Freitag, 19. März 2010

[Rezension] Laura Gallego García - Die Kaiserin des blauen Lichts

dtv premium
Aus dem Spanischen von Ilse Layer
260 Seiten

ISBN 978-3-423-24776-4
Euro
SFR 21,90


Inhalt
(lt. Rückentext):
Bipa und Aer leben wie viele andere Familien in den Höhlen. Draußen herrscht immer Winter, es ist neblig, kalt und ungemütlich. Nur hinter den Eisbergen, heißt es, im Ätherischen Reich, hat die Unwirtlichkeit ein Ende. Dort gibt es kein Leiden, Hunger und Durst existieren nicht. Bipa glaubt diesen Geschichten nicht. Doch Aer hat sich schon auf den Weg gemacht und Bipa beschließt, ihm zu folgen.

Leseprobe

Zum Buch:
Aer und Bipa kennen sich schon von Geburt an. Ihnen blieb in dieser Hinsicht auch keine andere Wahl - schließlich ist die Gemeinde in den Höhlen nicht sonderlich groß und die Höhlen zu verlassen, bedeutet in den Tod zu gehen, herrscht draußen doch ewiger Winter.
Die beiden Kinder beschließen allerdings schon bald, dass sie sich nicht sonderlich mögen und gerade die bodenständige Bipa meidet den träumerischen Aer, weil sie dessen Ansichten und seinen unerschütterlichen Glauben an die blaue Kaiserin nicht nachvollziehen kann. Für sie sind die Geschichten vom Ätherischen Reich eben nur das: Geschichten. So vergehen die Jahre, in denen Aer seinen Träumen nachhängt und Bipa sich den praktischen Dingen wie Kochen und dem Hüten der Herde zuwendet. Obwohl Aer von ihren Freundinnen angeschmachtet wird, interessiert sich Bipa nicht weiter vor ihm. Sie ahnt, dass Aer dem Beispiel seines Vaters folgen wird, der sich eines Tages auf den Weg ins Ätherische Reich gemacht hat und nie wieder zurückkam. So rät sie auch ihren Freundinnen von einer Beziehung mit ihm ab, um allen viel Schmerz und Leid zu ersparen.
Eines Tages jedoch findet das junge Mädchen in den Höhlen einen neuen Weideplatz für ihre Herde und entdeckt dabei seltsame Malereien an den Höhlenwänden. Die Bilder stellen Menschen und ihr unbekannte Tierarten dar. Überhaupt kann sich Bipa schwer mit den Zeichnungen identifizieren: Zwar gibt es auch in den Höhlen Tiere, von denen sich die Bewohner ernähren können, aber die sind klein und kommen nicht im Geringsten an die Größe der dargestellten Tiere heran. Außerdem gibt ihr das Bild einer roten Scheibe Rätsel auf - denn eine Sonne gibt es nicht in ihrem Leben, nur ewiger düsterer Nebel und das blaue Licht des Sterns der Kaiserin.
Diese Höhle entdeckt auch Aer, gerade wieder mit einem seiner Experimente beschäftigt. Beide Jugendliche wissen nicht, was sie in der plötzlichen Gegenwart des anderen machen sollen, und so erzählt Aer Bipa von seinem neuesten Projekt. Das Mädchen macht ihm allerdings schnell mit knappen Worten klar, weshalb das Unterfangen zum Scheitern verurteilt ist. So kommt es, dass Aer immer öfter Bipas Rat sucht, um einen rationalen Aspekt in seine träumerischen Ideen zu bringen. Zwischen den beiden etwickelt sich eine Art widerwilliger Freundschaft.

