Dienstag, 16. März 2010

[Rezension] Melanie Benjamin - Alice und ich


Originaltitel: Alice I have been
Originalverlag: Delacorte Press
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 368 Seiten
€ 19,95 [D] | € 20,60 [A] | CHF 34,90
ISBN: 978-3-570-10047-9
Verlag: C. Bertelsmann

Inhalt (lt. Rückentext):
"Ach, ich bin es leid, Alice im Wunderland zu sein. Hört sich das undankbar an? Das tut es. Nur, dass ich es wirklich leid bin."
Das sagt die erwachsene Alice, die als Heldin des Kinderbuchklassikers unsterblich wurde. Sie war es, die Lewis Carroll bat, die Geschichte, die er ihr erzählt hatte, aufzuschreiben. Doch der Ruhm hat sich mit der Zeit ebenso gegen Alice wie gegen Lewis Carroll gewandt. Und als sich der jüngste Sohn der Königin Victoria in die junge Frau verliebt, wird Alice endgültig aus dem Wunderland vertrieben.

Zum Buch:
Die junge Alice Liddell, Tochter des Dekans von Oxford, verbringt ihre Kindheit unter den strengen Augen ihrer Mutter und immer begleitet von zweien ihrer Schwestern. Eine ebenso große (wenn nicht gar größere) Rolle in ihrem Leben spielt Charles Lutwidge Dodgson, Mathematikprofessor in Oxford und Nachbar der Familie Liddell. Der schüchterne Mann schließt bald Freundschaft mit den Schwestern und unterhält diese bei Ausflügen mit den wunderbarsten Geschichten und hat immer ein offenes Ohr für die wilde, unschuldige Alice, die sich noch nicht in ihre gesellschaftliche Rolle fügen kann - und am liebsten gar nicht erwachsen werden würde.
Dodgson, ein passonierter Fotograf und Vorreiter auf diesem Gebiet, entwickelt ein besonderes Interesse an der siebenjährigen Alice mit den weisen Augen. Er bittet sie, sich von ihm als Bettlermädchen fotografieren zu lassen - ein Bild, das für immer das Wesen des ungestümen, verträumten Mädchens festhalten wird.
Jahre später erzählt Dodgson eine Geschichte, die bleibenden Eindruck hinterlassen wird. Bei einem Ruderausflug berichtet er von der kleinen Alice, die einem Kaninchen ins Wunderland folgt... Alice Liddell, zehn Jahre, drängt ihren erwachsenen Freund, die Geschichte aufzuschreiben, damit sie für immer ein Kind bleiben kann - denn ihr schwant schon jetzt, dass die Unbekümmertheit der Jugend bald zu Ende sein wird.
Charles Dodgson tut dem Mädchen den Gefallen - veröffentlicht die Geschichte aber erst einige Zeit später unter dem Pseudonym Lewis Carroll. Die Geschichte macht nicht nur den stotternden Mathematiker, sondern auch Alice zu einer Berühmtheit. Allerdings stehen sie dem plötzlichen Ruhm nicht mehr gemeinsam gegenüber: In der Zwischenzeit kam es zum Bruch zwischen den Familien aufgrund der Vorkommnisse an einem Sommertag, ein Jahr nachdem Dodgson die Geschichte erzählt hatte. Was wirklich an jenem Tag geschah, soll lange ein Rätsel bleiben.

Die Jahre vergehen und die kleine Alice aus dem Wunderland wird zu der dreiundzwanzigjährigen Alice Pleasance Liddell, eine verliebte Frau. Prinz Leopold, jüngster Sohn Victorias, kommt nach Oxford zum Studieren - und verliebt sich in die Tochter des Dekans. Obwohl sich Alice ihrer Vergangenheit bewusst ist und ständig in deren Schatten lebt, kann sie ihre Zuneigung zu dem jungen Prinzen nicht verbergen. Doch auch hier holt sie jener nebulöser Sommernachmitag ein.

Es folgt ein Schicksalsschlag auf den anderen und schließlich scheint Alice ihr Glück gefunden zu haben: Sie ist verheiratet und hat drei Söhne. Ihrer Vergangenheit konnte sie, wenn nicht emotional, so doch geographisch entfliehen, denn ihr Heim befindet sich weit entfernt von Oxford. Aber dann bricht der erste Weltkrieg aus und ihre Söhne müssen ihre Pflicht tun...

