Mittwoch, 31. März 2010

[Rezension] Bettina Belitz, Splitterherz

erschienen Januar 2010
632 Seiten, 15.0 x 22.0 cm
ISBN 978-3-8390-0105-9
Hardcover
19,90 € (D)
20,50 € (A)

Inhalt (lt. Klappentext):
Es gibt genau einen Grund, warum Elisabeth Sturm nicht mit fliegenden Fahnen vom platten Land zurück nach Köln geht, und dieser Grund heißt Colin. Der arrogante, unnahbare, aber leider auch äußerst faszinierende Colin gibt Ellie ein Rätsel nach dem anderen auf, und obwohl sie sich mit aller Macht dagegen wehrt, kann sie sich seiner Ausstrahlung nicht entziehen.
Bald muss Ellie einsehen, dass Colin viel mehr mit ihrer Familie verbindet, als sie sich je vorstellen könnte. Ihr Vater Leo verbirgt ein Geheimnis, das ihn und Colin zu erbitterten Gegnern macht – und das Ellie in tödliche Gefahr bringt. Dass sie mit ihren seltsamen nächtlichen Träumen den Schlüssel zu dem Rätsel in der Hand hält, begreift Ellie erst, als ihre Gefühle für Colin alles zu zerstören drohen, was sie liebt.

Zum Buch:
Mehr über den Inhalt zu schreiben ist in diesem Fall tatsächlich schwer. Ich befürchte, mit jedem Satz ein wenig zu viel zu verraten und potentiellen Lesern die Chance zu nehmen, sich selbst in das Mysterium zu stürzen, zu rätseln und gespannt auf die Auflösung zu warten. Dementsprechend werde ich mich jetzt ungewohnt knapp halten.

Elisabeth Sturm ist äußerlich betrachtet eine gehorsame Tochter, in der Schule beliebt, top gestylt und rundherum so, wie man es von einem Teenager in der Stadt erwarten würde. Die Fassade bröckelt allerdings schnell, als sie ihre neue Heimat im Westerwald besser kennen lernt - denn dort entdeckt sie auch sich selbst wieder und muss sich eingestehen, dass all die Oberflächlichkeit sie nicht wirklich glücklich machen konnte.
Einen Anstoß zu diesen selbstkritischen Betrachtungen gibt ihr der unnahbare Colin, der Elisabeth immer wieder aufs Blut reizt und dennoch eine morbide Anziehungskraft auf sie ausübt. Schließlich möchte das Mädchen herausfinden, weshalb im Ort abfällig über ihn geredet wird und die meisten Menschen ihn meiden. Der Grund lässt nicht lange auf sich warten, als ihr Vater ihr dann sein größtes Geheimnis erzählt.

Rezeption:
An ebendieser Stelle hat auch der Leser dann eine Weile zu nagen - was allerdings keineswegs zu Langeweile und Ungeduld führt. Im Gegenteil versteht es die Autorin bestens, den Leser bei Laune zu halten und die Spannung immer weiter aufzubauen, immer neue Informationen und Rätsel ins Geschehen zu werfen, bis endlich Klarheit in die Angelegenheit gebracht wird. Aber das dauert. Und es ist reiner Genuss.
Normalerweise werde ich in solchen Augenblicken nervös, blättere ein paar Seiten vor, um zu sehen, wie lange sich das alles noch hinziehen wird - nicht aber hier. Da war an ein Vorblättern gar nicht zu denken! Stattdessen habe ich die Welt um mich herum vergessen und mich vollkommen in der Geschichte verloren. Am liebsten hätte ich das Buch in einem durch gelesen, was allerdings durch zwei Aspekte verhindert wurde: Mit 630 Seiten ist es nicht gerade schnell gelesen, zum anderen musste ich "Splitterherz" zwei Tage aus der Hand legen, weil ich übersiedelt bin. Hach - das habe ich heute aber alles nachgeholt, weil ich nicht länger auf die Lösung des Rätsels (oder auch der Rätsel, wie auch immer) warten konnte. Meine Erwartungen wurden auf jeden Fall getroffen, teilweise übertroffen.
Um zu einigen handfesteren Dingen zu kommen: Besonders begeistert war ich vom Erzählstil. Belitz schafft es, eine Art untergründigen Humor in ihre Schilderungen zu bringen, der immer wieder ein Schmunzeln hervorruft und die Ich-Erzählerin sympathischer und realer wirken lässt. Denn Elisabeth tritt mit Humor, leisem Sarkasmus und zarter Ironie ihren Problemen entgegen und lässt sich von keinem Tiefschlag unterkriegen - eine bewundernswerte Eigenschaft, die noch mehr dadurch an Gewicht gewinnt, dass Ellie eine recht ängstliche Person ist. Zumindest was Spinnen und Pferde angeht.
Ebenso gut getroffen war der Charakter und dessen Beschreibung von Colin, dem Düsteren, Unnahbaren. Sein Gehabe nimmt man ihm ab, man stempelt ihn nicht gleich als komischen Kauz ab, da man Ellies Faszination für ihn vermittelt bekommt und gar nicht anders kann, als sich ebenfalls Gedanken über ihn und die wiedersprüchlichen Gefühle, die er auslöst, zu machen.
Entzückende Nebencharaktere waren übrigens Colins Kater Mister X und sein Pferd Louis D'Argent - beide mit ihren Marotten und Eigenheiten, die einem Tierbesitzer an die eine oder andere Angewohnheit seines eigenen Haustiers denken lassen wird.