Mit der Zeit zeigt sich Aers Ruhelosigkeit allerdings immer deutlicher. Immer noch spricht er vom Reich der Kaiserin und Bipa ist nicht sonderlich verwundert, als er eines Tages aus den Höhlen verschwunden ist.
Es vergehen Wochen und Aer wird für Tod erklärt. Doch dann steht er ausgemagert und durchgefroren plötzlich vor Bipas Tür und verwirrt damit die gesamte Gemeinde. Bipa nimmt ihn auf, ahnt aber, dass seine Anwesenheit nicht von Dauer ist. Und sie behält Recht: Kaum ist er wieder gesund, verschwindet Aer erneut. Diesmal hält sich die Suchbereitschaft der Höhlenbewohner in Grenzen und schließlich gibt Bipa ihren Entschluss bekannt: Sie wird Aer folgen und zurückholen.
Es beginnt eine beschwerliche Reise und Bipa wird bald klar, dass die Kaiserin und ihr Ätherisches Reich realer ist, als sie sich bisher eingestehen wollte und dass der Weg zu ihr den Verlust Bipas Selbst bedeuten kann. Immer verzweifelter folgt sie Aer, um ihn rechtzeitig einzuholen und trifft dabei auf die Blassen, deren größter Wunsch es ist, zur Kaiserin zu kommen. Und bald wird auch klar, dass die Höhlenbewohner unbewusst die letzten Rebellen gegenüber der Vorherrschaft des Ätherischen Reichs sind.

Rezeption:
"Die Kaiserin des blauen Lichts" ist eines der wenigen Bücher, die mehr sind als was sie aussehen. In den gerade einmal 256 Seiten spinnt die spanische Autorin eine Geschichte mit mehr Tiefe, als ich es dem Buch zu Beginn zugetraut hätte. So fühlt man sich schnell in die Charaktere von Aer und Bipa hinein, wobei gerade Bipa positiv auffällt mit ihrem schnippischem und bodenständigen Wesen, das sehr in Kontrast mit vielen anderen Protagonisten steht.
Vor allem Bipas Reise durch die Welt außerhalb der Höhlen hält viele interessante Dinge bereit - wobei man allerdings nicht sagen kann, dass der Roman Rasanz oder Action zu bieten hätte, dafür geht es viel zu ruhig zu, aber nicht weniger spannend. Dem Leser fällt bald auf, dass der Wandel, von dem ständig die Rede ist, den drei Aggregatzuständen folgt: Ziel der Wesen ist es, von einem festen zu einem flüssigen und schließlich ätherischen/ gasförmigen Zustand zu gelangen. Bipa scheint die einzige Rationaldenkende in dieser seltsamen Welt zu sein. Und außerdem unterscheidet sie ihr Ziel von den anderen: Wollen jene zur Kaiserin gelangen, ist Bipa bloß auf der Suche nach Aer. Und irgendwie auch auf der Suche nach sich selbst und ihren wahren Gefühlen.

4 von 5 Punkten, denn es gibt zwar bessere Jugendromane, doch "Die Kaiserin des blauen Lichts" bietet auf jeden Fall mehr, als man zuerst erwarten würde.


Ich bedanke mich für das Rezensionsexemplar bei

Zur Autorin:
Laura Gallego García wurde 1977 bei Valencia in Spanien geboren. Die Historikerin und Hispanistin hat sich auf die Literatur des Mittelalters spezialisiert. Für ihren ersten Roman ›Finis Mundi‹ bekam sie den renommierten Preis El Barco de Vapor. Mit der Idhún-Trilogie hat sie den Durchbruch zur internationalen Bestsellerautorin geschafft. Laura Gallego García lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe von Valencia.
Magische Welten der Laura García

Kommentare:

  1. Hm, interessant klingt es irgendwie schon. Vor allem die Bezeichnung "Ätherisches Reich" find ich ja klasse xD Erinnert mich so an ätherische Öle ;)

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  2. +fg+ Auf ätherische Öle wäre ich jetzt nicht gekommen xD

    Ja, ich war wirklich überrascht! Ich meine, im Grunde ist es ein recht dünnes Buch für Jugendliche von 12-14,würd ich sagen - aber es hat mich schon recht fasziniert. García schreibt gut, erschafft eine tolle Welt (sehr innovativ!!!) und ich fand Bipa einfach toll xD

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  3. Klingt toll. Scheint, als wäre mein Wunsch-SuB angewachsen :)
    Endet die Geschichte oder folgen weitere Bücher?

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  4. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen :D

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