Rezeption:
Ehrlich gesagt, war ich schon lange nicht mehr so aufgewühlt nach dem Lesen eines Buches. Was auch immer ich erwartet habe, als ich "Alice und ich" aufschlug - auf das, was folgte, war ich nicht vorbereitet. Melanie Benjamin zeichnet ein so liebevolles, ein so nahegehendes Bild der wahren Alice, der Muse Lewis Carrolls. Für diese Alice gibt es kein Wunderland, dass sie vor dem Erwachsenwerden und Schicksalsschlägen bewahrt. Tatsächlich sieht Alice Liddell ihr als siebenjähriges verewigtes Ich als Fluch, als eine Bürde, die sie ihr gesamtes Leben zu tragen hat. Denn eben jene Geschichte ist es, die sie für immer mit Charles Dodgson/ Lewis Carroll verbinden wird, obwohl sie der Vergangenheit nur den Rücken zukehren will.
In dieser Romanbiographie kann man nachvollziehen, wie schwer es für das Mädchen gewesen sein muss erwachsen zu werden, während die ganze Welt in ihr die Personifikation der Kindheit gesehen hat. Mit diesem Roman begibt sich der Leser sozusagen hinter die Kulissen des berühmten Kinderbuch-Klassikers, er versteht, was für eine Auswirkung so eine kurze Geschichte auf ein gesamtes Leben haben kann.
Ich empfand es als wundervoll, Alice auf ihrem Lebensweg begleiten zu können, miterleben zu können, wie sie sich gegen das Geschenk - oder die Bürde - die ihr Kindheitsfreund ihr gemacht hat, zu wehren versucht, um es am Ende ihres Lebens als das anzunehmen, was es ist: Eine Geschichte. Eine Hommage an ein lebensfrohes, ungebändigtes Mädchen. Kein Fluch und keine Bürde.

Ich möchte dieses Buch allen ans Herz legen, die durch ein Kaninchenloch direkt in Alice Liddells Kampf mit der Alice, die sie war und der Alice, als die sie gesehen wurde, blicken will.

5 von 5 Punkten


Informationen über die Autorin und ihr Buch: http://www.melaniebenjamin.com/

Herzlichen Dank an

Kommentare:

  1. Kommt auf jeden Fall auf meine Liste! Lass ich mir doch nit entgehen ;)

    Danke für die tolle Rezi! :) (Ein paar Tippfehler hast du drin, ich dachte, ich sag's dir lieber ^^)

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  2. Danke für die Tippfehlerkontrolle - muss ich gleich berichtigen! Ich war ziemlich müde und habs nimma durchgelesen :D

    Danke :) Ich kanns wirklich nur empfehlen!

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  3. Oh ja, wenn man müde ist macht die Tastatur sowieso was sie will - und wenn selbige Tastatur schon seit Jahren täglich genutzt wird, den ein oder anderen Roman über sich ergehen lassen hat müssen und deshalb schon kompletter schrott ist (Grüße an meine eigenen Tastatur xD)

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  4. Das klingt wirklich klasse - dieses Buch kommt auch auf meine Liste, definitiv! (:
    Danke für die Rezi ;D

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  5. Bei mir haben schon zwei andere Tastaturen inzwischen den Geist aufgegeben xD Dafür verschwinden bald schon wieder einige Buchstaben... Naja, noch dient sie mir, wenn ich nicht müde bis zur Besinnungslosigkeit bin xD


    Saskia: Gerne :D Also, ich hab mich so in die Geschichte hineingelebt, dass ich an gewissen Stellen wie ein Wasserfall geheult hab +hust+

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  6. Mir hat das Buch auch sehr gut gefallen, allerdings habe ich so meine Probleme mit dem Ende und der Darstellung von Alice in Bezug auf Charles Dodgson.
    Aufgewühlt hat mich das Buch aber auch auf jeden Fall, vor allem, weil ich nie mit so einer tragischen Geschichte gerechnet hätte.

    Liebe Grüße,
    Nina

    PS: Schöner Blog! Habe ihn gerade eben entdeckt und mich gleich in das hübsche Design verguckt.

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  7. Aufwühlend war es auf alle Fälle. Ich fand es allerdings auch gut, dass Benjamin Carroll nicht als Heiligen dastehen lässt. Das gibt ihm eine greifbarere Note.


    Danke für das Lob ♥

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  8. Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen,weil ich wissen wollte, wer -außer mir- noch eine Rezension zu dem Buch geschrieben hat und wie das Buch anderen gefällt.

    Eine schöne Rezi hast du geschrieben! :)
    Ich fand "Alice und ich" übrigens genauso gut und ann es nur jedem weiterempfehlen!

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  9. Dankeschön :)
    Ein wirklich tolles Buch.

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