der Verdacht auf, der feindliche Nachbar hätte sie mit einem Bann belegt, der Melle dahinsiechen lässt. Ein Jahr darauf stirbt Orrecs Mutter.
Vater und Sohn sind verzweifelt und in ihrem Kummer entfernen sie sich voneinander. Inzwischen hat sich im Hochland herumgesprochen, dass Orrec eine so mächtige Gabe besitzt, dass er sie nicht bändigen kann - eine wilde Gabe. Er wird ob seiner Macht gefürchtet und geschätzt.
Orrec aber, der vor dem Tod seiner Mutter seine Augenbinde abnahm, um seine Mutter ein letztes Mal zu sehen, ist sich nun aber sicher, dass er sie das gesamte Jahr davor hätte ansehen können - er weiß mit Sicherheit, dass er ihr nie etwas angetan hätte. Er ist verbittert und gerade das verleitet ihn dazu, die Binde weiterhin zu tragen.
Melle, die ihm Lesen beigebracht hat, schrieb Bücher für ihn, da es im Hochland keine gibt und wollte diese als letztes Geschenk an ihren Sohn vermachen. Auf eine Bemerkung Grys hin, beginnt Orrec dann eines Tages morgens die Augenbinde abzunehmen, um in den Handschriften seiner Mutter zu lesen. Es dauert nicht lange, bis ihm einer bittere Wahrheit bewusst wird...

Rezeption:
Die Idee für das Buch ist außergewöhnlich. Man merkt eben, dass LeGuin eine Vorreiterin der Fantasy war. Wie auch in "Der Magier der Erdsee" ist die Sprache wunderschön, die Metaphern sind passend und unter all der fantastischen Oberfläche, steckt eine viel tiefer gehende Geschichte über das innere Selbst.
Allerdings... bei diesem Roman habe ich nicht nur Positives anzumerken. Mir ist sehr wohl bewusst, dass LeGuin dem Leser helfen wollte, sich in der Welt, die sie da geschaffen hat, besser zurecht zu finden - doch bei einem Buch von 300 Seiten kann es doch sehr langatmig wirken, wenn sich diese Erklärungen über gut ein Drittel der Gesamtgeschichte erstrecken. Aus diesem Grund dauerte es auch ein wenig, bis ich mit den Charakteren warm werden konnte, denn über die erfährt man zwar schon das eine oder andere, doch sie werden erst spät richtig lebendig.
Wer allerdings ein Fan von LeGuin ist, wird dieses Buch sehr mögen und wertschätzen können, was sie dem Leser mit dieser Geschichte sagen möchte.

Von mir gibt es 3 von 5 Punkten, weil ich finde, dass mehr aus der Geschichte hätte gemacht werden können.

Kommentare:

  1. Ha, es ist witzig, aber so was Ähnliches hab ich auch gedacht, als ichs in Ägypten gelesen hab. Es war so wie: Interessante Geschichte, aber irgendwie...mhmm...
    ^^

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  2. Ja, irgendwas passt nicht ganz...es fehlt irgendwie was xD

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  3. Aber trotz der drei Sterne klingt es fruchtbar interessant ... das kommt auf die Wunschliste! (;

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  4. Schade. Das Buch hätte mich echt angesprochen und wenn ich nicht grad an akutem Zeitmangel leiden würde, würd ich's trotzdem lesen. Leider bin ich zum Aussortieren gezwungen :( - und deinen Urteil vertrau ich blind!
    Vielen Dank für die schnelle Rezi :)

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  5. @kleine Mary Poppins: Klar, man macht sicher keinen Fehler, wenn man es nicht liest - aber es ist halt nicht die Wucht :D

    @Fani: Das mit dem Zeitmangel kenn ich :D Da freu ich mich immer, wenn ich was, was du nicht so toll gefunden hast, wegstreichen kann xD Beruht also auf Gegenseitigkeit, das mit dem blinden Vertrauen xD

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  6. xD Das freut mich :) Es gibt so viele Bücher, irgendwo muss man einfach mal einen Strich ziehen. Und wenn man sich gegenseitig Entscheidungen abnimmt, umso besser ;)

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  7. Zwei Gehirne sind immer noch besser als eins xD
    Manchmal wünschte ich ja, man könnte sich Datenkabel in die Köpfe stecken und Informationen austauschen - da ginge das Lernen und Lesen und alles andere viel schneller!
    Na, immerhin ist das Internet schon so eine Art kollektives Gehirn.

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