Dienstag, 23. März 2010

[Rezension] Laura Whitcomb, Silberlicht

Originaltitel: A Certain Slant of Light
Originalverlag: Graphia Books
Gebunden; 320 Seiten
€ 14,95 [DE]
ISBN: 978-3-426-28328-8
Verlag: Pan

Inhalt (lt. Rückentext):
Helen ist tot. Und doch ist es ihr nicht vergönnt, ins Himmelreich aufzusteigen. Als durchsichtiger Schatten einer einst wunderschönen Frau bleibt sie auf Erden gefangen. Niemand sieht sie und niemand kann sie berühren. Sie ist die stille Muse ihrer »Bewahrer«, allesamt Schriftsteller, denen sie die richtigen Worte einflüstert und die nie etwas von ihrer Existenz erfahren werden. Bis eines Tages ein Siebzehnjähriger ihr Leben verändert: Er blickt Helen direkt ins Gesicht und … er lächelt! Im Körper des Schülers steckt James, ebenfalls eine Lichtgestalt. Er ist fasziniert von Helens Schönheit, und vom ersten Augenblick an wissen die beiden, dass sie füreinander bestimmt sind. Nun müssen sie alles daransetzen, einen menschlichen Körper für Helen zu finden. Eine abenteuerliche Suche beginnt …

Helen und James – das neue Traumpaar der übersinnlichen Welt!

Zum Buch:
In ihrem inhaltlich dichten, quantitativ aber eher mageren Werk, stellt Laura Whitcomb eine einsame Seele auf der Suche nach Erlösung vor: Helen. Seit ihrem Tod erinnert Helen sich an nicht mehr viel aus ihrem vorherigen Leben. Sie weiß ihren Namen und ihr Alter (27), sie ist sich recht sicher, verheiratet gewesen zu sein. Ansonsten weiß sie aber nur noch mit Sicherheit, dass sie seit 130 Jahren tot ist. Aus irgendeinem Grund kann sie nicht in den Himmel aufsteigen und ist dazu verdammt, ihr Nachleben auf der Erde zu verbringen, ohne dass irgendjemand etwas von ihrer Existenz ahnt. Helens einzige Freunde sind Menschen, die sie ihre "Bewahrer" nennt. An diesen Personen hält sie sich fest, damit sie sich nicht auflöst, denn sie ahnt, dass sonst etwas böses geschieht.
Der Nachteil ihrer Bewahrer ist, dass Helen sich nicht sehr weit von ihnen weg bewegen kann. Für deren jeweilige Lebensspanne ist sie an diese Personen gebunden. Ständig wacht sie über ihre Bewahrer, flüstert ihnen wie eine Muse Gedanken und Ermutigungen ein. Doch sie leidet darunter, niemals jemanden berühren zu können. Die ewige Einsamkeit zehrt an ihr.
Als Helen mit ihrem sechsten Bewahrer, dem Englischlehrer Brown, in dessen Klasse sitzt, geschieht etwas, dass der Geist nicht für möglich gehalten hätte: Einer der Schüler kann sie sehen. Der 29jährige James, selbst eine "Lichtgestalt" hat sich im Körper des 17jährigen Billy eingenistet, als dieser seine sterbliche Hülle nach einer Überdosis an Drogen verlassen hatte. Fast augenblicklich verliebt James sich in Helen, versteht, dass sie die zwei einzigen ihrer Art sind und drängt Helen, sich selbst auch eine leere Hülle zu suchen.
In der Befürchtung James niemals wirklich berühren zu können, macht sie sich gemeinsam mit ihm auf die Suche nach einem Wirtkörper und wird fündig: Die 15jährige Jenny wurde von ihren Eltern solange unterdrückt, bis es ihre Seele nicht mehr aushielt und sich zurückzog.
Doch die erste Euphorie verklingt bald, als Helen bemerkt was es bedeutet, ein fremdes Leben mit seinen eigenen, zu Beginn noch unbekannten, Problemen und Gefahren zu leben. Sie besitzt keine Erinnerungen aus Jennys Leben und stürzt sich schon bald von einem Problem ins nächste. Nur allzu bald wird ihr bewusst, dass sie nicht nur ihr eigenes Leben in Ordnung bringen muss, sondern auch Jennys und das ihrer Eltern. Und auch James erkennt, dass das geborgte Leben nicht die Lösung ist. Die Tragik der Situation tritt hervor: obwohl sich die beiden Lichtgestalten gerade erst gefunden haben, erkennen sie schnell das Ausmaß ihrer Taten und deren Konsequenzen...