Bevor ich mich endgültig in Schwärmereien ergehe, muss ich natürlich auch das Manko erwähnen, das ich entdeckt habe. Ich war begeistert davon, dass Colin und Ellie genug Zeit gelassen wird, um sich aneinander zu gewöhnen und deren Charaktere ausführlich vorzustellen, bis sie facettenreich genug waren, um nicht mehr nur als Romanfiguren betrachtet werden zu können. Deswegen war ich dann von dem recht knappen, melodramatischen Showdown entgeistert. Natürlich war auch das mit Spannung zu lesen - wie eben jede vorhergehende Seite - allerdings hat es mich zu sehr an schon bekannte Fantasy-Jugend-Romane erinnert. Für das Ende hätte sich die Autorin ruhig ein wenig mehr Zeit lassen können, sich vielleicht etwas weniger symptomatisches aussuchen können, dass die gesamte Geschichte besser abgerundet hätte. Aber auch so ein gelungenes Ende, das möchte ich nicht abstreiten. Nur eben nicht perfekt genug, um dem vorgelegten Standard zu entsprechen.

Alles in allem ist "Splitterherz" ein mehr als lesenswertes Buch. Geeignet für alle, die ein wenig rätseln und träumen wollen, die wissen, wie schütter die eigene Fassade sein kann und die akzeptieren können, dass es die große Liebe wohl gibt, wenn auch nicht immer für einen selbst.

5 von 5 Punkten

Zur Autorin:
Bettina Belitz, an einem sehr sonnigen Spätsommertag 1973 beinahe in einer Heidelberger Bäckerei zur Welt gekommen, wuchs zwischen unzähligen Büchern auf und verliebte sich schon früh in die Magie der Buchstaben. Lesen alleine genügte ihr dabei nicht – nein, es mussten auch eigene Geschichten aufs Papier fließen. Nach dem Studium der Geschichte, Literaturwissenschaft und Medienwissenschaft arbeitete Bettina Belitz als Redakteurin und freie Journalistin, bis sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen zum Beruf machte. Heute lebt Bettina Belitz umgeben von Pferden, Schafen, Katzen und Hühnern als freie Autorin in einem 400-Seelen-Dorf im Westerwald.

Mehr zur Autorin auf splitterherz.com



Ich bedanke mich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bei

Kommentare:

  1. Es hat dir auch so gut gefallen! Freut mich zu lesen :D
    Und auf "Fallen" bin ich echt mehr als gespannt!

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  2. Ich bin ja nach diversen Rezensionen sehr unschlüssig, ob das Buch was für mich persönlich ist, aber es steht hier und ich habs mir fürs lange Osterwochenende vorgenommen – mal schauen, ob ichs wirklich schaffe und wie ichs finde. Deine Rezension macht mir jedenfalls echt Lust aufs Buch, trotz meiner Skepsis! :)

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  3. @Fani: Ja, hat es :D
    Fallen liegt grad neben mir und wird heute sicher noch in Angriff genommen :) Aber ich sollt auch mal endlich "Tod in Venedig" für die Uni fertig lesen +hust+

    @irina: Lies es einfach - ich glaub nicht, dass du enttäuscht wirst :)

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