Rezeption:
Laura Whitcomb versteht es, den Leser zu fesseln und so stört es fast gar nicht, dass die Geschehnisse ein wenig flott vorangehen. Aber eben nur fast. Für die dichte des Romans ist die Seitenzahl nicht ganz ausreichend, aber das hatte nebenbei auch den guten Effekt, dass man dadurch schneller an die Geheimnisse hinter Helen und James, Jenny und Billy kommen konnte. Ist man erst mit Helens Problem konfrontiert, beginnt man sich schon bald auch über James Tod Gedanken zu machen und ebenso schnell vermischen sich Jennys und Billys eigene Leben mit denen der Geister. Schritt für Schritt erfährt man mehr über die vier Charaktere und auch wenn Jenny und Billy schon längst nicht mehr in ihren Körpern wohnen, so hat man doch das Gefühl, dass sie weiterhin ihre eigenen Leben dominieren. Schließlich wissen deren Verwandte nicht, dass plötzlich wer anderer deren Körper bewohnt und so müssen Helen und James ihr bestes geben, um sich ihrem neuen Umfeld anzupassen. Dass es dabei nicht reibungslos zugehen kann, ist vorhersehbar. Gerade die Momente, in denen sich die beiden nicht so verhalten, wie ihre "Vormieter" es getan hätten, wirft Licht auf die Personen aus ihrer Umgebung. Auf diese Art kann man sich trotz des schnellen Tempos gut mit den Charakteren identifizieren. Besonders natürlich mit Helen, die Ich-Erzählerin und Hauptprotagonistin ist.
Spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Das hat sich besonders heute gezeigt, als ich in eine Vorlesung musste und immer schneller gelesen habe, um die letzten Seiten noch lesen zu können, bevor ich gehen musste, um das Geheimnis um Helen endlich gelüftet zu sehen. Kurz gesagt überzeugen die Charaktere, besticht die Geschichte mit Originalität, Gefühlschaos und einem Schuss Dramatik. Für alle, die auf der Suche nach einem guten, schnell gelesenem Buch sind.

4 von 5 Punkten. Ein Punkt Abzug, weil ich mir gewünscht hätte, die Autorin hätte ihrer Geschichte ein wenig mehr Zeit zum Atmen gelassen und noch gute hundert Seiten drangehängt.


Nebenbei: Mir fällt es schwer, das Buch in eine gewisse Altersklasse einzuteilen - gefühlsmäßig würde ich es als Jugendroman bezeichnen, was natürlich nicht ganz so eindeutig gemacht wird durch Helens und James wahres Alter. Da die beiden aber die meiste Zeit der Geschichte im Körper von zwei Jugendliche stecken, Probleme mit Eltern, Geschwister und Schule haben, zielt es doch eher auf Jugendliche ab.

Zur Autorin:
Laura Whitcomb ist in Pasadena, Kalifornien, aufgewachsen. Bevor sie ihre Leidenschaft für das Schreiben zum Beruf machte, arbeitete sie als Englischlehrerin. Für Silberlicht, ihren ersten Roman gewann sie vier Literaturpreise und war für weitere fünf Awards nominiert. Die Filmrechte für Silberlicht sind bereits verkauft. Weitere Infos zur Autorin unter www.laurawhitcomb.com oder http://laurawhitcomb.wordpress.com


Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Exemplars an

Kommentare:

  1. Ich schleicht ja schon länger um das Buch herum, aber deine Rezi bzw. der Nebenbei-Absatz hat jetzt den Ausschlag gegeben, dass ich wohl die Finger davon lassen werde – es sei denn, "Silberlicht" begegnet mir mal für nen Spottpreis auf dem Flohmarkt.

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  2. Deswegen gibt es Rezensionen ja :D
    Aber ich finde es wirklich lesenswert! Was ja auch der Grund war, weswegen ich mich gewünscht hätte, es wäre dicker gewesen.
    Aber wart einfach, ob es mal als TB rauskommt oder - das mach ich immer - schau in Second-Hand-Buchläden rein. Billig ist das Buch leider wirklich nicht :(

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  3. Aber scheinbar hat es doch ganz gut gefallen (: Freut mich! -lach-
    Ich fand das Buch insgesamt gesehen ja auch sehr schön ^^

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  4. Freut mich, dass es dir gefallen hat :) Ich fand übrigens "The Fetch" auch richtig toll! Hat mir persönlich sogar noch besser gefallen als "A certain slant of light", weil's sehr historisch angehaucht ist, wär vielleicht auch was für dich :)

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  5. @Saskia: Ja, hat es :D
    @Fani: Hm...werd ich mal ins Auge fassen :D Danke!

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  6. Mhm. Also ich fand, dass das eines der besten Bücher seit langer Zeit war. Vielleicht muss man wirklich etwas älter sein, denn als Jugendbuch hätte ich es eigentlich auch nicht bezeichnet.
    Aber selbst ebi Dir klingt ja an, dass Du es kaum aus der Hand legen konntest. ;)

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  7. Das klingt sehr stark an - wie gesagt, ich war nur mit dem Ende nicht zufrieden. Alles andere war perfekt.

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